Die Idee ist ein digitales Gedächtnis für Neuhof | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.10.2025 07:30

Die Idee ist ein digitales Gedächtnis für Neuhof

An Bänken wie dieser auf dem Kolmberg könnte man eine der QR-Erzählstationen errichten. Dann wäre es möglich, nicht nur die Aussicht zu genießen, sondern auch interessanten Geschichten zu lauschen. (Foto: Ute Niephaus)
An Bänken wie dieser auf dem Kolmberg könnte man eine der QR-Erzählstationen errichten. Dann wäre es möglich, nicht nur die Aussicht zu genießen, sondern auch interessanten Geschichten zu lauschen. (Foto: Ute Niephaus)
An Bänken wie dieser auf dem Kolmberg könnte man eine der QR-Erzählstationen errichten. Dann wäre es möglich, nicht nur die Aussicht zu genießen, sondern auch interessanten Geschichten zu lauschen. (Foto: Ute Niephaus)

Die Erinnerungen von Neuhöfer Bürgerinnen und Bürgern vor dem Vergessen zu bewahren, ist Bürgermeisterin Claudia Wust ein großes Anliegen. Anstatt das Erzählte nur schriftlich festzuhalten, regte sie in der Gemeinderatssitzung an, ein digitales Gedächtnis zu schaffen, für jeden abrufbar – an „Erzählbänken”.

Erzählbänke? Was könnte das sein? An ausgewählten Plätzen in Neuhof und in den Ortsteilen könne man, so schlug die Bürgermeisterin vor, Bänke mit QR-Code-Tafeln versehen. Wer sich dort niederlässt, kann dann mittels seiner Handykamera persönliche Geschichten von Menschen aus seiner Heimat abrufen. Dabei kann es sich um Erinnerungen handeln, die jemand mit dem Standort der Bank verbindet, Erzählungen über alte Feste, das Brauchtum, den Alltag in früheren Zeiten, die ersten Jahre als Geflüchteter in Neuhof oder Erlebnisse in den letzten Kriegstagen.

Aber auch die Erlebnisse einer waschechten Kommune, die es im Ort einst gab, könnte einiges hergeben. Solche Geschichten hört Wust immer wieder, wenn sie betagte Mitbürgerinnen und Mitbürger etwa zu Geburtstagen oder Ehejubiläen besucht, aber auch bei anderen Begegnungen. Ihr sei es ein großes Anliegen, dass diese Geschichten nicht verloren gehen, doch nach dem Tod der Zeitzeugen verschwinden oft auch deren Erinnerungen. Mit Erzählbänken könnte man dieses wertvolle Kulturgut niederschwellig, lebendig und digital bewahren. Heimatgeschichte werde so für alle erlebbar bei einem Sparziergang, einer Wanderung oder bei einer Radtour, in deren Rahmen man an den Bänken eine Rast einlegt.

Neue Bänke in Vockenroth oder bei der Eichenmühle

Neben den bereits vorhandenen Sitzgelegenheiten könnte man neue Exemplare aufstellen wie etwa in Vockenroth oder bei der Eichenmühle. Für einen Spaziergang durch Neuhof schlug Wust die Strecke Marktplatz, Eisweiher, Hofmanns Keller, Ochsenweg, Kolmberg, die Mühlen, Gernt, das Liebeshäuschen, den Bereich Schule/Freibad und dann zum Schluss wieder die Strecke zum Marktplatz vor. Für einen Radweg hatte sie ebenfalls bereits etliche öffentliche Sitzmöbel im Blick, die sich als Erzählbänke anbieten würden, und zwar auch in jedem der Außenorte.

Beschlossen wurde nun, dieses Projekt beim Regionalbudget einzureichen. Über dieses wäre, so Wust, eine 50- bis 80-prozentige Förderung möglich, maximal jedoch 10.000 Euro pro Projekt. Ermittelt werden sollen zudem die anfallenden Kosten für die noch nötigen Bänke, Infotafeln, die neben den Erzählbänken platziert werden sollten, die QR-Tafeln und das Equipment wie etwa Mikrophone für die Aufnahmen. Auch die technische Umsetzbarkeit gilt es zu prüfen und Konzepte zu erstellen. Erika Scheuenstuhl könnte jedenfalls schon einmal einige gesammelte Erinnerungen aus einem Schulprojekt beisteuern. Gut einbinden ließen sich die Erzählbänke in die geplanten Projekte für das Jubiläumsjahr 2026. Dann wird „777 Jahre Neuhof” gefeiert.

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Foto-Point in Herzform zum Beispiel am Kolmberg

Einreichen will man darüber hinaus noch eine zweite Idee beim Regionalbudget, die Wust ebenfalls in der Ratssitzung vorstellte. Vorstellen könnte sie sich etwa am Kolmberg, einen Foto-Point in Herzform aufzustellen, ähnlich wie der kürzlich in den Ipsheimer Weinbergen vorgestellte Panoramablick in Kreisform mit Sitzgelegenheit im Inneren. Auch dieser war über das Regionalbudget angeschafft worden. Wust führte aus, dass sie mit der Firma, die den Ipsheimer Kreis erstellt hatte, bereits Kontakt aufgenommen hat. Die Kosten liegen dafür aber noch nicht vor. Anschaffungen wie diese tätige man nur, wenn man dazu eine Förderung bekomme, machte die Bürgermeisterin deutlich.

Die Stahlkonstruktion in Herzform passe ansonsten gut zum prämierten Heimatdorf Neuhof. Ob man die beiden vorgestellten Projekte umsetzt, bleibt abzuwarten: Der Gemeinderat äußerte sich zwar prinzipiell zustimmend, beschlossen wurde aber noch nichts. Es hängt davon ab, ob sie ins Regionalbudget aufgenommen werden und welche Restkosten die Kommune dann noch zu stemmen hätte. Sponsoren und Spenden sind vor allem für das Projekt Erzählbänke willkommen.

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