Die Europawahlen haben im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim einen klaren Sieger: die CSU. Die Christsozialen lagen nach dem vorläufigen Endergebnis mit 44,3 Prozent unangefochten an der Spitze.
Sie können ihr Ergebnis von vor fünf Jahren sogar noch leicht verbessern. 2019 hatte die CSU 42,7 Prozent der Stimmen errungen.
Die AfD, die im hiesigen Landkreis nach wie vor kaum Parteistrukturen aufgebaut hat, aber durch eine vergleichsweise hohe Plakate-Präsenz auffiel, kommt kreisweit auf den zweiten Platz. Diese Position hat sie auch in 31 der 38 Landkreiskommunen. Sie steigerte ihren Stimmenanteil gegenüber den 2019er-Europawahlen um fast sechs Prozentpunkte auf nun 13,5.
In sieben Kommunen holen sich die Freien Wähler (FW) Platz zwei. Diese sieben Gemeinden liegen ausnahmslos im westlichen Teil des Landkreises. Insgesamt legten die FW um fast zwei Prozentpunkte (auf 9,4) zu und arbeiteten sich somit auf der Popularitätsskala im Landkreis von Platz fünf auf Platz drei hoch.
Die Grünen hingegen halbieren ihren Anteil, den sie vor fünf Jahren noch hatten. Von den damals gut 16 Prozent sind nun nur noch 8,5 Prozent übrig geblieben. Das reicht dennoch knapp zu Platz vier auf Landkreisebene.
Denn auch die SPD musste erneut Federn lassen. Ihre schon mageren 9,6 Prozent schmolzen auf nun noch 8,2 Prozent ab.
Das erst vor kurzem gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) kommt im hiesigen Landkreis aus dem Stand auf 3,4 Prozent und hatte damit die FDP hinter sich.
Die Liberalen landen bei 2,8 Prozent, also genau demselben Wert wie schon 2019. Das deutet darauf hin, dass der harte Wählerkern der FDP im hiesigen Landkreis in etwa bei dieser Marke liegt. Anders ausgedrückt: Sympathiepunkte bei Wechselwählern konnte die in Berlin mitregierende Partei offenbar kaum gewinnen.
Da es bei den Europawahlen keine Prozenthürde für den Einzug ins Parlament gibt, lohnt auch ein Blick auf die kleinen Parteien. Die im Bundesergebnis vergleichsweise hoch gehandelte Partei Volt kam im hiesigen Landkreis auf 1,5 Prozent, ebenso wie die ÖDP. Die einst mit satirischem Hintergrund gegründete Die Partei verbucht 1,3 Prozent. Diese drei Kleinparteien sind jeweils stärker als die im Bundestag vertretene Partei Die Linke, die 1,1 Prozent erhielt.
Auf genau 1,0 Prozent – ein Wert, der bundesweit zum Einzug ins EU-Parlament reichen würde – kam noch die Tierschutzpartei. Die anderen 22 der 34 angetretenen Parteien haben im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim eine Null vor dem Komma.
Über den Grad der Wahlbeteiligung konnte am Sonntag noch keine verlässliche Angabe gemacht werden. Sie dürfte bei etwa zwei Drittel der Wahlberechtigten gelegen haben. Die Zahl der Wahlberechtigten, die vorab mit rund 84.000 angegeben worden war, wurde am Wahlabend auf der Homepage des Landratsamtes nur noch auf gut 78.000 beziffert – eine offenkundig fehlerbehaftete Zahl.
Bis zur Feststellung des amtlichen Wahlergebnisses soll dies behoben sein. Auf die Stimmenverhältnisse der Parteien hat diese Zahl jedoch keine Auswirkungen, versicherte Kreiswahlleiter Matthias Hirsch gestern Abend auf Nachfrage unserer Redaktion.
Einen Kandidaten aus dem Kreis, der den Sprung ins EU-Parlament schafft, gibt es nicht – bei keiner der zahlreichen im EU-Parlament vertretenen Parteien. Das war jedoch absehbar. Kein hiesiger Kandidat beziehungsweise keine Kandidatin war gut genug auf seiner beziehungsweise ihrer Liste platziert.