Die Zeiten absoluter Mehrheiten für eine Partei sind im Landkreis Ansbach vorbei, zeigt eine Analyse der Bundestagswahl. Jede Gruppierung hat aber ihre Hochburgen und Schwachpunkte.
Dreimal gab es am Sonntag aber doch eine persönliche absolute Mehrheit: Direktkandidat Artur Auernhammer von der CSU holte sie bei den Erststimmen in Mitteleschenbach (51,3 Prozent), Adelshofen (50,7) und Gerolfingen (50,2), die auch die Hochburgen seiner Partei waren. Das schwächste Ergebnis erzielte der Wahlkreissieger in der Stadt Ansbach (30,9). Auernhammer kann zudem als Erfolg verbuchen, dass er über fünf Prozent mehr Erststimmen holte als die CSU Zweitstimmen bekam. Und er lag in allen Gemeinden des Landkreises Ansbach an der Spitze. . Fast alle anderen Direktkandidaten schnitten schlechter ab als ihre jeweilige Partei.
Die AfD hat ihre Hochburgen in Dentlein am Forst, Diebach und Wilburgstetten. Der Spitzenwert für Direktkandidat Stefan Wigler waren 30,8 Prozent in Dentlein. Den Gegenpol bildet die Gemeinde Weihenzell, wo sich nur 13,9 Prozent für den AfD-Kandidaten entschieden.
Pflegefachmann Daniel Mirlach (SPD) erzielte die besten Ergebnisse in Rothenburg (18,4), in der Stadt Ansbach (16,8) und in Neuendettelsau (16,7), also in Städten und Gemeinden, in denen der Gesundheits- und Pflegebereich eine wichtige Rolle spielt. Rothenburg ist auch die Hochburg der SPD als Partei (15,4) vor Bruckberg (15,0) und Ansbach (14,4). In Geslau und Ornbau schnitten die Sozialdemokraten am schlechtesten ab.
Der Viertplatzierte Sebastian Amler (Grüne) kam in Neuendettelsau (14,4) auf sein bestes Resultat. Danach folgten Weidenbach mit dem Hochschulstandort Triesdorf (13,4) und Heilsbronn (12,0). Am schwächsten waren die Grünen und ihr Kandidat in Mitteleschenbach.
Markus Mooser von den Freien Wählern hat seine persönlichen Spitzenwerte in Geslau (15,9), Schillingsfürst (13,1) und Ornbau (9,6). Er ist auch einer der wenigen Kandidaten, die besser abschnitten als ihre Partei. Die meisten Zweitstimmen für die Freien Wähler gab es prozentual in Geslau, Wittelshofen und Weiltingen. Größere Städte bleiben ein hartes Pflaster für die Freien Wähler. Trotz Heimvorteil gab es für Mooser in Ansbach nur 4,0 Prozent der Erststimmen und 2,5 Prozent der Zweitstimmen für die Freien Wähler.
Das Gegenteil gilt für die überraschend erfolgreiche Partei Die Linke, deren Hochburg die Stadt Ansbach ist. Direktkandidatin Nadja Gschwendtner kam hier und in Rothenburg mit jeweils 6,5 Prozent auf ihre besten Ergebnisse. Das schwächste Erststimmenergebnis hatte die Linke in Adelshofen (2,1), den kleinsten Zweitstimmenanteil nebenan in Ohrenbach (1,9).
Die russische Propaganda war mit ihren Bemühungen, das Vertrauen in die demokratische Wahl zu untergraben, offenbar auch in Westmittelfranken zumindest zum Teil erfolgreich. So berichtete eine Wahlhelferin in der Weinbergschule in Ansbach davon, dass gleich mehrere Wählerinnen und Wähler mit familiären Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion die blauen Buntstifte kritisierten, die den Wählern zur Verfügung gestellt wurden. Der Verdacht wurde geäußert, die Kreuze könnten ausradiert und an anderer Stelle gesetzt werden. Jeder Wählende durfte aber auch eigene mitgebrachte Stifte verwenden.
Ein Mann wollte im gleichen Wahllokal wissen, ob sich der erste Wähler davon überzeugen durfte, dass die Urne leer war. Diese Aufgabe übernehmen allerdings die Wahlhelfer, bevor sie die Urnen verschließen.
Einen fröhlichen Aspekt brachte der ungewöhnliche Wahltermin im späten Winter immerhin mit sich: In Faschingshochburgen wie Wolframs-Eschenbach gaben einige Menschen ihre Stimme in bunten Verkleidungen ab.