Vergleicht man Wettringen mit Berlin, München oder Würzburg, wird man vermutlich relativ wenig Gemeinsamkeiten finden. Eines eint jedoch die vier Orte: Sie alle haben einen Kneipenchor.
Ein Kneipenchor ist ziemlich genau das, wonach es klingt: Eine Gruppe musikliebender Menschen, die sich in ungezwungenem Rahmen – oft in einem Wirtshaus – treffen, und gemeinsam Songs der aktuelleren Musikgeschichte einstudieren. In Wettringen trifft man sich dafür im Gasthaus zum Goldenen Lamm. Entsprechend naheliegend ist der Name des Chors: „Die Lämmer”.
Die Lämmer singen seit rund zwei Jahren gemeinsam. Die Idee dazu kam von der Tochter des Lamm-Wirtes, Selina Mönikheim, sowie ihrer Cousine Miriam Ruppe. „Wir saßen abends zusammen und haben eher zufällig entdeckt, dass wir beide schon lange über einen Kneipenchor nachgedacht haben”, erzählt Mönikheim. „Und dann haben wir das einfach gemacht.”
Freundinnen und Freunde wurden mobilisiert und schon nach kurzer Zeit hatten sich einige interessierte Sängerinnen und Sänger zusammengefunden. Der Kneipenchor war geboren. Fast jeden Mittwoch wird seitdem im Gasthaus geprobt.
Was gesungen wird, entscheiden die Chormitglieder demokratisch. „Jeder kann Wünsche äußern und wir wählen dann aus”, so Mönikheim. Entsprechend breit gefächert ist das Programm. Von Pop-Punk-Klassikern wie „All The Small Things” von Blink 182 über Gute-Laune-Italo-Schlager wie „Bella Napoli” von Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys bis hin zu Lady Gagas „Born this way”.
Kerstin Bär ist die Gitarristin des Kneipenchors und für die passenden Akkorde verantwortlich. „Sie hat große musikalische Erfahrung”, sagt Selina Mönikheim. Die Sängerinnen und Sänger sind allesamt Laien, die „einfach Spaß am Singen” haben. Viele von ihnen sind auch in anderen Chören aktiv.
Seit einem Auftritt bei der Veranstaltung „Rothenburg ist bunt” im Sommer dieses Jahres sind einige neue Gesichter hinzugekommen. „Alle aus Wettringen, Rothenburg und Umgebung”, sodass der Chor mittlerweile 19 Personen umfasst. Dabei ist die Altersstruktur sehr homogen: Die Mitglieder sind zwischen 26 und 31 Jahre alt.
„Grundsätzlich ist uns das Alter aber egal”, so Mönikheim. „Hauptsache, der Vibe passt.” Denn die Gemeinschaft steht bei allen Beteiligten im Vordergrund. „Es wird immer viel gequatscht bei uns.” Auf einen Dirigenten oder eine Dirigentin verzichten die Sängerinnen und Sänger bewusst – „das klappt sehr gut.”
Und so würden sich die Arrangements der Songs oft ganz von selbst ergeben. „Wer mag, singt eine zweite Stimme, manchmal entsteht ein Background-Chor, wir erarbeiten uns das alles selbst”, erzählt Mönikheim. In Ideenreichtum und Vielfalt habe sich der Chor seit seiner Gründung „ganz schön weiterentwickelt”.
„Es gibt noch einen wichtigen Unterschied zwischen Wettringen und den Großstädten”, sagt Mönikheim. Während die meisten Chöre nämlich keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen, „sind wir offen für alle Interessierten”. Jeder könne sich zum Schnuppern melden, besonders gefragt seien tiefe Stimmen. „Man muss auch nicht perfekt singen können, nur ein paar Töne sollte man treffen.”
Der nächste Auftritt der „Lämmer” steht kurz bevor: Am Donnerstag, 18. Dezember, geben die Sängerinnen und Sänger ein Konzert beim Winterglühen im Rothenburger Burggarten. Beginn ist um 18.30 Uhr. Für die Weihnachtssaison hat der Chor ein extra Programm einstudiert. Das reicht von Elton Johns „Step Into Christmas” und „Jingle Bells” von Frank Sinatra „ bis hin zu „Do They Know It's Christmas” von Band Aid oder „Happy X-mas (War Is Over)” von John Lennon und Yoko Ono.