Die Zukunft des Meadow-Festivals steht auf der Kippe: Um das Open Air weiterführen zu können, brauchen die Organisatoren finanzielle Hilfe – und zwar sofort, wie sie betonen. Doch bevor ihnen die Kommune einen weiteren Zuschuss zahlt, wollen die Stadträte laut Rathauschef Patrick Ruh belastbare, von einem Steuerberater berechnete Zahlen.
Konkret gehe es „um nicht ganz 50.000 Euro”, um für ein weiteres Meadow-Festival im Jahr 2026 am Stausee bei Dorfgütingen „auf Null” zu kommen, erklärte Mitveranstalter Timo Petrasch von der Diamond Event UG im Gespräch mit der FLZ. Dazu ergänzte er, einen Teil dieses Defizits „schleppen wir noch von 2024 mit”, zumal beim ersten Heavy-Metal-Event dieser Art, das damals noch auf der Mooswiese über die Bühne gegangen ist, an einem Tag wetterbedingt nur sehr wenige Besucher gekommen seien.
Indes wollten er und Mitorganisator Benedikt Ambrosius aufgrund des Zeitdrucks sowie wegen erheblicher Zusatzkosten aktuell keinen Steuerberater beauftragen. Ohnedies hätten sie bereits korrekte Zahlen vorgelegt: „Wir übernehmen Verantwortung durch geordnete Finanzen.” Ein Steuerberater käme zu keinem anderen Ergebnis.
Den Zeitdruck begründete Petrasch damit, dass alle anderen Festivals ihre Line-ups für 2026 längst veröffentlicht hätten und der Ticketverkauf laufe. Ebenso könnte auch die Diamond Event UG schon Bands bekannt geben, wenn die Weiterführung des Meadows gesichert wäre, habe dies angesichts der Finanzierungslücke jedoch noch nicht getan. Dem zum Trotz seien aber „schon jetzt fast halb so viele Tickets verkauft wie im Vorjahr”. Und: „Das zeigt das Potenzial, doch ohne städtische Hilfe können wir nicht weitermachen”, gibt das Veranstalterteam auch in einer gemeinsamen Mitteilung zu bedenken.
Jetzt seien sie als Organisatoren enttäuscht, „weil so viel Herzblut, ehrenamtliche Energie und privates Risiko hinter diesem Festival stehen”, sowie traurig, „weil Live-Musik offenbar nicht denselben kulturellen Stellenwert erhält wie andere Formate”. Zugleich wollten sie für diese Art der Kultur weiterkämpfen. Denn: „Live-Musik verbindet Menschen, schafft Gemeinschaft und Identität, sorgt für wirtschaftliche Impulse in Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel – und trägt den Namen Feuchtwangen weit über die Region hinaus.” Aber ohne ein klares „Ja” der Stadt zu dieser Form von Kultur werde das Meadow nicht überleben können.
Andere, inzwischen große Festivals seien anfangs ebenfalls am Abgrund gestanden, jedoch von ihren Kommunen aufgefangen worden: „Heute sind sie Aushängeschilder, auf die ihre Städte stolz sein können.” In diesem Sinn bitten die Meadow-Veranstalter nun um „ein klares Signal der Unterstützung, damit Feuchtwangen nicht freiwillig auf ein kulturelles Aushängeschild verzichtet”.
Ihrerseits seien sie bereit, „mit der Stadt, mit der Zivilgesellschaft, mit allen, die Live-Musik als Kultur begreifen”, weiterzumachen. Dabei sei die entscheidende Frage allerdings, ob Feuchtwangen das Meadow wolle oder nicht. Jedenfalls habe das Festival „in kürzester Zeit tausende Menschen nach Feuchtwangen gebracht, lokale Betriebe belebt und die Stadt auf die Landkarte der deutschen Live-Musik-Szene gesetzt”. Auf die Beine gestellt worden sei es ehrenamtlich, unentgeltlich und mit tausenden Stunden an Planung neben Beruf und Alltag sowie erheblichen privaten Investitionen. Und der Stadtrat habe wiederholt zugesagt, die Kommune werde das Organisationsteam „nicht hängen lassen”.
Um Mittel auch auf anderen Wegen zu generieren, haben die Veranstalter ihrer Mitteilung zufolge inzwischen ein Crowdfunding gestartet. Zudem berichtete Timo Petrasch, dass Unterstützer einen Verein namens Meadow Rising ins Leben rufen wollen. Beitreten könnten alle, die bei der Organisation mitmachen wollen. Die Gründungsversammlung sei für Dienstag, 26. August, um 19 Uhr in der Feuchtwanger Gaststätte „Holzwurm” geplant.
Derweil hat Feuchtwangens Stadtrat am Mittwoch nichtöffentlich über die Finanzierungslücke der Diamond Event UG beraten. Im FLZ-Gespräch danach betonte Bürgermeister Patrick Ruh, die Stadt habe „Live-Musik immer bezuschusst”. So seien für das Moos-Meadow-Festival 2024 schon im Vorfeld 20.000 Euro geflossen. Weitere 25.000 Euro habe die Kommune – ebenfalls im Vorgriff – für das in diesem Jahr erstmals bei Dorfgütingen ausgerichtete Event gewährt und bereits im Februar 2025 weitere 20.000 Euro für das Meadow 2026 bezahlt. Zudem bringe Feuchtwangen seine „wohlwollende Haltung” mit umfangreichen Leistungen von Bauhof und Stadtwerken zum Ausdruck.
„Die Stadt ist bereit, weiter zu unterstützen, aber nicht in der Art, Lücken zu schließen, wenn sie auftreten”, meinte der Rathauschef. Und weil es hier um Steuergeld gehe, wollten die Stadträte für weitergehende Entscheidungen „belastbare Zahlen”, die ein externer Steuerberater vorlegen müsse.
Sinnvoll wäre auch, einen Investor zu finden, der in die Diamond Event UG von Timo Petrasch und Benedikt Ambrosius mit einsteigt. Dies müsste laut Patrick Ruh allerdings eine Privatperson oder Firma sein. Indes komme die Stadt dafür nicht in Frage, zumal die Organisation von Festivals – auch aufgrund des unternehmerischen Risikos beim Einsatz von Steuergeld – „kein klassisches Geschäft” einer Kommune sei. Der richtige Weg sei, dass die Stadt Zuschüsse zahlt und die Stadtwerke als Sponsor auftreten.