Seit 60 Jahren sind Erika und Willi Fuchs verheiratet. Am heutigen 15. Mai feiern sie ihre Diamantene Hochzeit. Gibt’s ein Patentrezept für eine so lange, gute Ehe? Viel Arbeit, so dass man nicht zum Streiten kommt. Und wenn man doch mal unterschiedlicher Meinung ist, dann regt man sich schnell wieder ab und macht am nächsten Tag in Ruhe weiter.
Das sei ihr persönlicher Weg für ein erfolgreiches Zusammenleben seit sechs Jahrzehnten, erklären die Jubilare. Kennengelernt haben sich die beiden in den 1960er Jahren in Willi Fuchs’ Heimatort Mitteldachstetten. Er wohnte dort auf dem Hof seiner Familie. Die junge Erika, die aus Ermetshofen bei Uffenheim stammt, kam als Familienhelferin ins Dorf, um eine Familie mit mehreren Kindern und einer kranken Mutter zu unterstützen. Die Leute, bei denen sie mitarbeitete, waren verwandt mit Willi Fuchs, der dort auch immer wieder aushalf, wenn es etwas zu tun gab.
„1963 haben wir uns kennengelernt, 1964 haben wir uns verlobt, 1965 haben wir geheiratet, dann haben wir den Hof übernommen“, erzählt die 85-jährige Erika Fuchs. Zwei Töchter wurden geboren, und längst gibt es auch zwei Enkelinnen. „In Mitteldachstetten sind eine Zeit lang nur Mädchen auf die Welt gekommen“, denkt Erika Fuchs zurück und lacht. „Es waren mal 32 Mädchen hintereinander. Die Leute haben gesagt, das muss am Wasser hier liegen.“
Die Arbeit auf dem Bauernhof mit Schweinen, Milchkühen, zwei Pferden, Hühnern und Gänsen war hart. „In der Landwirtschaft ist man an 365 Tagen im Jahr beschäftigt, von früh bis spät, Urlaub gibt es nicht“, schildert der 89-jährige Willi Fuchs. Aber es sei gerade diese Arbeit gewesen, die sie in ihrer Ehe besonders fest zusammengeschweißt habe, sind sich die Jubilare einig.
„Wenn du einen Hof hast, verbindet einen die gemeinsame Arbeit. Wir waren ja immer rund um die Uhr zusammen, weil keiner einen Beruf auswärts hatte“, so Erika Fuchs. „Und wenn es mal Streit gab, dann hat man sich wieder zusammengerauft. Streit vergeht wieder. Man darf nicht alles so furchtbar tragisch nehmen und gleich davon laufen.“
Vor fast 25 Jahren haben die Eheleute den Hof in dem Ortsteil von Oberdachstetten (Landkreis Ansbach) verpachtet. Leicht fiel ihnen das nicht, weil sie beide sehr an der Tierhaltung hingen, trotz aller Anstrengungen. Doch nun war endlich etwas Zeit für Ausflüge und Reisen. Mit Vereinen unternahm das Paar Bustouren in Städte in Deutschland und dem nahen Ausland. „Dass wir das noch machen konnten, ist sehr schön“, sagt Willi Fuchs.
Mittlerweile sind solche Touren zu beschwerlich, aber Erika und Willi Fuchs fühlen sich ohnehin sehr wohl in ihrem Haus in Mitteldachstetten, in dem auch eine Tochter und die Enkelinnen leben. Dazu ein Hund und eine Katze.
Am wichtigsten sei jetzt die Gesundheit, betont das Ehepaar. „Das ist die Hauptsache. Und wenn man mal krank ist, hilft man sich gegenseitig“, sagt Willi Fuchs. Der 89-Jährige hat eine große Leidenschaft, schon seit den 1950er Jahren: Er singt gerne und geht dafür jede Woche zur Singstunde in Mitteldachstetten.
Zur Routine im Leben des Seniors und seiner Frau gehört zudem die Lektüre der Fränkischen Landeszeitung „jeden Vormittag nach dem Kaffee“. Besonders gern mögen die beiden die Serie „Zurückgeblättert“ mit historischen Fotos und Geschichten aus der Vergangenheit. „Die Artikel lese ich immer ganz genau“, betont Willi Fuchs. „Und dann denke ich an meine Zeit an der Landwirtschaftsschule in Ansbach, wo wir oft in der Pause durch die Stadt gelaufen und zum Essen gegangen sind. Eine Mark hat das Mittagessen gekostet in der Wirtschaft, in der wir damals immer waren.“