Der Swing lebt: Martin Schmid und Band in den Ansbacher Kammerspielen | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 06.02.2026 07:00

Der Swing lebt: Martin Schmid und Band in den Ansbacher Kammerspielen

Martin Schmid (Sänger) mit seinem Programm „Swingtime” in den Kammerspielen Ansbach; v. li.: Stephan Holstein (Saxophon, Klarinette), Walter Bittner (Schlagzeug), Uli Fiedler (Kontrabass), Daniel Mark Eberhard (Klavier); (Foto: Elke Walter)
Martin Schmid (Sänger) mit seinem Programm „Swingtime” in den Kammerspielen Ansbach; v. li.: Stephan Holstein (Saxophon, Klarinette), Walter Bittner (Schlagzeug), Uli Fiedler (Kontrabass), Daniel Mark Eberhard (Klavier); (Foto: Elke Walter)
Martin Schmid (Sänger) mit seinem Programm „Swingtime” in den Kammerspielen Ansbach; v. li.: Stephan Holstein (Saxophon, Klarinette), Walter Bittner (Schlagzeug), Uli Fiedler (Kontrabass), Daniel Mark Eberhard (Klavier); (Foto: Elke Walter)

Am Mittwoch hieß es „Swingtime“ in den Ansbacher Kammerspielen. Martin Schmid und seine Bandkollegen servierten im gleichnamigen Programm dem Publikum Evergreens und deutsche Schlager aus der Swing-Ära. Songs, die zum Teil schon annähernd ein Jahrhundert auf dem Buckel hatten – konnte das funktionieren?

Martin Schmid hat sich der Musik des Swing, dessen Anfänge bis in die 1920er-Jahre reichen und in den 1950ern eine Wiederbelebung erfuhr, mit ganzem Herzen verschrieben. Das war schnell zu spüren. Als Jazz-Kontrabassist war ihm der Sound vermutlich ohnehin nicht ganz fremd.

Begnadeter Entertainer

Die Lebensfreude dieser Musik zu spiegeln, so schien es, war eines der Anliegen der fünf Musiker. Neben Schmid, der sich als Sänger und begnadeter Entertainer vorstellte, waren das Stephan Holstein (Saxophon, Klarinette), Walter Bittner (Schlagzeug), Uli Fiedler (Kontrabass) sowie Pianist Daniel Mark Eberhard.

Klassiker wie etwa „Mackie Messer“, „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine“, „Schade, dass Sie schon vergeben sind“, Gershwins „Lady, Be Good“ oder auch „Buona Sera“ waren zu hören, erweitert um schmissige Instrumentalarrangements wie Horst Jankowskis „Schwarzwaldfahrt“.

Große Klasse, wenn Holstein etwa seine Klarinette sanft schnurren, im nächsten Moment sehnsuchtsvoll jammern ließ, markante Rhythmen bei Bittner den Herzschlag gaben, Fiedler seinen Bass tieftönig zupfte oder bei Eberhards Soli im rasanten Tempo auf den Tasten gejazzt wurde. Wunderbar passten da Schmids Gesang und dessen humorvoll angelegte Interpretationen dazu, Augenzwinkern inbegriffen. Paul Kuhns Lied „Auf meinem Konto steht das Komma zu weit links“ etwa. Das wurde bei Martin Schmid und seinen Kollegen zu einem spritzigen Kabinettstückchen.

Die fünf hatten richtig Spaß auf der Bühne, interpretierten die Arrangements mit großer Spielfreude und leidenschaftlichem Zugriff. Das war ansteckend. Der Funke sprang schon sehr bald auf das Publikum über. Mit seiner charmanten Moderation hielt Schmidt weiterhin stets den Kontakt.

Frische Arrangements

Dass das Konzept aufgegangen war, lag einerseits an der geschickten Auswahl der Stücke, andererseits an den frischen Arrangements und am hochklassigen Zusammenwirken der fünf Musiker. Klar stand der Gesang im Zentrum, Schmid ließ aber seinen Kollegen viel Raum, um mit virtuosen Soli zu glänzen. Der Sound erinnerte an die großen Swing-Orchester, etwa unter Bandleadern wie Max Greger, Bert Kaempfert oder auch Paul Kuhn, den die Kombo aber auch in der Viererbesetzung vollmundig rüberbrachte.

Eventuelle Staubanhaftungen bei den Songs, die, beginnend bei den 1920er-Jahren bis in die 1960er-Jahre reichten, haben die fünf mit Leichtigkeit weggespielt, dem Swing ihre Referenz erwiesen und für das heutige Publikum zu einem unterhaltsamen Musikgenuss aufleben lassen.

north