Nicht zum Halali, sondern zum Jubiläum und auf viele weitere gemeinsame Jahre blasen Anne und Karl Hetzar diesmal in ihre Hörner: Seit 40 Jahren gibt es die „Ehegrundjäger“; kein Verein, sondern ein Freundeskreis, dessen Kern sich seit vielen Jahren einmal im Monat trifft.
Im Februar 1983 saßen sie nach einer Wildschweinjagd erstmals zusammen. Damals hatte der Sugenheimer Ortsteil Hürfeld noch ein Gasthaus. Seitdem treffen sich die Grünröcke regelmäßig in den Restaurants der Region. Sie pflegen damit auch die Verbindung zu Wirten, die gerne Wildfleisch anbieten. Jeder Jäger hat seinen eigenen Abnehmer, erzählen sie.
Wenn sie sich zu Hause treffen, dann oft nach einer Jagd oder, um zusammen Geburtstag zu feiern. Einige der Weidmänner und -frauen kommen aus Oberreichenbach. So verbindet sich der Naturpark Steigerwald mit dem Naturpark Frankenhöhe. Als die Deutenheimerin Pia Vogel eine Auswahl von Fotografien an die Wand beamt, schwelgen die Freunde in Erinnerungen.
„Das war an Heiligabend“, entfährt es einem. Drei Wildschweine liegen im Schnee, umgeben von Fichtenbruch. Die Schützen erkennt man am Fichtenzweig, der ins Hutband gesteckt wurde. „Das ist unser Amor“, kommentiert der inoffizielle Präsident Erwin Delepine ein Foto, auf dem ein Haflinger einen geschmückten Wagen während eines Umzuges zieht. Das Pferd wurde stattliche 37 Jahre alt.
Zu den Höhepunkten in den vergangenen Jahrzehnten zählen der Ausflug mit der Abgeordneten Gabi Schmidt nach München in den Landtag und natürlich ins dortige Jägermuseum. An die Hubertusmessen in der Deutenheimer Kirche erinnern sich die Freunde gerne und auch an die vielen Wanderungen zu Christi Himmelfahrt und die Umzüge und die Sommerfeste und, und, und. Auf einmal tauchen erlegte Gemsen auf. „Ach ja, da waren wir in Hindelang“.
Im Gespräch erzählen sie von ihren Werten. Sie achten die Natur. Sie hetzen keine Rehe. Sie beobachten und wählen aus, welches Wild entnommen wird. Sie helfen, manchmal auch nachts, nach einem Wildunfall und erlösen ein Tier, das sonst lange leiden würde. Gegen den Verbiss an Jungbäumen setzt Erwin Delepine auf Lichtungen mit Wildpflanzen, die genauso gerne gefressen würden wie junge Bäume.
Der Weidmann mit der meisten Erfahrung war beim Jubiläumstreffen Willi Eberlein. Er erwarb seinen Jagdschein 1954 und pachtet seit 53 Jahren dasselbe Revier. Eine große Krise erlebten die Jägerfreunde nach dem Super-Gau im Atomkraftwerk von Tschernobyl. Wegen der radioaktiven Belastung der Tiere war es schwer bis unmöglich, Wildfleisch zu vermarkten. Inzwischen werde der Absatz Jahr für Jahr besser, berichtet Delepine.