Der Rettungsdienst in Stadt und Landkreis Ansbach wird deutlich ausgebaut. Der Grund dafür ist, dass die Sanitäter immer häufiger nicht schnell genug bei ihren Patienten sind.
Was „schnell genug“ bedeutet, ist im bayerischen Rettungsdienstgesetz geregelt: Innerhalb einer Hilfsfrist von zwölf Minuten soll der Rettungswagen sein Ziel erreichen – zumindest in 80 Prozent der Fälle.
Diese Vorgabe wird zwar im Versorgungsbereich in und um die Stadt Ansbach mit 84,5 Prozent erreicht, im restlichen Landkreis aber nicht mehr. Dies zeigte die aktuelle Trend- und Strukturanalyse des Rettungsdienstes (Trust IV) durch das Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement (INM) am Klinikum der Universität München. Der Erreichungsgrad liegt zwischen 74,9 Prozent in Bechhofen und 77,9 Prozent in Rothenburg. Die Versorgungsbereiche Feuchtwangen, Dinkelsbühl, Geilsheim und Neuendettelsau liegen dazwischen.
Grundlage für das Bedarfsgutachten war das Einsatzgeschehen im Jahr 2023, erläuterte Thomas Müller, Geschäftsführer des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF), bei einer Verbandsversammlung in Ansbach.
Die Ursache für die negative Entwicklung sind vor allem gestiegene Einsatzzahlen. Das Wachstum betrug von 2018 bis 2023 etwa 30 Prozent. Dazu kommen Veränderungen in der Kliniklandschaft. Die Rettungswagen steuern häufiger weiter entfernt gelegene Krankenhäuser an und sind daher zeitlich länger gebunden. Positiv wurde gewertet, dass die Rettungswagen seltener als früher für Krankentransporte gebraucht werden.
Um den Missstand zu beseitigen, wird im Trust-Gutachten ein starker Ausbau der Rettungsdienst-Standorte vorgeschlagen. Die ZRF-Verbandsversammlung stimmte allen Vorschlägen aus dem Gutachten zu und strebt dazu das Einvernehmen mit den Krankenkassen an, die am Ende zahlen müssen.
Die Rettungswache Ansbach ist die einzige im Verbandsgebiet, in der rund um die Uhr zwei Rettungswagen einsatzbereit sind. Nun soll ein drittes Rettungsfahrzeug dazukommen. Einer der beiden 24-Stunden-Rettungswagen wird an einen Standort im Stadtteil Eyb verlagert, sodass dort eine weitere Rettungswache entsteht. Das neue Rettungsfahrzeug wird am bisherigen Standort in der Henri-Dunant-Straße zusätzlich stationiert und steht von 8 bis 24 Uhr zur Verfügung.
Zur Entlastung der Rettungswache Rothenburg ist geplant, den Stellplatz in Oberdachstetten zu einer rund um die Uhr besetzten Rettungswache mit eigenem Versorgungsbereich aufzuwerten. Das Gleiche gilt für den Stellplatz in Wörnitz, sodass der Versorgungsbereich Rothenburg deutlich kleiner wird.
Vom Ausbau in Wörnitz profitiert auch die Wache in Feuchtwangen. Zusätzlich soll ein neuer Stellplatz in Schopfloch mit günstiger Anbindung an die B25 errichtet werden. Der neue Stellplatz soll an allen Tagen von 8 bis 20 Uhr besetzt sein.
Relativ häufig (13,5 Prozent der Einsätze) ist der in Dinkelsbühl stationierte Rettungswagen im Nachbarland Baden-Württemberg unterwegs. Er soll durch die Stellplätze in Wörnitz und neu in Ehingen entlastet werden.
Von Vorteil ist der zusätzliche Standort Ehingen (täglich 8 bis 20 Uhr) auch für die Rettungswachen in Bechhofen und Geilsheim. Letztere profitiert darüber hinaus von Verbesserungen im Versorgungsbereich Gunzenhausen.
Der bisherige Stellplatz in Neunstetten wird zur immer besetzten Rettungswache mit eigenem Versorgungsbereich ausgebaut. Der Stellplatz in Wolframs-Eschenbach bekommt 42 Wochenstunden mehr und ist künftig an allen Tagen von 6 bis 24 Uhr einsatzbereit.
In Neuendettelsau ist seit der letzten Untersuchung 2017 die Einsatzdauer um über 50 Prozent gestiegen. Kein Wunder, denn seit dem vergangenen Jahr ist die Klinik Neuendettelsau geschlossen. Für Verbesserung soll nun ein neuer Stellplatz in Bruckberg sorgen, der im Bereich der Diakoneo Werkstatt für Menschen mit Behinderung liegen könnte.
Insgesamt wächst die Zahl der Rettungswachen im ZRF-Gebiet – also einschließlich des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim – von zwölf auf 16. Statt bisher 13 sind künftig 16 Rettungswagen rund um die Uhr im Einsatz. Die Gesamt-Vorhaltestunden für die Rettungsfahrzeuge steigen um über 30 Prozent von 2602 auf 3402. In geringerem Umfang werden außerdem die Kapazitäten für Krankentransporte erweitert.
Wie viele zusätzliche Rettungssanitäter gebraucht werden, um das erweiterte Angebot zu ermöglichen, konnte ZRF-Geschäftsführer Müller noch nicht beziffern. Die Personalgewinnung sei dann Aufgabe der Organisationen, die die Standorte betreiben.