Groß war bei vielen die Freude, als am Wochenende in Wassertrüdingen die Reaktivierung der Bahnlinie gefeiert wurde. Alles andere als begeistert waren indes viele Eltern, als am Montag der auf den Schienenverkehr abgestimmte Busfahrplan in Kraft trat und teils chaotische Verhältnisse bei der Schülerbeförderung nach sich zog.
Der holprige Start war Thema im Wassertrüdinger Stadtrat. In der Sitzung war von zu kleinen Bussen, unklaren Haltestellen und einem Omnibus, der sich angeblich auf einem Feldweg festgefahren hatte, die Rede. Die am ersten Tag gemachten Erfahrungen griff Bürgermeister Stefan Ultsch in seiner Weihnachtsrede auf. Er räumte ein, dass bei der Schülerbeförderung nicht alles glatt gelaufen sei.
Unter dem Punkt „Sonstiges“ meldete sich dann am Ende der Sitzung nochmals Stadtrat Armin Schmutterer (CSU) aus Geilsheim zu Wort, der von seinen morgendlichen Erfahrungen an der Haltestelle berichtete. Der Bus sei so voll gewesen, dass nicht alle Kinder Platz gehabt hätten, sagte er. Deshalb hätten sich Eltern mit ihren Privatwagen mit eingeklinkt. Nachdem durch Geilsheim auch Busse aus dem Nachbarlandkreis Weißenburg-Gunzenhausen führen, sollte überlegt werden, inwieweit deren Beförderungskapazität mit genutzt werden könnte, so Schmutterer.
Rathauschef Ultsch hob den enormen Aufwand hervor, der für die Neukonzipierung des ÖPNV-Fahrplans nötig gewesen sei. Einige Linien würden von neuen Busunternehmen betreut. Die Stadtverwaltung gebe diejenigen Punkte, die nachgebessert werden müssten, an das zuständige Landratsamt weiter.
Wie Bürgermeister Ultsch auf Anfrage der FLZ mitteilte, sei der Busfahrplan bislang maßgeblich auf die Beförderung der Schulkinder ausgerichtet gewesen. Mit der Reaktivierung der Bahnlinie musste nun auch der Stundentakt der Züge berücksichtigt werden. Zudem kam der Bahnhof als Omnibus-Haltestation neu dazu. Wie Ultsch weiter erläuterte, sei der Abstimmungsbedarf sehr groß gewesen und habe auch den Grundschul- und den Mittelschulverband stark beschäftigt.
Die städtische Mitarbeiterin Tanja Vorbrugg steht in enger Verbindung mit dem Landratsamt und hat laut Ultsch auch den Entstehungsprozess des neuen Fahrplans mit begleitet. Dabei sei so manche Lücke entdeckt und noch rechtzeitig beseitigt worden. Um eine sinnvolle Beförderung der Mädchen und Buben zu gewährleisten, haben die Schulverbände – anders als bislang – unabhängig vom ÖPNV zusätzlich noch in Eigenregie Unternehmen beauftragt. Davon betroffen ist etwa die Strecke in Richtung Langfurth.
Dass das neue ÖPNV-Angebot in Teilbereichen auch zu erheblichen Verschlechterungen geführt hat, beklagte eine Mutter aus der Gemeinde Wittelshofen, die sich bei der Redaktion der Fränkischen Landeszeitung gemeldet hat. Es gebe Dörfer, die nicht mehr angefahren würden, und teils Fahrzeitverlängerungen um mehr als das Doppelte. Die Frau bemängelte zudem, dass das Konzept nur unzureichend auf die Schulzeiten abgestimmt sei, so dass Kinder dadurch morgens zu spät zum Unterricht kämen.
Die Mutter berichtete auch von Kindern, die nunmehr an der Staatsstraße in den Bus steigen müssten, weil dieser die Ortschaft nicht mehr anfahre. Der Weg zum neuen Halt sei schlecht beleuchtet und ohne Gehsteig.
Wie die Pressestelle des Landratsamtes auf FLZ-Anfrage mitteilte, seien in den ersten Tagen nach der Betriebsaufnahme der Nördlichen Hesselbergbahn „entlang der neu strukturierten Buslinien einige Fragestellungen aufgetreten“. Dies sei bei einem Vorhaben dieser Größenordnung trotz umfangreicher Vorab-Informationen und Öffentlichkeitsarbeit auch so zu erwarten gewesen.
In vielen Fällen habe man bereits Lösungen gefunden. Es werde jedem Anliegen aus der Bevölkerung nachgegangen. Hierzu stünden die Zuständigen per Mail an oepnv@landratsamt-ansbach.de zur Verfügung.