Erfahrungen austauschen und Gemeinschaft erleben: Vom offenen Stammtisch in der Diakoneo Rangauklinik in Ansbach-Strüth profitieren Lungenkranke mit Sauerstoffmangel und deren Angehörige. Etwa bei Alltagssituationen und auf der Suche nach Lösungen.
Die Schwächung der Lunge ist für die meisten Betroffenen ein einschneidendes Erlebnis. Vor allem, wenn die Erkrankung mit der Verringerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Überlastung des Herzens einhergeht.
Sauerstoffmangel im Blut bleibt zunächst oftmals unbemerkt. Marion Laurenz führte die Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes vor etlichen Jahren anfänglich auf eine Grippe-Erkrankung zurück. „Aber dann ging es ganz schnell“, erzählt sie. „Ich war kraftlos, die Luft hat gefehlt und nach 150 Meter konnte ich nicht mehr.“ Das Zeitungsaustragen musste sie aufgeben.
Während des Klinikaufenthaltes, der notwendig wurde, bekam sie die Sauerstofftherapie verordnet, die zunächst rund um die Uhr durchgeführt wurde. Jetzt benötige sie eine kontinuierliche Sauerstoffzufuhr meist nur noch in der Nacht. Wegen der Liegeposition gelangt weniger Sauerstoff ins Blut.
Einen Kommunalpolitiker warf die akut kritische Erkrankung „total aus dem Gleichgewicht“, wie er sagt. Es war ein langer Weg mit Klinikaufenthalt und Reha bis zur Genesung. Nach einem Jahr konnte er seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen. Ein transportables Sauerstoffgerät unterstützt ihn dabei.
„Inzwischen bin ich soweit, dass ich ein bis zwei Stunden am Tag keine Sauerstoffgabe brauche.“ Der 70-Jährige hofft, in einem halben bis dreiviertel Jahr ganz ohne Sauerstoff-Dauerabgabe auszukommen. Er meide „lange anstrengende Veranstaltungen und lange Reden“.
Für einen 68-Jährigen gehört das Sauerstoffgerät als lebenserhaltende Maßnahme und zur besseren Mobilität schon seit vielen Jahren zum Alltag „wie der Geldbeutel oder die Ausweispapiere“. Sein Elektro-Fahrrad hat einen Korb, um die Sauerstoffausrüstung zu verstauen. Nachts trägt er eine spezielle Beatmungsmaske. Diese Lebenssituation erfordere nicht zuletzt ein gewisses Maß an Disziplin, berichtet der Rentner: „Sonst wird die Luft schnell knapp und die Lippen färben sich blau.“
Eine Rentnerin erfuhr von ihrem Sauerstoffmangel im Blut nach dem Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks. Nach dem Aufwachen aus der Narkose hatte sie „plötzlich einen Schlauch in der Nase“. Sie benötigte nur eine kurzzeitige Sauerstoffunterstützung, aber sie kommt weiterhin zu den Treffen in die Rangauklinik.
Diese finden seit heuer wieder jeden dritten Mittwoch im Monat ab 14.30 Uhr im kleinen Speisesaal statt. Die über 20-jährige Tradition des Stammtischs wurde lediglich durch die Corona-Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen ausgebremst. An der jüngsten Zusammenkunft nahm mit Marion Webert auch eine Ansprechpartnerin des Lungenstammtischs Marktbergel teil. Gudrun Surer, Krankenschwester und Vertreterin eines medizinisch-technischen Dienstleistungsunternehmens, gab fachkundige Erläuterungen zu den verschiedenen Systemen der Sauerstofftherapien.
Hardy Zießler, Pflegedienstleister an der Rangauklinik, kündigte an, dass es auch wieder Vorträge und Veranstaltungen geben soll. Er warb um rege Teilnahme am Wandertag, 22. Mai, unter ärztlicher Begleitung auf dem Gelände. Er soll Lungenkranke motivieren, sich mehr im Alltag zu bewegen und ihre Mobilität nicht einzuschränken.
Sauerstoffgerät und Schlauchsystem verändern das Leben und das soziale Umfeld, erzählen Betroffene. Sie sind fokussiert auf den lebensnotwendige Sauerstoff. Unterwegs kann die zeitlich begrenzte Kapazität bei einem Strom- oder Batterieausfall Stress bereiten. Damit einher geht die bange Frage, reicht die Reserve?
Reisen mit Bus, Bahn oder Flugzeug bedeuten einen logistischen Aufwand, berichten sie. Doch davon lassen sie sich nicht abschrecken. Flüssigsauerstoff ist im Flugzeug verboten, aber es gibt Alternativen. Ein 83-Jähriger geht mit seiner Sauerstoff-Ausrüstung auch regelmäßig ins Konzert. Während der Aufführung schaltet er das Gerät wegen der Nebengeräusche ab und in der Pause wieder an.
Die Betroffenen hindert ihr Handicap nicht daran, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Gespräche beim Patienten-Stammtisch bieten ihnen Rat und Hilfe rund um die Erkrankung. Aus den Reihen kommt auch Ermutigung, wie Unsicherheit überwunden und der souveräne Umgang mit dem Sauerstoffschlauch im Gesicht erlernt werden kann. Sie haben die Erfahrung gemacht, wie wichtig es ist, das Beste aus der Situation zu machen.