Vor 150 Jahren wurde die Freiwillige Feuerwehr in Illesheim ins Leben gerufen. Im Juni wird das Jubiläum groß gefeiert. Damit das gelingt, hilft das ganze Dorf mit.
Die Illesheimer Wehr, zu der heute etwa 32 Aktive, zehn Passive und eine Handvoll Jugendlicher gehören, hat sich über die Jahre stark entwickelt. Das zeigt der Blick in die Chronik des Vereins. „23 verantwortungsbewusste Illesheimer Männer“ gründeten 1875 die Illesheimer Wehr, heißt es dort. Damals bedurfte es „der Gestellung von Pferden zum Anspannen an die Spritze und den Mannschaftswagen“. Feuermelder wurden verpflichtet, für nähere Nachbardörfer wurden Feuerläufer, für weiter entfernte sogar Feuerreiter eingesetzt. Orte, die später an das Telefonnetz angeschlossen waren, sollten im Brandfall „fernmündlich“ verständigt werden.
Eine bemerkenswerte Veränderung hinsichtlich der Ausrüstung erlebte die Wehr in den Jahren des Dritten Reiches. 1934 entschied man sich, eine Motorspritze von der Firma Ludwig zu kaufen. Die Kosten betrugen 3341 Reichsmark. Sie war mit einem 20 PS starken Zweitaktmotor ausgerüstet.
Ab 1940 unterstand die Feuerwehr dem Bürgermeister in seiner Eigenschaft als Ortspolizeiverwalter. Die Feuerwehren waren nicht mehr Wehren im herkömmlichen Sinn, sondern Polizeieinsatztruppen, liest man in der Chronik. 1943 wurden die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr der SS- und Polizeigerichtsbarkeit unterstellt.
Infolge der zum Kriegsdienst eingezogenen Feuerwehrmänner wurden 1943 weibliche Hilfskräfte zum Feuerwehrdienst herangezogen. 1949 wurde beschlossen, dass Frauen nicht mehr im Feuerwehrdienst eingesetzt werden. 1991 wurde schließlich die erste „freiwillige Frau“, Brigitte Zabel, in die Wehr aufgenommen.
1980 wurde dank der „feuerwehrfreundlichen Einstellung des Bürgermeisters und seiner Gemeinderäte“ ein „neuzeitiges Tragkraftspritzenfahrzeug angeschafft“. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 66.000 Mark. Mit der Beschaffung des Fahrzeugs wurde Illesheim an die Funkalarmierung des Landkreises angeschlossen.
Immer wieder wurde bei der Ausrüstung nachgebessert. 2013 wurde ein Löschgruppenfahrzeug LF 10 mit Atemschutzausrüstung für rund 180.000 Euro gekauft. „Die Einsatzmittel haben sich verändert. Und damit auch das Einsatzspektrum“, erklärt Dieter Grau, der seit 2011 Kommandant der Illesheimer Wehr ist. Gestiegen sei dann auch der Übungs- und Ausbildungsbedarf.
Verschiedene Brände und Einsätze sind in der Chronik aufgeführt. Unvergessen bleibt unter anderem das Feuer im Jahr 2021 in einer Fertigungshalle der Firma Engelhardt und Geissbauer in Schwebheim. Von Anfang an sei die Illesheimer Wehr da mit vor Ort gewesen, erzählt Grau. Ein Einsatz, über den sich bis heute ausgetauscht wird. Allerdings: Das klassische Ausrücken aufgrund eines ausgebrochenen Feuers, sei heutzutage weniger geworden – und wenn doch, handele es sich meist eben um Großbrände. Häufig werden die Floriansjünger dagegen zu Verkehrsunfällen oder technischen Hilfeleistungen gerufen.
Ein großer Meilenstein, der erst in jüngster Vergangenheit umgesetzt worden war, ist der Neubau des Feuerwehrhauses. Ab 2020 wurde dieses Vorhaben richtig forciert, auch wenn es schon vorher Gespräche darüber gab. 2022 wurde das gemeindliche Einvernehmen erteilt. Der Spatenstich erfolgte am 5. September 2023. Heuer wurde es eingeweiht.
Für die Organisation der Feierlichkeiten wurde ein eigener Festausschuss gegründet. Zu ihm gehören David Ernst, stellvertretender Vorsitzender Patrick Neumeister, zweiter Kommandant Stefan Seeg, Kommandant Dieter Grau, Vorsitzender Markus Dehner, Kassier und Schriftführer Jürgen Klein, Michael Gebhardt, Karl-Heinz Kapfer, Christina Eckert und Hermann Leidenberger.
Dass die Illesheimer das Jubiläum groß feiern wollen, stand für die Verantwortlichen relativ schnell fest. „Groß oder gar nicht“, war die Devise. Zwar sei der Organisationsaufwand hoch, „aber, wenn keiner mehr so etwas macht, gibt es solche Feste überhaupt nicht mehr“, sagt Markus Dehner. Ja, die Auflagen sind gestiegen und auch ein finanzielles Risiko besteht – „aber man kann jede Aufgabe lösen“, ist sich der Vorsitzende sicher. Um die Festlichkeiten zu stemmen, hilft zudem das ganze Dorf mit. Privatpersonen, aber auch andere Vereine packen mit an.
„Alle warten auf sowas und gehen dann mit“, erinnert sich Dieter Grau an die Euphorie bei vorangegangenen Jubiläumsfeiern. „Wir setzen alles daran, dass wir das wieder so hinbringen. Für so ein Dorf ist das ein Riesenevent. Das geht nur, wenn alle zusammen helfen. Alleine könnte die Illesheimer Wehr das nicht stemmen.“ Stolz sind die Verantwortlichen, die Feierlichkeiten mitzugestalten und mitzuerleben. „Das erlebt man aktiv vielleicht zwei Mal“, sagt Markus Dehner.
Mit Blick auf das Programm sei jeder Tag für sich ein Highlight, betont zudem Patrick Neumeister. „Es ist für jeden etwas dabei.“ Die Feierlichkeiten starten am Mittwoch, 18. Juni, um 18 Uhr mit einem Festkommers samt Ehrungen im Festzelt. Letzteres findet sich nördlich vom neu gebauten Feuerwehrhaus, östlich der B470. Unterhaltungsmusik bieten die Noochdgäiger. Am Donnerstag, 19. Juni, ist ab 10 Uhr ein Familientag geplant. Ein politischer Abend der CSU findet am Freitag, 20. Juni, ab 18 Uhr statt, ab 20 Uhr beginnt der Countryabend mit Chris Angels & Miriam.
Die Dorfrocker treten am Samstag, 21. Juni, im Festzelt auf. Einlass ist ab 18.30, Beginn ab 20.30 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Bäckerei Fischer und dem Gasthaus Stern in Illesheim, der Brauerei Hofmann in Pahres, der Kfz-Technik Kleppel in Burgbernheim und bei den Raiffeisenbank-Filialen in Bad Windsheim, Burgbernheim, Ipsheim, Markt Erlbach, Marktbergel und Obernzenn.
Mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr im Festzelt beginnt der Sonntag, 22. Juni. Um 13.30 Uhr setzt sich ein Festumzug durch Illesheim in Bewegung. Schirmherr des Jubiläums ist Tobias Winkler, CSU-Bundestagsabgeordneter.