Die junge Pilotin hat sich nun freigeflogen und die Prüfung erfolgreich bestanden. Damit ist sie beim Flugsportverein Bad Windsheim die erste Frau, der das gelungen ist.
Obwohl der Flugsport noch immer männerdominiert ist, gehören beim Flugsportverein Bad Windsheim ganz selbstverständlich auch Frauen zum Team. Doch die hatten ihre Lizenzen meist schon, wenn sie dem Verein beigetreten sind. Dass sich eine in Bad Windsheim im Segelfliegen ausbilden lässt, dort alles von der Pike auf lernt und sich vor Ort auch prüfen lässt, gab es indes noch nie.
Dabei war es lange nicht klar, ob Alicia Fiedler das Fliegen tatsächlich zum Hobby machen würde. Denn obwohl ihr Vater Vorsitzender des Bad Windsheimer Flugsportvereins und als Fluglehrer tätig ist, zog es die 16-Jährige bislang nur als Mitfliegerin auf den Platz.
„Ich war immer unsicher, ob ich das hinkriegen würde“, erinnert sie sich an ihre Bedenken. Als Freunde und Bekannte sie schließlich ermutigten, es zu versuchen, fasste sie sich ein Herz. Plötzlich sei das nötige Selbstvertrauen da gewesen und der große Wunsch, irgendwann einmal selbst abheben zu dürfen.
Als sie im Sommer des vergangenen Jahres ihre Ausbildung starten wollte, war vor allem einer überrascht: ihr Vater Felix Fiedler. Der hatte nicht mehr damit gerechnet, dass seine Tochter die Fliegerei doch noch für sich entdecken würde. Gefreut hat er sich über ihren Entschluss aber sehr und sie sogleich mit der notwendigen Fachliteratur versorgt.
In der theoretischen Prüfung waren Alicia Fiedler insgesamt 20 Fragen vorgelegt worden. Davon mussten 75 Prozent richtig beantwortet werden. Diese Quote übertraf die 16-Jährige sogar noch, indem sie 92 Prozent erzielte. Beim praktischen Prüfungsteil steigt der Flugschüler erstmals ohne Lehrer ins Cockpit und absolviert seinen ersten Alleinflug.
Wie viele Starts im Rahmen der Ausbildung absolviert werden müssen, bevor man zum Alleinflug zugelassen wird, variiert stark. „Die meisten brauchen rund 100 Starts“, sagt Russell Lashley, der Fluglehrer ist und sich beim Verein um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Dass Alicia gerade mal 59 Starts benötigt habe, sei „eine rekordverdächtig niedrige Anzahl“ gewesen. Die lediglich 44 Starts ihres Vaters Felix Fiedler, der als Luftfahrzeugtechniker tätig ist, konnte sie indes nicht unterbieten.
Er sei nun mal Perfektionist, betont Felix Fiedler. „Da kommt im Cockpit auch schon mal Kritik von hinten“, sagt er. Alicia hat es stets mit Gelassenheit genommen und das Positive daran zu schätzen gewusst. „Man lernt was von ihm“, sagt sie und lacht.
Und das Lernen wird für die 16-Jährige weitergehen. Nach dem ersten Teil der Ausbildung, folgen nun zwei weitere, die ebenfalls jeweils mit einer Prüfung abschließen. Auch wird Alicia vom Doppelsitzer auf den Einsitzer umsteigen. Der gleite besser, sei agiler und man müsse beim Lenken weniger Kraft aufwenden, erklärt ihr Vater. Ihm zufolge sei der Umstieg vergleichbar mit dem Wechsel „von Opel zu Ferrari“. Der Einsitzer sei eher der Sportwagen.
Aktuell gibt es insgesamt sechs Flugschüler im Verein, im Alter zwischen 16 und 58 Jahren. Dass weitere folgen werden, hoffen die Verantwortlichen sehr. Momentan zählt der Verein 20 Aktive. Das Interesse an der Fliegerei sei in den vergangenen Jahren allerdings merklich zurückgegangen.
„Wir bieten jedes Jahr in Kooperation mit der Vhs einen Einführungskurs ins Segelfliegen an, für den sich diesmal bislang niemand angemeldet hat“, sagt Russell Lashley und verweist darauf, dass man dies noch bis zum 31. Mai tun könne. Bereits im vergangenen Jahr sei die Nachfrage eingebrochen. Damals hatte gerade mal ein Teilnehmer den Kurs gebucht. In den Jahren zuvor hingegen sei das Angebot stets überlaufen gewesen.
Neben der Nachwuchs-Gewinnung sei es eine weitere Herausforderung, das Geld für eine neue Lackierung des Segelflugzeugs zu bekommen, das für die Übungsflüge eingesetzt wird. Die ASK 21 sei mittlerweile rund 30 Jahre alt, was beim Streichen über die Hülle mit ihren feinen Unebenheiten fühlbar sei.
Als Alicia Fiedler die ASK 21 nach ihrem ersten Alleinflug sicher wieder gelandet hatte, gab's einen dornigen Blumenstrauß und einen Klaps auf den Po. „Der Blumenstrauß soll ans Gefühl für den Steuerknüppel erinnern und der Klaps ist fürs Hosenbodengefühl beim Fliegen“, sagt die 16-Jährige. Die Blumen hat sie gepresst. Sie sollen in einem Rahmen platziert werden und sie so stets an den ersten Alleinflug erinnern.