Am Mittwoch soll im Stadtrat die Entscheidung über die Zukunft des Rezatparkplatzes fallen. Die aktuelle Debatte über die notwendige Zahl an Parkplätzen vor der Altstadt erinnert an die späten 1970er Jahre. Damals wurde eine Erweiterung der Stellflächen entlang des Flusses beschlossen und umgesetzt.
Auch damals stand eine Kommunalwahl vor der Tür, als es um die Entscheidung ging. Und Anlass für die Debatte war – ebenso wie heute – eine wasserbauliche Maßnahme. Regulierung und Hochwasserfreilegung der Rezat nannte das Wasserwirtschaftsamt das Vorhaben vor fast 50 Jahren und man sicherte einen „naturnäheren Ausbau” zu – Sumpfpflanzen inklusive. Außerdem sollte der damals baufällige „Eiserne Steg” ersetzt werden.
Parkplätze gab es damals zwar bereits neben dem Ufer, aber nur die beiden Reihen mit Parkbuchten nahe der Altstadt. In der Debatte ging es um jene in der Nähe des Flusses, der dafür verlegt werden musste. Die Zufahrt erfolgt noch durch die Schlosshöfe an der heutigen Staatlichen Bibliothek vorbei. Der Bestand von 162 Stellflächen sollte um weitere 110 aufgestockt werden.
Die Argumente von Befürwortern und Gegnern haben viele Parallelen zu den heutigen. Hubert Weiger, damals Bund-Naturschutz-Beauftragter für den Bereich Nordbayern, sagte in Ansbach bei einer Diskussionsveranstaltung zu den Erweiterungsplänen: „Bei uns denkt man immer nur an die Lobby der Starken, die sichtbar ist durch den Besitz eines Autos. An die Lobby der Kinder und Alten denkt man jedoch nicht.” Die lebensentscheidende Funktion von Talauen sei offensichtlich noch nicht erkannt, zitierte ihn die Fränkische Landeszeitung damals weiter.
Die Sichtweise von Georg Heusinger, 1978 stellvertretender Vorsitzender des ADAC-Gaues Nordbayern, war eine ganz andere. Er ist Anfang des Jahres eigens nach Ansbach gekommen, um Werbung für den Großparkplatz zu machen. „Was Sie hier brauchen, das sind nicht nur große Straßen, sondern auch Parkplätze”, sagte er. Denn ein Auto sei Ende der 1970er Jahre eben kein Luxus mehr gewesen, sondern Teil des Lebens. Entsprechend seien Stellflächen für die Pkw eine Form der Daseinsvorsorge.
Der damalige Oberbürgermeister Dr. Ernst-Günther Zumach wiederholte gebetsmühlenartig, dass die innenstadtnahen Parkplätze ein Stück Denkmalpflege darstellten. Denn der bis dahin übliche Parksuchverkehr verpeste die Luft durch Abgase. Das schädige nicht nur die Menschen, sondern eben auch die historische Bausubstanz. Deshalb sei es zwingend, den Verkehr aus der Innenstadt herauszuhalten, so Zumach.
Ein Parkhaus oder eine Tiefgarage wären zudem um ein Vielfaches teurer, warb der damalige Oberbürgermeister bei einem Pressegespräch. Die Beeinträchtigung des Stadtbildes durch den Rezatparkplatz sei nicht von der Hand zu weisen, räumte der CSU-Politiker ein. Doch das Blech, das künftig dort sehen werde, stehe bislang noch auf Plätzen, an Straßen und auf Gehwegen in der Innenstadt.
Am 24. Januar 1978 beschloss der Stadtrat mit 22 gegen 15 Stimmen die Erweiterung des Parkplatzes. Die CSU war geschlossen dafür, die SPD geteilt, die Fraktion von FDP/Parteifreie Bürger war geschlossen dagegen. Dabei war noch gar nicht sicher, ob Ansbach den erhofften 70-Prozent-Zuschuss aus Mitteln des Zukunfts-Investitionsprogramms für die Parkflächen bekommen würde.
Das Vorhaben war insgesamt (mit der neuen Brücke und der Verlegung der Rezat) mit 1,35 Millionen D-Mark veranschlagt. Prompt versagte die Oberste Baubehörde in München die fest eingeplanten Finanzmittel.
Doch wie aus einem FLZ-Bericht vom 24. Juni 1978 hervorgeht, ließ sich Bayerns Innenminister Dr. Alfred Seidl durch einen Besuch von Bürgermeister Klaus Dieter Breitschwert, Landtagsabgeordnetem Hans Maurer und Stadtplaner Dr. Hans Bock umstimmen. Sie kamen aus der Landeshauptstadt mit einer Finanzierungszusage zurück. Grundlage war ein Kompromiss: Statt 110 zusätzlichen Parkplätzen sollten es nur 90 mehr werden. Dafür sollte zusätzliches Grün für Auflockerung sorgen.
Über diese veränderte Planung stimmte dann der neue Stadtrat wenige Tage später ab. Das Abstimmungsergebnis war mit jenem vom Januar nahezu identisch: Die CSU hatte Unterstützung von zwei Sozialdemokraten und kam damit auf 22 Stimmen. Die übrigen SPD-ler und die parteilosen Stadträte hatten 14 Stimmen dagegen.
Schon im August 1978 lag die vorzeitige Baugenehmigung vor und die ersten Aufträge wurden vergeben. Die Zufahrt erfolgte zunächst über eine Behelfsbrücke von der Residenzstraße aus. Die Straße vom Kasernendamm her wurde erst im Sommer 1983 für den Verkehr freigegeben. Im Oktober 1983 wurde dann die neuerliche Erweiterung – der heutige Rezatparkplatz West – seiner Bestimmung übergeben. Dort waren damals nochmal 161 Parkmöglichkeiten gegeben.
Bei der Diskussion Ende der 1970er Jahre wurde immer wieder gesagt, die Erweiterung des Rezatparkplatzes sei nur eine Übergangslösung, die man wieder rückbauen könne, wenn ein oder mehrere Parkhäuser rund um die Altstadt geschaffen worden sind, dazu kam es nie. Im Gegenteil: Die Zahl der Stellflächen in den Rezatauen ist bis heute stetig gewachsen. Heute finden bis zu 324 Pkws im Bereich Ost und Mitte sowie weitere 211 im westlichen Teil Platz.
Die Betonung liegt auf „bis zu”. Denn die Parkplätze sind für die Ausmaße heutiger Fahrzeuge zu schmal. Auch ohne zusätzliche Renaturierungsmaßnahmen und Flussauenfeeling wird die Zahl von 324 Stellflächen um 90 sinken müssen, um den modernen Autos Rechnung zu tragen und jene Parkplätze wegzulassen, die ohnehin ganzjährig im Wasser stehen. Nochmal gut die gleiche Zahl soll nach dem von der Verwaltung vorgeschlagenen Vorschlag wegfallen, um wieder mehr Platz für Grün zu schaffen.