Der Neustädter Horst Frank hat seit 20 Jahren eine neue Heimat: Transsilvanien | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.07.2025 14:32

Der Neustädter Horst Frank hat seit 20 Jahren eine neue Heimat: Transsilvanien

Stolz präsentiert Horst Frank sein Nummernschild in Rumänien, bei welchem er aus Heimatverbundenheit das KFZ-Kürzel von Neustadt übernommen hat. (Foto: privat)
Stolz präsentiert Horst Frank sein Nummernschild in Rumänien, bei welchem er aus Heimatverbundenheit das KFZ-Kürzel von Neustadt übernommen hat. (Foto: privat)
Stolz präsentiert Horst Frank sein Nummernschild in Rumänien, bei welchem er aus Heimatverbundenheit das KFZ-Kürzel von Neustadt übernommen hat. (Foto: privat)

Seit 20 Jahren wohnt Horst Frank im rumänischen Neumarkt am Mieresch. Für das Heimatfest kehrte er nach Neustadt zurück und berichtete über sein außergewöhnliches Sprachwissen, seine IT-Vergangenheit und die Unterschiede zwischen Deutschland und Rumänien.

Horst Frank ist in jungen Jahren mit seiner Familie nach Neustadt gezogen. Geboren wurde er in Ammerndorf. Von 1953 bis 1995 hat er dann zuerst in Riedfeld, dann in der Kirchgasse, in der Nürnberger Straße und abschließend im Heckerwaldweg beim Buchberg gewohnt

In diesen Jahren hat er das Gymnasium mit Oberrealschule Neustadt (das heutige Friedrich-Alexander-Gymnasium) besucht und anschließend unter anderem bei „Quelle” in der Fürther Straße in Nürnberg sein Geld verdient. „Dort habe ich in der Datenverarbeitung, der heutigen IT gearbeitet”, so Frank. Mit seinen Kollegen hat er viele zukunftsweisende Technologien entwickelt.

2005 änderte sich das Leben komplett

Besonders erinnert er sich daran, dass er für sein Unternehmen 1988 auf einer großen Messe in London war. Dort stellte er einen Rechnerverbund zwischen London und Nürnberg vor, mit dem auf den Quellekatalog zugegriffen werden konnte. „Das war eine Weltneuheit, das war eine Sensation”, berichtet Frank stolz.

Von 1995 bis 2005 ging es dann erst einmal wieder nach Ammerndorf, bis sich 2005 Franks Leben komplett änderte. Zu diesem Zeitpunkt war seine erste Ehe geschieden und er lebte alleine. Jedoch war der stets computeraffine Frank zu diesem Zeitpunkt in einem Chatroom unterwegs. Dort traf er dann zufällig eine Frau mit dem Namen „Ilona”. Zuerst schrieben beide auf Französisch, bis Horst Frank sie fragte: „Ist dein Name nicht ungarisch?” Sie bejahte.

Dann sprach Frank sie auf Ungarisch an und die beiden verliebten sich anschließend ineinander, denn der ITler kann nicht nur Deutsch und Französisch, sondern auch Ungarisch. Darüber hinaus spricht er auch Spanisch, Italienisch, Tschechisch, Portugiesisch und Russisch. Auch Vietnamesisch, Hebräisch und Baskisch hat er unter anderem gelernt. „Sprachen haben mich seit der Kindheit interessiert, wenn ich was gehört habe, was ich nicht verstanden habe, war ich damit unzufrieden. Ich wollte die Leute verstehen”, so Frank. Dafür hat er außerdem um die 50 Länder – vor allem in Europa, Asien und Afrika – bereist.

Heiraten war schwieriger als gedacht

Das hat dazu geführt, dass er sich mit Ilona sehr gut unterhalten konnte. Sie gehört zur ungarischen Minderheit in Rumänien im Szeklerland in der Stadt Neumarkt am Mieresch, wie der deutsche Name der rumänischen Stadt lautet. Beide wollten heiraten, doch das erwies schwieriger als gedacht.

„Nachdem die Eheschließung zwischen einem Deutschen und einer Rumänin mit viel Bürokratie und erheblichen Kosten verbunden ist, kam es uns gelegen, dass nicht nur meine Frau, sondern auch ich aufgrund der väterlichen Herkunft und der ungarischen Sprachkenntnisse Anspruch auf die ungarische Staatsangehörigkeit hatten – und das, ohne jemals in Ungarn gewohnt zu haben”, sagt Frank. Das war also die Lösung: „Nachdem wir diese zusätzlich bekommen hatten, haben wir in Ungarn geheiratet. Interessant daran ist, dass unsere Ehe nicht gemischt-national ist, denn ich habe ja formal betrachtet als Ungar eine Ungarin geheiratet.”

Um bei Ilona Frank zu sein, ist er dann auch im Jahre 2005 zu ihr nach Rumänien gezogen. Er hat sein Auto voll gepackt und ist einfach losgefahren. Dort gründete er kurz darauf eine IT-Firma, die Software für Pflegeheime in Deutschland herstellte. Diese betrieb er bis 2018 – und nun ist er im Ruhestand. Das heißt aber nicht, dass Frank „ruht”. Er betreibt einen eigenen Server, auf dem er viele Daten speichert.

Ein eigenes Sprachmuseum

Auf diesem hat er unter anderem Grammatiken und Informationen über 512 Sprachen gesammelt. „Alle gängigen sind mit dabei und noch ein paar hundert mehr”, berichtet er. Auch Informationen über indigene Sprachen, die kaum ein Mensch jemals gehört hat, werden dort gespeichert. Es ist sozusagen sein eigenes Sprachmuseum.

Damit dieses nicht alleine ist, hat er noch weitere 15.000 Bücher dort gesichert. „Diese befassen sich nicht nur mit Sprachen, sondern auch mit Mathematik, Psychologie, Medizin – mit allem, was mich irgendwie interessiert. Außer Fußball, wenn sie das abschaffen würden, würde ich es gar nicht mitbekommen”, scherzt Frank. Darüber hinaus schreibt er auch selbst Lyrik und veröffentlicht diese in Anthologien.

Mit all diesen Sachen befasst sich Horst Frank in Rumänien, an das er sich schon gewöhnt hat, auch wenn es kleine Unterschiede gibt. Besonders der Straßenverkehr hat andere Regeln. Viele Fahrer schauen oft aufs Handy, auch wenn das in Rumänien natürlich verboten ist. „Ich sage immer: Wer in Rumänien Auto fährt und das Handy nicht benutzt, der muss mit empfindlichen Strafen rechnen”, scherzt Frank.

Keine Standardantwort auf die Frage nach Heimat

Doch jedes Jahr macht er sich auf und fährt von Rumänien, an den Karpaten vorbei, über Ungarn und Österreich nach Deutschland, um alte Freunde, seine Familie und Enkel zu besuchen oder Familie und Enkeln aus Rumänien Franken zu zeigen.

„Ich habe oft darüber nachgedacht, was eigentlich meine Heimat ist, aber darauf gibt es keine Standardantwort. Neustadt in einem gewissen Sinn, ja, wenn mich jemand fragt, dann sage ich, ich bin aus Neustadt. Aber es zieht mich auch nach Rumänien, weil ich dort gut und sehr harmonisch mit meiner Frau lebe. Das ist in gewissem Sinn auch zur Heimat geworden. Das würde ich sehr vermissen. Es ist ein Nomaden-Dasein. Ich bin gerne hier und gerne dort”, so Frank. Auch deswegen blieb er nach dem Heimatfest noch ein paar Tage länger in Neustadt.


Von Valentin Brendler
Werkstudent
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