Im Zeitraffer wurden am Freitagabend im Kaisersaal des Rathauses 750 Jahre Stadtgeschichte präsentiert. Der detailreiche und höchst unterhaltsame Auftritt von Autor und Schauspieler Markus Grimm begeisterte das Publikum, das anschließend noch ein weiteres Schmankerl geboten bekam: eine Kurzfassung des Meistertrunk-Festspiels auf dem Marktplatz.
Die ungewöhnliche Veranstaltungskombination war Bestandteil des Programms zum Reichsstadtjubiläum. Das Experiment funktionierte. Markus Grimm, der in Sommerhausen bei Würzburg lebt, hat zum Jubiläumsanlass auch schon ein Buch vorgelegt, in dem die Historie Rothenburgs humorvoll und mit Tiefgang skizziert wird. Dass Geschichtsschilderung aber noch einen Tick komprimierter geht, ohne dass es zwangsläufig ins Oberflächliche abdriften muss, bewies er am Freitagabend im Kaisersaal.
Drei Stühle, auf denen Grimm zwischendurch Platz nahm, waren die einzigen Requisiten. Ansonsten setzte er auf die Wirkung des Raumes, den er als allwissender Rothenburg-Geist eindrucksvoll bespielte. Die entscheidenden Kapitel der Stadtentwicklung, denen sich sein Vortrag widmete, machte er an wichtigen Persönlichkeiten fest, etwa an dem berühmten jüdischen Rabbiner Meïr ben Baruch, der im 13. Jahrhundert lange in Rothenburg gelehrt und gewirkt hatte, und zwar laut Grimm im Bemühen, „den Kosmos zu reparieren“, also ein bisschen Ordnung in die zu allen Zeiten verrückt spielende Welt zu bringen.
Der nächste Jahrhundertsprung führte zu Heinrich Toppler, dem berühmten und steinreichen Rothenburger Bürgermeister, der sich im Spiel mit anderen Mächten im Reich verzockte und schließlich im Kerker elend zugrunde ging.
Weiter ging es über die Reformationszeit hinein in den Dreißigjährigen Krieg zu Feldherr Tilly, dessen Wirken in Bezug auf Rothenburg der verschmitzte Stadtgeist in zwei Versionen erzählte: einer halbwegs realistischen, aber dramaturgisch nicht besonders prickelnden, die Tilly die Stadt in einem Anflug von Milde und Vernunft verschonen lässt, ohne dass jemand vorher sehr viel Wein auf Ex trinken muss. Und eben jener, die vielleicht ein paar der Fantasie entsprungene Wendungen beinhaltet, aber mit ihrem Rebensaft-Finale eine richtig gute Geschichte ist.
Die Überleitung zum Historischen Festspiel war geschafft. Das Geschehen verlagerte sich nach draußen. Der Lose Haufen und der Spielmannszug schmetterten zur Erbauung des Publikums Teile ihres Repertoires und die Meistertrunk-Riege zauberte einen überzeugenden Kurzauftritt auf die Bühne, ohne zu viel zu verraten.
Denn Nusch setzte den Humpen gleich wieder ab. Es folgte ein Hinweis in eigener Sache: Wer wissen wolle, ob die Leerung gelinge, dem sei ein Besuch der nächsten Komplettaufführung des Festspiels empfohlen.