Die Geflüchtetenhilfe in Schopfloch und Wilburgstetten findet immer Lösungen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.10.2025 19:00

Die Geflüchtetenhilfe in Schopfloch und Wilburgstetten findet immer Lösungen

Evi Siebachmeyer (links) und Käthe Körner sehen sich einen Ordner mit Dokumenten aus zehn Jahren Flüchtlingshilfe an. (Foto: Anna Beigel)
Evi Siebachmeyer (links) und Käthe Körner sehen sich einen Ordner mit Dokumenten aus zehn Jahren Flüchtlingshilfe an. (Foto: Anna Beigel)
Evi Siebachmeyer (links) und Käthe Körner sehen sich einen Ordner mit Dokumenten aus zehn Jahren Flüchtlingshilfe an. (Foto: Anna Beigel)

„Wir schaffen das.” Ein Satz, den Angela Merkel, damals Bundeskanzlerin, 2015 gesagt hat. Die Worte sind in die Geschichte eingegangen und stehen auch heute noch für die Aufnahme von Geflüchteten. Evi Siebachmeyer und Käthe Körner waren zu der Zeit hautnah dabei. Seit zehn Jahren engagieren sie sich für das Thema.

Siebachmeyer ist 63 Jahre alt und seit 2015 aktiv im Helferkreis Wilburgstetten im Landkreis Ansbach. Käthe Körner hat damals in Schopfloch (ebenfalls Kreis Ansbach) den Helferkreis mit aufgebaut – mit 69 Jahren. Heute ist sie 79 und noch immer voller Tatendrang. Die beiden Frauen haben viel Erfahrung. Sie sind Profis auf dem Gebiet, das merkt man ab der ersten Sekunde, wenn man sich mit ihnen unterhält. „Wenn man das so lange macht, weiß man, wovon man redet”, sagt Körner. Das Fachgebiet der beiden: ehrenamtlich Geflüchteten helfen. Sie stehen stellvertretend für zahlreiche Helferinnen und Helfer in der Region, die sich seit 2015 engagiert haben.

Bürokratie macht Helfende mürbe

Wer jetzt denkt, dabei ginge es „nur” darum, Kleidung zu sammeln oder ähnliches, der liegt falsch. Zwar war diese Aufgabe damals eine der ersten, aber mit der Zeit kam immer mehr dazu. Die Helferinnen und Helfer wurden hingegen weniger. Früher waren es etwa 35 pro Ort, jetzt ist es in Wilburgstetten noch eine Handvoll, in Schopfloch niemand mehr. Denn auch Käthe Körner hat vor zwei Jahren mit dem offiziellen Engagement im Helferkreis aufgehört. Das ändert jedoch nichts daran, dass sie sich weiterhin einsetzt.

„Wir Helfer schaffen das. Wenn sie uns lassen”, sagt Evi Siebachmeyer in Anspielung auf den berühmten Satz von Merkel. Bürokratie, fehlende Finanzierung und mangelnde Plätze in Kitas und Schulen machten Helfende mürbe. „Es ist leicht, Kleidung auszugeben”, aber mehr Arbeit sei die Hilfe bei Anträgen oder ähnlichem. Da geht es zum Beispiel um die Suche nach einer Wohnung, einen Autokauf oder die Beantragung eines VGN-Passes. Vielleicht darum, einen Kita-Platz zu finden oder einen Deutschkurs. Aber auch darum, von der Flucht verwundete Beine mit Salbe einzuschmieren. Zuzuhören, was die Menschen auf der Seele haben. „Wir haben sämtliche Berufe ausgeübt”, sagt Körner lächelnd.

Eigene Erfahrungen gesammelt

Weiter betont sie, dass die Helferinnen und Helfer damals nicht geschult wurden. „Wir haben unsere eigenen Erfahrungen gesammelt. Inzwischen sind wir Anwälte. Wir haben schon geschafft, was sie sonst machen”.

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In beiden Orten wohnen derzeit jeweils etwa 70 Geflüchtete in öffentlichen Unterkünften. In Wilburgstetten war das bislang der ehemalige Kindergarten an der Bahnhofstraße. Dort soll jedoch im kommenden Jahr ein Seniorenwohnprojekt entstehen. Deshalb sucht der Helferkreis dringend eine neue Unterkunft.

Als es 2015 losging, „waren wir alle blauäugig”, sagt Evi Siebachmeyer. Aber schon damals war das Engagement fast ein Vollzeitjob, da sind sich beide einig. Samstage und Sonntage gehören auch dazu. Alle, die vor zehn Jahren nach Schopfloch und Wilburgstetten kamen, „sind in Lohn und Brot”, betonen die beiden Helferinnen.

Die ersten Kinder von damals sind erwachsen

Einer ist stellvertretender Abteilungsleiter einer Metallbaufirma und besucht Käthe Körner noch jede Woche. Ein anderer wurde in seinem Ausbildungsberuf Zweitbester in Bayern. Eine Familie hat sich in Köln selbstständig gemacht mit einem eigenen Café und einem Barbershop. Die ersten Kinder von damals sind erwachsen. Körner und Siebachmeyer kennen jeden Namen. Sie wissen, wo ihre Schützlinge gelandet sind, was sie arbeiten. Beim Durchblättern eines Ordners fällt Körner zu jeder Person eine Geschichte ein.

Mit den Geflüchteten haben die beiden Helferinnen ihren Umgang gefunden: „Man darf sie nicht mit Samthandschuhen anfassen und sollte nichts beschönigen”, sagt Evi Siebachmeyer. Trotzdem: Zu den Aufgaben der Helfenden gehört es auch, ein offenes Ohr zu haben. Psychische Probleme sind fast immer ein Thema. „Dann nimmt man jemanden auch mal in den Arm”, sagt Körner. „Die sind ja wie unsere Kinder”, fügt Siebachmeyer hinzu.

Oft Diskriminierung mitbekommen

Die Helferinnen haben auch schon oft mitbekommen müssen, wie ihre Schützlinge diskriminiert wurden, zum Beispiel wenn sie mit ihnen unterwegs waren. „Als ich das erste Mal mit einem Schwarzen einkaufen war, sind die Leute auf die andere Seite gegangen”, sagt Siebachmeyer zum Beispiel, „der Rassismus ist hier. Und er wird immer mehr. Aber es gibt keine Probleme mit Flüchtlingen bei uns”. Die Haltung der beiden gegen die AfD ist eindeutig. „Was ich hören will, das hör ich“, sagt Körner.

Die beiden Frauen nehmen aus ihrem Engagement auch viel mit nach Hause. „Es berührt einen manches mehr als anderes. Aber für jedes Problem gibt es eine Lösung”, sagt Käthe Körner. Trotzdem ist es ihnen wichtig. Ihr Antrieb? „Wenn man die Bilder sieht, kann man doch nur helfen. Welches Recht haben wir, nur weil wir hier geboren sind? Eigentlich ist es nur Glück”, findet Evi Siebachmeyer. Außerdem komme auch unheimlich viel zurück.


Anna Beigel
Anna Beigel
Redakteurin in Ansbach
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