Die älteste Geslauerin ist mit 102 noch ziemlich fit | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.10.2023 07:00

Die älteste Geslauerin ist mit 102 noch ziemlich fit

Von den rund 1400 Menschen, die in der Gemeinde Geslau leben, ist Elli Mohr der älteste. Zum 102. Geburtstag gratulierten ihr Bürgermeister Richard Strauß (rechts) und stellvertretender Landrat Stefan Horndasch. (Foto: privat)
Von den rund 1400 Menschen, die in der Gemeinde Geslau leben, ist Elli Mohr der älteste. Zum 102. Geburtstag gratulierten ihr Bürgermeister Richard Strauß (rechts) und stellvertretender Landrat Stefan Horndasch. (Foto: privat)
Von den rund 1400 Menschen, die in der Gemeinde Geslau leben, ist Elli Mohr der älteste. Zum 102. Geburtstag gratulierten ihr Bürgermeister Richard Strauß (rechts) und stellvertretender Landrat Stefan Horndasch. (Foto: privat)

„Den Dialekt werde ich nicht mehr lernen“, sagt Elli Mohr. Aber sie versteht die Geslauer gut. Umgekehrt verhält es sich genauso. Und deshalb fühlt sich die gebürtige Ostpreußin auch so wohl in der Gemeinde, deren älteste Einwohnerin sie ist. Zum 102. Geburtstag gratulierte ihr neben Bürgermeister Richard Strauß auch stellvertretender Landrat Stefan Horndasch.

Die Sehkraft lässt nach. Aber ansonsten ist Elli Mohr ziemlich fit. Sie lebt – noch weitgehend selbstständig – im Haus von Tochter Karin und Schwiegersohn Bert. Regelmäßige Bewegung ist ihr Patentrezept in Sachen Gesundheitserhaltung: „Jeden Tag laufe ich ein Stück“, berichtet sie. Allerdings macht sich Elli Mohr nicht mehr allein auf den Weg, sondern nur in Begleitung. Das Sturzrisiko wäre ihr da dann doch etwas zu groß.

In Geslau lebt sie seit 1998. So ruhig und geregelt wie dort war es in den 77 Jahren davor für Elli Mohr nur selten. Vor allem als junger Mensch musste sie mit extremen Zäsuren klar kommen. Das hat geprägt.

Für sechs jüngere Geschwister gesorgt

Im Dorf Krakischken unweit von Königsberg wuchs sie auf, als ältestes von sieben Kindern eines Landwirtspaars, das auch eine Käserei und eine Mühle betrieb. 1940 veränderte der Tod der Mutter ihr Leben. Kaum erwachsen, musste sich die damals 19-Jährige nun um ihre jüngeren Geschwister kümmern.

Vier Jahre später sorgte der Krieg für eine weitere dramatische Zuspitzung. Die Familie musste die Heimat verlassen. Die inzwischen 23-Jährige schaffte es, sich mit ihren jüngeren Geschwistern irgendwie bis in die Kleinstadt Tann in der Rhön durchzuschlagen. Dorther stammte der Soldat Kurt Mohr, den sie einige Wochen vor der Flucht noch in Ostpreußen kennen und lieben gelernt hatte. Ende März 1945 heirateten die beiden in Tann. Einige Wochen später kam Kurt Mohr in Kriegsgefangenschaft, aus der er am 8. August 1945 zurückkehrte. An dieses Datum erinnert sich Elli Mohr gut, denn zwei Tage später kam Helga, die erste Tochter der beiden, zur Welt.

Die nun dreiköpfige Familie wurde in Tann in einem kleinen Zimmer einquartiert, denn das Haus der Eltern von Kurt Mohr war zeitweise von amerikanischen Truppen beschlagnahmt. Die Verhältnisse waren immer noch schwierig, als 1949 mit Karin die zweite Tochter geboren wurde. Ende 1951 zog die Familie vom Land in die Großstadt Frankfurt am Main um. Kurt Mohr hatte dort Arbeit bei der Post gefunden, und auch beim Wiederaufbau kriegszerstörter Gebäude war viel zu tun für ihn. Elli Mohr kümmerte sich um die Kinder und packte ebenfalls dort mit an, wo es gerade nötig war.

Die Lebensumstände verbesserten sich. Große Sprünge konnte die Familie dennoch nicht machen. Immerhin ergab sich ab den 1960er Jahren die Möglichkeit, regelmäßig im Sommer nach Spanien zu fahren, und zwar nach Benidorm an die Costa Blanca. „Das war immer schön für mich, denn ich hatte das Meer vermisst“, sagt Elli Mohr. In der alten Heimat war die Ostsee nah gewesen.

Sprung aus der Großstadt ins Dorf

Nach 47 Jahren in der Großstadt entschieden sich Elli Mohr und ihr Mann Kurt noch einmal für eine große Veränderung. Sie zogen zur Tochter und zum Schwiegersohn nach Geslau. Drei gemeinsame Jahre hatten sie dort noch. Dann verstarb Kurt Mohr. Elli Mohr musste als Witwe zurecht kommen. Sie hatte sich aber auf das Leben im Dorf eingelassen und schaffte das deshalb gut. Zu ihren Hobbys gehörte das Mitmischen bei der Gymnastikgruppe des Sportvereins. Auch bei der Betreuung von zwei Enkeln und zwei Urenkeln war sie gefragt.

Elli Mohr war in ihrem Leben mehrmals gezwungen, sich auf Unbekanntes einzulassen. Und manchmal suchte sie die Veränderung. Funktioniert hat es stets. „Es liegt an einem selber. Ich habe mich immer anpassen können“, betont Elli Mohr. Verbiegen ließ sie sich aber auch nicht. Genau das mögen die Geslauer. Und deshalb passt es nach wie vor sehr gut zwischen dem Dorf und seiner ältesten Bewohnerin.

„Das Leben muss geregelt sein“, sagt Elli Mohr und lacht. Denn neben der preußischen Grundtugend Selbstdisziplin ist der gebürtigen Ostpreußin auch der Humor ziemlich wichtig.

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