Der Reit- und Fahrverein Alte Ulanen Ansbach kann auf ein ganzes Jahrhundert zurückblicken. Sein 100-jähriges Bestehen feierte er am Samstag mit einem großen Programm, einschließlich Festakt und Turnier. Viel Lob gab es dabei zu hören. Die Konflikte der jüngeren Zeit jedoch kamen zumindest am Rande zur Sprache.
Oberbürgermeister Thomas Deffner als Schirmherr sprach beim Festakt von einer langen Tradition. „Das ist mir auch immer ein persönliches Anliegen.” Sein Urgroßvater sei zwischen 1884 und 1895 Berufssoldat bei den Ulanen gewesen. Bis heute sei Ansbach der Reiterei eng verbunden. Der Verein „setzt diese Tradition in Ansbach fort”.
Der OB wies zum Beispiel auf zwei Ulanen- und Reiterdenkmäler sowie auf die Pferdeplastik „Anscavallo” von Jürgen Goertz auf dem Schlossplatz hin. „Auch die Gebäude zeugen noch von unserer Reitertradition hier in Ansbach”, etwa die ehemalige Hindenburg-Kaserne, die heute die Hochschule beherbergt.
„100 Jahre Alte Ulanen ist aber nicht nur ein Ausdruck von Geschichte, sondern auch von modernem Reitsport in unserer Stadt.” Der OB würdigte das Engagement, die Gastfreundschaft und die Rolle des Vereins als Botschafter für den Reitsport.
Zu einem Turnier im E-Springen mit Mannschaften à vier Startende begrüßte Vorsitzender Matthias Schmidtner neben seinem eigenen Verein: das benachbarte Landesleistungszentrum (LLZ) Ansbach sowie Reitvereine aus den umliegenden Kommunen Aurach, Herrieden und Burgoberbach. E steht für die Einstiegsklasse.
Als Vorsitzende des Verbands der Reit- und Fahrvereine Franken hatte Jutta Leitherer bei dem Festakt auch als LLZ-Vertreterin das Wort ergriffen – und damit als Nachbarin. „Wir haben wenige Vereine bei unserem Verband hier in Franken, die dieses stolze Alter haben”, würdigte sie die Alten Ulanen. Ihr Verband bestehe dieses Jahr ebenso 100 Jahre. Sie hatte eine Ehrenurkunde dabei.
So eine überbrachte auch der Kreisvorsitzende des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV), Thomas Raßbach. Bezirksvorsitzender Dieter Bunsen gratulierte für Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster mit. Die Alten Ulanen „haben eine bewegte Geschichte mit Auf und Ab”, fand Dieter Bunsen.
Sie seien einmal einer der bedeutendsten Reitvereine gewesen, „die wir hatten”. Zwischendurch habe es Krisen gegeben, aber mit Matthias Schmidtner gehe es wieder aufwärts. „Ich hatte schon vor ein paar Jahren mal Angst, dass wir keine 100-Jahr-Feier erleben”, bekannte der BLSV-Bezirksvorsitzende.
Sein umfangreiches Wissen über den Verein, aber auch über Ansbachs Militärgeschichte, führte Willi Herbst vor Augen. Er kümmert sich bei den Alten Ulanen nach wie vor um die Traditionspflege. „Ansbach war einst eine der ältesten Garnisonsstädte Deutschlands”, schilderte er der FLZ, „1735/36 wurde Ansbach als Garnison bezeichnet.”
Er trug eine nachgebildete Ulanenmütze und zeigte eine Offiziersreitgerte. Matthias Schmidtner sagte ihm „ein ganz, ganz großes herzliches Dankeschön”. Wichtig sei, „dass die Öffentlichkeit wieder sieht, was da ist”.
In einem Zelt waren zum Beispiel zwei Originaluniformen, aber auch historische Ehemaligen-Standarten dreier Regimenter zu sehen, die in Ansbach stationiert waren. „Das sind die wertvollsten Stücke” der Sammlung, betonte Willi Herbst.
Der 76-Jährige ist laut seinen Worten der Einzige, der dieses komplette Wissen in Sachen Traditionspflege hat. Er möchte es gern weitergeben. Die Sammlung solle zusammenhängend erhalten bleiben und nicht auf einem Dachboden landen. Wie ihre Zukunft genau aussehen soll, sei im Augenblick noch offen.
Das Bläsercorps der Jägervereinigung Ansbach und Umgebung (Leitung Dr.-Ing. Roland Müller) gestaltete den Festakt musikalisch. Regina Schaudig bemerkte als Mitglied, die Jagdhornbläserinnen und -bläser steckten ja immerhin auch in historischen Uniformen der markgräflichen Jäger.
Es war eine positive Veranstaltung, die hervorragend verlief: von der Hüpfburg und dem Kinderschminken übers Ponyführen und Kutschfahrten bis zum Turnier, wie Matthias Schmidtner bilanzierte. Super unterstützt hätten die anderen Vereine und die Ehrengäste. Für den ganzen Tag schätzte er rund 450 Gäste. Die anderen Vereine hätten schon um ein neues Turnier gebeten.