Der neue „Geheimnis“-Wanderweg führt von Wilhermsdorf nach Langenzenn | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.04.2025 10:13

Der neue „Geheimnis“-Wanderweg führt von Wilhermsdorf nach Langenzenn

Hier: im Vordergrund der „Laubendorfer Ruhstein”, der über dem Altbuchbach liegt; im Hintergrund die Teilnehmenden der „Inbetriebnahme” des Hörerlebniswegs. (Foto: Heinz Wraneschitz)
Hier: im Vordergrund der „Laubendorfer Ruhstein”, der über dem Altbuchbach liegt; im Hintergrund die Teilnehmenden der „Inbetriebnahme” des Hörerlebniswegs. (Foto: Heinz Wraneschitz)
Hier: im Vordergrund der „Laubendorfer Ruhstein”, der über dem Altbuchbach liegt; im Hintergrund die Teilnehmenden der „Inbetriebnahme” des Hörerlebniswegs. (Foto: Heinz Wraneschitz)

Sie wissen nicht, was ein Ruhstein ist? Oder besser: Was das einst war? Das „Hörerlebnis Geheimnis der Steine“ klärt auf: „Ein symbolischer Ort des Übergangs, ein Grenzzeichen. Er steht für eine Grenze zwischen Erdenleben und der geistlichen Welt. An den Ruhsteinen wurde den Toten die letzte Ehre erwiesen. Sie waren einst wichtige Stationen auf dem letzten Weg“ – nämlich den der Verstorbenen zur Grabstätte.

Wenn Sie sich auf den „Geheimnis“-Wanderweg vom Wilhermsdorfer Bahnhof Mitte zum Bahnhof Langenzenn machen und auf das „Hörerlebnis Geheimnis der Steine“ einlassen, erfahren Sie aber nicht nur jenes vom Ruhstein. Denn dort geht es vor allem um das älteste kommunale Ehrenamt in Bayern. Die Tourist Info im Landratsamt verspricht, man könne ab sofort „in die faszinierende Welt der Siebener, der Hüter der Grenzen eintauchen“.

Elf Stationen auf 15 Kilometern Wegstrecke

„Der Hörerlebnisweg ist in dieser Form eine Einzigartigkeit. Er gehört bei uns schon zu den Top-Ausflugszielen im Romantischen Franken“, erklärte, kam von Regina Bremm vom gleichnamigen Tourismusverband gleich zum offiziellen Start. Der Verband wolle in der Region vom Landkreis Fürth bis ins Hohenlohische „Sehenswertes an die Menschen herantragen. Ich hoffe, dass viele den Weg nutzen und unterhalten werden.“

De vom Landkreis Fürth und Partnern entwickelte, sogenannte „Audioguide-Wanderung“ will die in Franken „Siebener“ genannten Feldgeschworenen, aber auch „viele kleine, steinerne Themen“ quasi beiläufig „sichtbar machen“. An jeder der elf Stationen, über insgesamt 15 km Wegstrecke verteilt, wird eine örtliche Besonderheit erklärt. So wie eben an Nr. 6 jener Ruhstein.

Multimedial aufgebaut

Den gibt es hier wirklich zu sehen, anzufassen, zum selber drüberlaufen. Wobei ihn wohl kaum jemand als Ruhstein wahrnimmt. Denn er bietet ganz unscheinbar die Möglichkeit, kurz hinter dem Feuerwehrhaus Laubendorf trockenen Fußes den Altbuchbach zu überqueren. Und genau hier liegt der Reiz der Hörerlebnis-Wanderung. Denn die ist tatsächlich multimedial aufgebaut.

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Ja, es gibt ein Flugblättchen mit den wesentlichen Fakten wie Streckenlänge und Gehzeit, den ÖPNV-Anbindungen an Start bzw. Ziel in Wilhermsdorf und Langenzenn sowie in Laubendorf, von wo man die Strecke in zwei Etappen einteilen kann. Aber die wohl wichtigste Information am Flyer ist ein QR-Code: Darüber gibt’s „mehr Infos, GPS-Daten und die Hörstationen“ – und zwar direkt aufs Handy. Die QR-Codes finden sich aber auch längs des Weges, immer in der Nähe der einzelnen Stationen.

Podcasts für die jüngere Generation

Auslöser für die Entwicklung des multimedialen Wanderweges war augenscheinlich die in Langenzenn bereits seit Jahren deutlich sicht- und erlebbare Feldgeschworenen-Geschichte: Ein Siebener-Radweg sowie ein -Fußweg rund um die Zennstadt, nicht zuletzt aber der Siebenerplatz bei Horbach sind beliebte Ziele für meist ältere Menschen. Auf Schildern wird die Geschichte der Siebener und der Sinn der einzelnen Grenzsteine erklärt.

Nun aber sollen über GPS und kurze Podcasts insbesondere auch jüngere Generationen mit der Geschichte des „ältesten kommunalen Ehrenamts Bayerns, den Siebenern“ vertraut gemacht werden. Denn wie Fürths Landrat Bernd Obst (CSU) bei der Vorstellung des Steingeheimnis-Weges dieser Tage direkt am besagten Ruhstein zugab: „Viele können heute mit dem Begriff Siebener nichts mehr anfangen. Dabei sind sie das Backup des Vermessungsamts.“

Zwar ist sich Hans Satzinger aus Vinzenzenbronn, der Fürther Siebener-Kreisobmann Landkreis Fürth sicher: „In der Bevölkerung genießen wir bis heute viel Ansehen.“ So wird an Station 3 auf Wilhermsdorfer Gebiet von einer Begebenheit aus dem Jahr 1426 erzählt, nämlich der „Strittigkeit einer Wässerung“. Den Streit vierer Männer, welches Feld als erstes mit dem Wasser der Zenn bewässert werden durfte, beendeten sieben Feldgeschworene. Die waren damals ehrenamtliche Friedensrichter, Vertrauensleute und ortskundige Respektspersonen; ihr Urteil wurde von der Bevölkerung akzeptiert. Dank dieser Begebenheit kann das Feldgeschworenenwesen 2026 auf 600 Jahre Geschichte zurückblicken. Seit einigen Jahren gehört es zum immateriellen Kulturerbe.

Nicht überall ist Internet verfügbar

„Früher waren es nur Landwirte, die das Geheimnis auf die nächste Generation übertragen haben, heute sind auch viele andere bei dieser körperlich anstrengenden Arbeit dabei“, so Satzinger. Und Landrat Obst ergänzte, aktuell würden 24.000 Männer und Frauen in Bayern, davon 65% in Franken, „das sagenumwobene Siebenergeheimnis mit in den Tod nehmen“.

Weil „nicht überall an der Strecke Internet verfügbar“ sei, empfahl Christina Engl vom Landratsamt Fürth, alle Wanderweg-Daten möglichst schon vor dem Loslaufen herunterzuladen. Dazu gehören nicht nur die von den GPS-Satelliten erzeugten GPX-Daten, sondern auch die Informationen zu den einzelnen Stein-Hörpunkten. Diese Infos wiederum gibt es jeweils in zwei Versionen: Die zum Hören haben Aktive der Langenzenner Sachs-Schauspieltruppe um Hans-Peter Seichter mit leicht fränkischem Zungenschlag eingesprochen. In der zweiten, der pdf-Leseversion fehlt das „Dialektische“ natürlich. Heinz Wraneschitz


Von Heinz Wraneschitz
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