Zehn vorbildlich renovierte Denkmäler in den Landkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Ansbach sowie in der Stadt Ansbach hat der Bezirk Mittelfranken in diesem Jahr ausgezeichnet. Die FLZ stellte sie in loser Folge vor.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen in vielen Städten Deutschlands Wasserhäuschen und Trinkhallen auf, die mit Kohlensäure versetztes Wasser verkauften. In Anlehnung an die zeittypische Gartenarchitektur wurden die frei stehenden Häuschen oft als kleine (Konsum-)Tempel gestaltet.
Als ein solcher Mineralwasser-Kiosk war um 1850 der kleine Oktogonalbau an der Promenade in Ansbach entstanden, erläutert Anke Schlecht vom Bezirk Mittelfranken in ihrer Laudatio. Mit seinen ornamentierten Rundbögen, die auf schlanken Säulen sitzen, wirke der Holzpavillon, als sei er direkt aus einem Park an den Boulevard versetzt worden.
Besitzerabhängig und in Orientierung an die Bedürfnisse seiner Kundschaft änderte der Pavillon mehrfach sein Sortiment: von 1951 bis 1988 diente er als Zeitungskiosk, später war er nach einer Renovierungsphase als Dönerimbiss in Betrieb.
Im Kontext der Neugestaltung der Promenade erwarb die Stadt Ansbach 2010 das Bauwerk, das zunächst abgebaut und zwischengelagert wurde. Erst während der Vorbereitung für seinen Wiederaufbau offenbarte sich seine völlig vermorschte Holzkonstruktion, die eigentlich für eine dauerhafte Aufstellung im Freien überhaupt nicht geeignet gewesen war.
In Zusammenarbeit mit einer regionalen Schreinerei und in Abstimmung mit den Behörden ließ die Stadt den Holzpavillon instand setzen. Das flache Zeltdach musste komplett erneuert werden und wird jetzt mit einer Kupferverblechung nachhaltig geschützt. Die nicht mehr zu rettenden Holzelemente hat man unter Beibehalt der historischen Profilformen neu gefertigt. Ebenso detailgetreu ergänzt sind die fehlenden Teile des Gitterwerks.
Seine Fassung erhielt der Pavillon in der dritten von acht nachweisbaren Farbschichten mit Leinölfarbe. Am neuen, leicht veränderten Standort sorgt nun ein festes Betonfundament für mehr Standfestigkeit, eine Drainage leitet zudem das Wasser ab, um den aufwendig restaurierten Pavillon nicht gleich wieder zu gefährden.
Mit der Wiederinbetriebnahme des Pavillons als Café sei zunächst ein „zentrales Stück Kulturgeschichte im Kleinformat fortgeschrieben“ worden, schreibt Anke Schlecht in ihrer Würdigung des Projekts. Denn es seien die „kleinen Dinge im Stadtraum, die diesen so unverwechselbar und lebenswert machen – und in Ansbach gehört der Pavillon einfach schon immer dazu“.
Inzwischen allerdings ist das Café im Pavillon schon seit einiger Zeit wieder geschlossen. Außerdem hat das Bauwerk es wegen der hohen Kosten der Sanierung in das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler geschafft. Auf diese zweifelhafte Ehre weist eine zweite Plakette hin, die in gleicher Größe am Pavillon direkt neben der Auszeichnung des Bezirks Mittelfranken angebracht ist.