Die in Ansbach aufgewachsene Sängerin Zavet will Brücken zwischen den Kulturen bauen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.05.2025 18:55, aktualisiert am 03.05.2025 12:56

Die in Ansbach aufgewachsene Sängerin Zavet will Brücken zwischen den Kulturen bauen

Fränkisch, sibirisch, badisch, kasachisch und berlinerisch: Sängerin Zavet hat schon viele Kulturen in ihrem Leben kennengelernt. (Foto: Evi Lemberger)
Fränkisch, sibirisch, badisch, kasachisch und berlinerisch: Sängerin Zavet hat schon viele Kulturen in ihrem Leben kennengelernt. (Foto: Evi Lemberger)
Fränkisch, sibirisch, badisch, kasachisch und berlinerisch: Sängerin Zavet hat schon viele Kulturen in ihrem Leben kennengelernt. (Foto: Evi Lemberger)

„Gestartet mit nix, geboren in der Kälte“, das singt die Musikerin Zavet in ihrem Lied „Husky Augen“. Sie thematisiert dabei ihren Geburtsort Sibirien und den großen Schritt ihrer Eltern, Russland zu verlassen, um nach Deutschland zu ziehen. Zavet war zwei Jahre alt, als sie mit ihrer Familie in Ansbach ankam. Sie blieb, bis sie volljährig war.

Zavet macht deutsche Popmusik, gemischt mit Rap. Sie singt von Sibirien und Deutschland, von Beziehungen und Trennungen, von der Suche nach einem Zuhause. Ihr Musikvideo für „Husky Augen“ hat über 200.000 Aufrufe auf YouTube, vor drei Monaten hat die Sängerin gemeinsam mit dem erfolgreichen deutschen Hip-Hop-Künstler Bausa das Lied „Etage 3“ veröffentlicht. Darin singt sie von einer 40.000-Seelen-Stadt, die sie mit 18 verlassen hat. Die Rede ist von Ansbach, wie Zavet verrät.

Sie lebt mittlerweile in Berlin, kommt aber noch immer gerne zu Besuch in ihre fränkische Heimat, wo sie ihre Freunde oder ihre Eltern, die in Lehrberg wohnen, besucht, erklärt die Sängerin. Hier könne sie gut abschalten und runterkommen.

Als sie in Ansbach ankam, habe sie kein Wort Deutsch gesprochen, berichtet Zavet. Doch schließlich habe sie ihre Muttersprache ganz abgelegt und nur noch Deutsch geredet. Inzwischen habe ihr Russisch sogar einen hörbaren deutschen Akzent.

Sie sei ein wenig angeeckt, erinnert sich Zavet, und sie habe lernen müssen, die verschiedenen Kulturen um sich herum unter einen Hut zu bekommen.

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„Ich bin sehr multikulti aufgewachsen“, erklärt sie. Da war natürlich das Sibirische und das Deutsche, aber auch die Kultur aus Kasachstan, dem Heimatland ihrer Mutter, habe sie beeinflusst. Manchmal habe sie sich gefragt: „Was bin ich jetzt eigentlich?“ Eine Problematik, die Zavet auch in ihren Liedern an einigen Stellen aufgreift.

Die Musik sei bei ihnen zu Hause immer wichtig gewesen, so Zavet. Sie begann bereits im frühen Kindesalter, Klavier zu spielen. Dabei habe sie mehr Freude daran entwickelt, ihre eigenen Melodien zu spielen, als sich streng ans Notenblatt zu halten. Schon in der vierten Klasse wollte sie Sängerin werden. Ein Traum, von dem ihre Eltern erst einmal nicht so begeistert gewesen seien, schließlich waren sie nach Deutschland gekommen, um Zavet und ihren beiden älteren Geschwistern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Ihren Eltern zuliebe schloss Zavet also eine kaufmännische Ausbildung beim Klinikum Ansbach ab, bevor sie sich in Dinkelsbühl an der Berufsfachschule für Musik bewarb. Beim zweiten Versuch gelang es Zavet zu ihrer eigenen Überraschung, den in diesem Jahr einzigen freien Platz dort zu ergattern. In der zweijährigen Ausbildungszeit habe sie ihre Fähigkeiten geschärft und sich Gedanken gemacht, welche Art von Musik sie eigentlich machen möchte, erklärt Zavet.

Nach der Ausbildung zog die junge Musikerin nach Mannheim, wo das große Musik-Label Warner Music sie 2021 unter Vertrag nahm. Im Oktober desselben Jahres veröffentlichte sie ihre erste Single „Keine Millionen“.

2023 ging die Sängerin auf Tour, stand in München, Stuttgart, Köln, Hamburg und Berlin auf der Bühne. Zavet hatte in der Corona-Zeit angefangen, ihre Musik zu veröffentlichen. Ihre Fans live zu sehen, beschreibt sie als „krasse Erfahrung“. Bei der Tour seien aus den abstrakten Streamingzahlen zum ersten Mal echte Menschen geworden, die ihre Lieder mitsingen konnten.

Neues Werk als eine Art Tagebuch

Nach Berlin sei sie gezogen, weil sie dort für die Musik mit vielen Leuten zusammenarbeitete, erklärt Zavet. Sie wohne im dritten Stock eines Hauses in Schöneberg. Dort entstanden nach ein wenig Möbelrücken Aufnahmen für ihr Musikvideo zu „Etage 3“. Auf die Single soll am 6. Juni ein Album mit demselben Titel folgen.

Die Musikerin beschreibt das geplante Werk als eine Art Tagebuch, in dem sie ihre Geschichte zusammenfassen will. Es soll unter anderem weiter um die Themen Heimat und Kultur gehen. Zavet hat mittlerweile verstanden, dass sie sich nicht für eine Kultur entscheiden muss. Sie mag all ihre Seiten, die fränkische, die sibirische, die badische, die kasachische und die berlinerische. Mit ihrer Musik möchte sie „Brücken bauen zwischen diesen ganzen Kulturen“.


Von Lara Löwe
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