Das „Weiße Ross“ in Immeldorf ist weit über die Gemeindegrenzen hinaus als ein ungewöhnlicher Ort bekannt. Ein Gasthaus, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Eine Musikkneipe weit weg vom Mainstream. 2022 ist ein Film darüber entstanden. Seitdem ist er dort öfter aufgeführt worden. Am Freitag, 19. Januar, 19 Uhr, steht die nächste Vorstellung an.
Dort, wo sich urige Gestalten zu noch urigeren Klängen treffen, hat sich der Geist von Woodstock der 1970er- und der 1980er-Jahre in Reinkultur erhalten. Diesen besonderen „Spirit“ einzufangen, hat sich der Dokumentarfilmer Thomas Kupser zur Aufgabe gemacht. Er kennt das „Weiße Ross” gut. Vielen ist er als der Mann am Didgeridoo bei der Jamband Mars Mushrooms bekannt.
Gedreht hat Thomas Kupser eine gut 75 Minuten lange Doku über das „Weiße Ross“ und natürlich über dessen Betreiber Walter Hertle. Bei der Premiere im September 2022 wurde sie dem Publikum gleich zweifach vorgestellt, parallel im Konzertsaal und im Kneipenraum. Das Interesse war so groß, dass beide Räume rappelvoll mit Fans der Kultkneipe waren. Gebannt genossen sie die Vorstellung dieses Zeitdokuments.
Der Film erzählt mit Ruhe und Beschaulichkeit, in Stil und Dynamik fern der heutzutage üblichen hektischen Themenbehandlung. Thomas Kupser, der mit einem „Null-Budget“, wenigen Mitstreitern und in zwei Jahre Arbeit den Film erstellt hat, leuchtet mit großem Geschick die Gegenwart, aber auch die Vergangenheit von Walter Hertles Lebensprojekt aus. Angefangen bei der Idee von drei jungen, engagierten Menschen, die im Jahr 1978 einen Jugendtreff schaffen wollen, bis hin zum Stand 2022: eine Kneipe, die sich zum zweiten Wohnzimmer einer Schar unangepasster Menschen verschiedener Altersstufen gewandelt hat.
Diese Entwicklung beschreibt der Film durch Aussagen von Zeitzeugen und alte Filmausschnitte. Zugleich wird das Bild Walter Hertles skizziert, seine Mission für eine bessere Welt, in der Freude, Herzlichkeit und Zusammenhalt wichtig sind. Dabei werden die verschiedenen Perspektiven und Denkweisen von Walter Hertle, seinen Gästen und Helfern und die von Nachbarn in langen Einstellungen gezeigt.
Walter Hertles Eigenheiten und sein Hang zum Sammeln von allen Gegenständen, die eine Geschichte erzählen und mit denen er die Wände des Gebäudes über die Jahre hinweg zu einem einzigartigen Zeugnis der Jugendkultur und Musikgeschichte gemacht hat, wird in einem detaillierten Rundgang durch Kneipe und Konzertsaal in vielen Naheinstellungen und Detailbildern gezeigt. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können so ein eigenes Bild über den Ort und die Menschen, die mit ihm verbunden sind, gewinnen.
Dieser Film ist nicht nur gut gemacht und unterhaltsam, sondern auch wichtig für die Zukunft: Wenn eines Tages Walter Hertle das „Weiße Ross“ nicht mehr als Kulturstätte betreiben kann, wird der Film ein Zeugnis von diesem kreativen Menschen und seinem Lebenswerk sein und zugleich das Lebensgefühl mehrerer Generationen fränkischer Jugend nachzeichnen.
Im Anschluss an die Premieren-Vorführung gab es zunächst eine Frage-Antwort-Runde mit Thomas Kupser und dann ein Konzert der Mars Mushrooms. Da der Film über und auch speziell fürs „Weiße Ross“ in Immeldorf gedreht wurde, wird er dort in Zukunft auch immer wieder gezeigt. Die Termine finden sich auf der Homepage des „Weißen Rosses”