Ja, Demos dürfen auch Spaß machen, sehr viel Spaß sogar. Das bewiesen am Freitagabend zahlreiche Landwirte und Trucker beim Lichterzug in Neustadt. Bunt geschmückt rollten Traktoren durch die Straßen, und auch auffällig viele Lastwagen reihten sich ein. Aus einem „Funken Hoffnung”, so der offizielle Titel, wurde ein buntes Lichtermeer.
Aus der Ferne ertönen Weihnachtslieder, über der Stadt liegt ein sanfter Duft von Dieselabgasen. Mittlerweile ist es schon zur Tradition geworden, dass Traktor an Traktor und Laster an Laster im Dezember durch Neustadts Gassen tuckern. „Demo für die Unterstützung der regionalen Landwirtschaft” lautet der zweite Titelteil hinter dem Funken Hoffnung. Ein bunter Demonstrationszug ist es für die Landwirte, ein vorweihnachtliches Blinkspektakel für die vielen Gäste. Vor allem die Kinder sind begeistert, winken den Fahrerinnen und Fahrern begeistert zu und haben ganz große, glitzernde Augen. Selbst das kitschigste Weihnachtshaus kann bei so viel Lichterglanz, Sternschnuppen und Weihnachtsbäumen nicht mithalten.
„Toll, was die sich alles einfallen lassen”, sagt eine Frau. Um sie herum widerspricht niemand. Minutenlang dauert es, bis der Zug aus 60 Traktoren, Lastwagen und Spezialgefährten vorüberzieht, einer pompöser geschmückt als der andere. Am Rathaus trifft man Bürgermeister Klaus Meier. Teilnehmer für Teilnehmer passt er ab, winkt. Die Tür geht auf, Meier reicht ein Geschenk hinein: „Danke, dass ihr dabei seid.” Für Neustadt ist diese Aktion, die zeigt, wie groß der Zusammenhalt in der Landwirtschaft (nicht zuletzt auch durch die diversen Protestaktionen) geworden ist, ein echtes Highlight in der Weihnachtszeit.
Jahr für Jahr ist der Funke Hoffnung zwar vom Grundkonzept her gleich, aber doch wieder komplett anders. Kreativ sind sie, diese Landwirte: Da werden kleine, weiß lackierte Reifen kurzerhand zum Self-Made-Schneemann gestapelt. Auf der Schaufel ist kein Heuballen aufgespießt, sondern ein stolzes Rentier, hell erleuchtet, thront über dem Traktor. Und zu zählen, wie viele Lämpchen da leuchten – das ist ohnehin ein unmögliches Unterfangen. An diesem Freitagabend rücken die Proteste gegen die Auflagen- und Bürokratieflut und gegen Freihandelsabkommen à la „Mercosur” in den Hintergrund. Das Weihnachtspektakel dominiert.
Die Idee stammt aus der Corona-Zeit, den Menschen in düsterer Zeit Licht und Freude zu schenken. Vor allem auch Seniorenheime liegen ganz bewusst auf der gewählten Route. Und auch die Bewohnerinnen und Bewohner, oftmals selbst noch mit landwirtschaftlichem Ursprung oder früher selbst Bauern, staunen. Am Ende kommt das knallbunte Spektakel auch noch einem sozialen Zweck zugute. Am Festplatz kommt man nach der Parade noch zusammen – bei Glühwein, Punsch und Bratwurst. Ein verfrühter dritter Advent.
Alle Erlöse aus der Getränkeausgabe spenden die Landwirte um Organisator Bastian Dietrich dem Neustädter Hospizverein. Denn der teilt, so drückt es Dietrich aus, ein ähnliches Schicksal: „Dieser Verein leistet – vielleicht auch ein bisschen wie wir Landwirte – oft still und im Hintergrund wertvolle Arbeit, die mehr öffentliche Anerkennung verdient.”