Die Glocken in Egenhausen haben alle Kriege überstanden: Ihr Klang wird vermisst | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.08.2025 07:00

Die Glocken in Egenhausen haben alle Kriege überstanden: Ihr Klang wird vermisst

Damit die Glocken im Turm der Egenhäuser Allerheiligenkirche wieder läuten können, plant die Kirchengemeinde Instandhaltungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen. (Foto: Yvonne Neckermann)
Damit die Glocken im Turm der Egenhäuser Allerheiligenkirche wieder läuten können, plant die Kirchengemeinde Instandhaltungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen. (Foto: Yvonne Neckermann)
Damit die Glocken im Turm der Egenhäuser Allerheiligenkirche wieder läuten können, plant die Kirchengemeinde Instandhaltungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen. (Foto: Yvonne Neckermann)

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Egenhausen hat eine Schätzung, was die Instandhaltung am Turm der Allerheiligenkirche kostet. Von 40.000 Euro übernimmt der Markt Obernzenn 5000 Euro.

Dies entschied der Marktgemeinderat mehrheitlich und gab damit dem Antrag der Kirchengemeinde statt. Zuvor wurde jedoch engagiert über die Höhe der Zuwendung diskutiert. 5000 von 40.000 Euro – das sei schließlich prozentual mehr als für den Großteil früherer Kirchensanierungen beigesteuert worden sei, rechnete Bürgermeister Reiner Hufnagel (FWG) vor.

Geplant sind vor allem Reparaturen des Glockenstuhls, einschließlich der Erneuerung der Glocken-Aufhängungen, der Klöppel und Schallläden. Außerdem sollen Feuchtschäden am Dachstuhl des Turmhelms behoben und stark geschädigte Sparren und Balken saniert werden, um die Stabilität zu sichern.

Ein engagiertes Plädoyer für die Unterstützung der Kirchengemeinde hielt Ralf Spyra (Wählergemeinschaft Egenhausen), der die Hintergründe der geplanten Maßnahmen erklärte. „In der Vergangenheit wurden zwar bereits Reparaturen am Glockenstuhl vorgenommen. Dabei wurde allerdings ungeeignetes Material verwendet.“

Fehler vor 100 Jahren rächen sich

Der Eingriff ins Geläut sei Ende der 1920er Jahre erfolgt – damals nach bestem Wissen und dem Stand der Technik entsprechend. „Heute weiß man: Das harte Eisen der modernen Hämmer und Klöppel nutzt die weichere Bronze der Glocken ab. Die Kombination sollte umgekehrt sein“, erläuterte Spyra. Bei jedem Kontakt könne die Glocke Schaden nehmen und unwiederbringlich zerstört werden.

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Zusätzlich wurden Stahlelemente in den Glockenstuhl eingebaut, die die Schwingungen der tonnenschweren Glocken direkt an das historische Fachwerk weiterleiten – mit potenziell gefährlichen Folgen für die Bausubstanz. „Das war seit den 1860er Jahren nicht unüblich. Mittlerweile sind die daraus resultierenden Schäden bekannt und werden nach und nach korrigiert.“

So soll es auch in Egenhausen passieren. Als Vorsichtsmaßnahme seien die Glocken jedoch im Sommer 2024 erst einmal stillgelegt worden. „Das Glockenläuten ist ein Teil der Dorfkultur und wird von den Menschen durchaus vermisst“, sagte Ralf Spyra. Die Instandhaltungsmaßnahme diene auch dem Erhalt des historisch wertvollen Geläuts.

„Sehr selten für ein deutsches Geläut“

Wie Spyra informierte, wurden die Glocken je in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, Mitte des 14. Jahrhunderts und in der Zeit um 1500 gegossen. Ungewöhnlich sei, dass sie eigens für Egenhausen gefertigt wurden und seit der erstmaligen Aufhängung die Kirche nie verlassen hätten. Auch der Dreißigjährige Krieg sowie der Erste und Zweite Weltkrieg, als viele Glocken abgehängt und eingeschmolzen worden waren oder verschollen gingen, hätten ihnen nichts anhaben können. „Das ist sehr selten für ein deutsches Geläut.“

Bedauernswert aus Egenhäuser Sicht sei, dass die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt keinen denkmalpflegerischen Mehraufwand bestätigt habe. Anerkannt werden damit üblicherweise entstehende Zusatzkosten durch besondere Auflagen bei der Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden. Dadurch ist die Beantragung von Fördermitteln möglich, unter anderem bei den Denkmalbehörden, der Landeskirche sowie bei Freistaat und Bund.

Die Kirchengemeinde müsse die Kosten nun ohne diese Zuwendungen decken. Eine Herausforderung, denn schließlich hat diese nach Angaben des Pfarramts 152 Mitglieder. Im Dorf leben insgesamt rund 250 Personen. „Ein kommunaler Zuschuss ist eine schöne Geste“, fand Spyra. Er rechne außerdem mit einer hohen Spendenbereitschaft innerhalb der Dorfgemeinschaft: „Die Bewohner sind am Erhalt des Geläuts sehr interessiert, auch wenn es viele verärgert hat, dass die Landeskirche sich aus der Finanzierung heraushält.“


Von YVONNE NECKERMANN
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