Deutlich mehr als bisher müssen die Leutershäuser ab kommendem Jahr für ihr Trinkwasser bezahlen. Die Kubikmeter-Gebühr steigt voraussichtlich um gut ein Viertel auf 4,54 Euro. Für Durchschnittshaushalte bedeutet das Mehrkosten von etwa 120 bis 180 Euro im Jahr, also zehn bis 15 Euro im Monat.
Der Trinkwasserpreis, der kostendeckend kalkuliert werden muss, wird alle vier Jahre neu berechnet. Da in diesem Bereich laut Dietrich Negrea, Vorstand des Kommunalunternehmens KUL, zuletzt ein Defizit erwirtschaftet wurde, muss die Gebühr für den Zeitraum 2026 bis 2029 entsprechend erhöht werden, um das Minus aufzufangen. Zudem führte er gestiegene Personalkosten, einen höheren Fernwasser-Einkaufspreis, den nicht bezuschussten Leitungsbau in Ortsteilen sowie allgemein gestiegene Baukosten als Preistreiber an.
Nach Negreas Kalkulation müsste eine kostendeckende Wassergebühr bei 4,34 Euro liegen. Um Luft zu haben für künftige Investitionen und Rücklagen, empfahl er, 20 Cent aufzuschlagen und ab 1. Januar 4,54 Euro zu verlangen. Der Stadtrat wies letztlich mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit den Verwaltungsrat des KUL an, eine entsprechende Satzung zu erlassen. Bislang zahlt man in Leutershausen 3,57 Euro pro Kubikmeter Trinkwasser.
„Ein satter Anstieg.”
Für einen Drei- bis Vier-Personen-Haushalt mit 120 Kubikmetern Verbrauch im Jahr bedeute das künftig eine jährliche Wasserrechnung von rund 545 statt 430 Euro, so die Berechnung des KUL-Chefs. Das Statistische Bundesamt legt indes etwas andere Zahlen zugrunde. Demnach verbrauche der Durchschnittsbürger 128 Liter Trinkwasser am Tag, also 45 Kubikmeter im Jahr. Das wären bei vier Personen 180 Kubikmeter per anno – rund 820 statt wie bisher 640 Euro.
27 Prozent mehr seien „ein satter Anstieg“, räumte Negrea ein. Doch schon in der Prognose bei der Kalkulation des aktuellen Vier-Jahres-Turnus sei man von 4,60 Euro ab 2026 ausgegangen. Er rechne für 2030 mit einem weiteren leichten Plus auf dann 4,90 Euro pro Kubikmeter.
„Eine überschaubare Größe.”
Zehn Euro mehr pro Monat für eine drei- bis vierköpfige Familie seien „durchaus vertretbar“, befand Bürgermeister Markus Liebich: „Eine überschaubare Größe.” Dem widersprach Renate Götzenberger (ALL/Grüne), die darauf hinwies, dass der Wasserpreis in Leutershausen relativ hoch sei. Sie sah Spielraum für mehr Wirtschaftlichkeit und monierte, es fehle das Bestreben, nach Einsparpotenzial zu suchen.
Ihr leuchte nicht ein, weshalb in Lengenfeld – dort besteht eine eigene, unabhängige Trinkwasserversorgung – ein Kubikmeterpreis von lediglich 1,32 Euro möglich sei. Der Rathauschef indes betonte, Leutershausen mit seinen vier Dutzend Stadtteilen sei aufgrund seines weitläufigen Wasserleitungsnetzes nicht vergleichbar mit anderen Kommunen. „Wir müssen viel sanieren an unserem riesengroßen Netz”, fügte Negrea hinzu.
Kritik am Konstrukt KUL übte einmal mehr Raimund Walz (CSU/Freie Wähler). Er sprach von einem „Wasserkopf mit eigenen Büros”, obwohl die Zahl der Aufgaben kleiner werde – zuletzt war die Betreuung des lokalen Stromnetzes an die N-Ergie übergegangen. Somit verteilten sich die grundlegenden Verwaltungskosten auf immer weniger Sparten. Eine Einschätzung, die sowohl der Rathaus- als auch der KUL-Chef teilen: Zusätzliche Geschäftsfelder wären wünschenswert. Photovoltaik oder Nahwärme seien hier denkbar.
Für Verwirrung hatte Dietrich Negrea mit einer Grafik gesorgt, die den Eindruck erweckte, zwei Drittel des Wasserpreises resultierten aus Personalkosten. Auf Hinweis von Dr. Bastian Wojek (SPD/Bürgerforum) korrigierte der KUL-Vorstand und städtische Finanzchef die Darstellung und versprach ein überarbeitetes Zahlenwerk bis zur Sitzung des Verwaltungsrates.
Der FLZ gegenüber erklärte Negrea im Nachgang, in dem Diagramm seien „zur Vereinfachung” Kosten zusammengefasst worden: die Abschreibungen für in den Vorjahren getätigte Investitionen, die Personalkosten und weitere Bestandteile. Tatsächlich würden sich die reinen Personalkosten nur mit 87 Cent auf den Wasserpreis niederschlagen, während die Abschreibungen von fast zwei Millionen Euro im Vier-Jahres-Zeitraum 2021 bis 2025 knapp zwei Euro pro Kubikmeter ausmachten.