Es war ein Ende, das zur aktuellen Lage bei der Bahn passt: Mit einer Viertelstunde Verspätung wegen eines Schadens am Zug hielt der letzte Intercity von Hamburg nach Freilassing in Steinach bei Rothenburg.
Einige Minuten später erreichte der Zug dann den Ansbacher Bahnhof, wo sich immerhin ein trauriger Bahn-Fan eingefunden hatte, um den letzten IC südwärts per Foto und Video festzuhalten. „Königssee” heißt der Zug, der Jahrzehnte lang Urlauber aus dem Norden in die Berge gebracht hat, übrigens nur offiziell.
In Eisenbahnerkreisen wurde dieser Intercity gerne „Kukident-Express” genannt, weil vor allem ältere Menschen ihn nutzten, um ohne Umsteigen an ihren Urlaubsort zu fahren. Eigentlich wäre für die Reisezugwagen, die in ihrem Alter ihren Fahrgästen nur wenig nachstanden, erst zum Fahrplanwechsel im Dezember Schluss gewesen. Aber weil die Strecke zwischen Würzburg und Ansbach jetzt für ein größeres Bauprojekt teilweise für mehrere Wochen gesperrt wird, kam das Ende schon jetzt.
Der Lokführer hatte aus dem historischen Anlass ein Schild mit den Worten „Abschiedsfahrt IC 2083 Königssee” und dem Datum von Mittwoch hinter seine Windschutzscheibe geklebt. Etwas südlich von Ansbach begegnete er dann seinem Kollegen, der den Gegenzug in Richtung Hamburg steuerte – natürlich auch verspätet, wegen einer defekten Weiche.
Allerdings war dieser Zug – anders als lange im Internet angekündigt – dann doch nicht der finale Intercity nach Norden. Aus unbekannten Gründen entschied sich die Bahn spontan, den Kukident-Express nach Hamburg am Donnerstag ein allerletztes Mal in Ansbach und Steinach halten zu lassen.
Zu den Verlierern bei dieser Streichung gehört die Stadt Rothenburg, die ihren Fernzug-Anschluss über das nahegelegene Steinach verloren hat. Für Touristen waren die Intercitys die komfortabelste Möglichkeit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln die berühmten Sehenswürdigkeiten zu erreichen.
Fahrgäste auf der Nord-Süd-Route müssen in den nächsten Wochen insgesamt auf Ersatzbusse ausweichen. Der Ärger über die späte und wechselhafte Informationspolitik der Bahn ist bei den Kunden groß. Noch wenige Tage vor der Sperrung gab es im Internet keine Angaben.
Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die Route noch einige Tage länger befahrbar wäre, weil die Bauarbeiten verschoben wurden. Ursache dafür war eine andere Baustelle der Bahn, wegen der Züge umgeleitet werden müssen. Warum die Bahn von ihrer anderen Baustelle erst derart spät erfahren hat, blieb in den Mitteilungen des Unternehmens offen.
Verärgert über das Verhalten der Bahn, insbesondere ihres Tochterunternehmens InfraGo, ist auch der Zugbetreiber Arverio, der den Regionalexpress von Würzburg nach München quer durch Westmittelfranken betreibt. Arverio konnte so schnell die Dienstpläne nicht mehr umstellen.