Die Entscheidung, nach 24 Bürgermeister-Jahren nicht mehr anzutreten, sei ihm nicht leicht gefallen, sagt Johannes Schneider. Er traf sie nach eigenem Bekunden während seines letzten USA-Aufenthalts in den Wäldern West-Virginias, als viel Zeit zum Nachdenken war, und bereut sie nicht: „Ich gehe mit einem guten Gefühl”, so der 64-Jährige.
„Ich bin in einem Alter, wo man vielleicht das Leben noch ein bisschen genießen darf“, sagt Schneider. Das sei ihm damals im Herbst 2025 klar geworden. Ein Vierteljahrhundert habe er bedingt durch das Amt „die Familie vernachlässigt”, auch seine Hobbys, für die nun wieder mehr Zeit sein werde, darunter das Reisen und die Jagd.
Es sei nicht ausgeschlossen, dass er aufgrund seiner reichen Berufserfahrung auch in Zukunft noch ehemaligen Kunden hin und wieder beratend zur Seite stehen werde, deutet Schneider an. Außerdem würde sich ein Kreis von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, die sich intensiv mit dem Thema Energiewende befasst, über seine Mitarbeit freuen.
Als Vorsitzender der Jägervereinigung Rothenburg habe er ohnehin ein wichtiges Ehrenamt, das ihm viel Freude bereite. „Es wird jedenfalls nicht langweilig im Ruhestand.“ Und schließlich trage er als Mitglied des Kreistages weiterhin Verantwortung für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Ansbach.
Besonders dankbar ist Johannes Schneider für das gute Einvernehmen mit dem Gemeinderat und mit seinem Nachfolger Kristof Matthes. Alle wichtigen Themen seien im Gemeinderat vertrauensvoll besprochen und entschieden worden. Die letzte große Maßnahme, die entscheidungsreif gewesen sei, war der Beschluss des Kanalneubaus für den Ortsteil Neustett.
Die Frage der kommunalen Zusammenarbeit für die Kindergärten in Adelshofen, Oberscheckenbach und Steinsfeld konnte leider noch nicht gelöst werden. In Adelshofen führe der ungünstige Personalschlüssel von eins zu sieben jedenfalls dazu, dass die Gemeinde den ungedeckten Aufwand ausgleichen müsse.
Es sei im Interesse aller Kindergärten, für die Zukunft ein gut funktionierendes Kooperationsmodell zu finden, sagt Schneider. Dass dem scheidenden Bürgermeister die Kinder besonders am Herzen liegen, ist auch während des Gesprächs unüberhörbar, denn in unmittelbarer Nähe toben sich gerade die Kleinen vom Kindergarten aus. Sie sind aus dem Erdgeschoss in den ersten Stock gekommen, weil der Rathauschef ihnen erlaubt hat, den Sitzungssaal als Bewegungsraum zu nutzen.
Ein großes Vorbild für ihn als Bürgermeister sei sein erst kürzlich verstorbener Vater Hermann Schneider gewesen, der viele Jahre als Bürgermeister die Gemeinde Adelshofen geprägt habe, sagt der 64-Jährige: „Ich habe viel von ihm mitbekommen – ohne große Worte, aber sehr klar. Er war für mich nie ein Kritiker und hat sich vom ersten Tag an aus allem rausgehalten.“
Im ersten Jahr seines Ruhestandes werde er sich vor allem mit der Sichtung des Nachlasses seines Vaters befassen müssen, berichtet Schneider. „Er hatte Tausende von Büchern, und ich kann mich nicht so einfach von allem trennen.“ Die Beziehungen zu seinen Freunden in den USA werde er auf jeden Fall weiterhin intensiv pflegen. „Ich werde sie regelmäßig besuchen und gehe dort gerne auf die Jagd.
„In den Appalachen, einem Gebirgszug in West-Virgina, befindet man sich in einer anderen Welt, wo man komplett abschalten kann“, erzählt Schneider. Ein weiterer Freund lebt mit seiner Familie im Bundesstaat Tennessee und bewirtschaftet dort 60 bis 70 Hektar Wald. Als Jäger betreut Schneider zusammen mit seinem Jagdkollegen Kristof Matthes in der Region ein Revier mit rund 2000 Hektar.
Am Dienstag, 21. April, wird der 64-Jährige seine letzte Ratssitzung leiten, bevor am Donnerstag, 30. April, seine Amtszeit als Gemeindeoberhaupt endet. „Ich habe keine Ahnung, ob oder in welcher Form an eine offizielle Verabschiedung für mich gedacht ist“, schmunzelt er.
Mit Blick auf die vergangenen 24 Jahre sagt Johannes Schneider: „Die wenigen schwierigen Dinge bleiben oft stärker hängen als die vielen guten, die im Alltag einfach laufen. In der Kommunalpolitik wird man nie fertig. Wenn ein Thema erledigt ist, kommt das nächste.“
Was ihn in den letzten Jahren seiner Amtszeit besonders beschäftigt habe, seien der rauer gewordene Umgangston, die zugespitzte Wortwahl und die voreilige Infragestellung der Vertrauenswürdigkeit. Aber gerade eine Demokratie lebe doch eigentlich davon, „dass man Vertrauen hat – in die Verfahren und in die Menschen, die Verantwortung übernehmen.“
Oft sei zu hören, dass Menschen mit dem Rückzug aus dem Arbeitsleben Gedanken und Ängste vor Einsamkeit, innerer Leere oder Identitätsverlust verbänden. „Das wird mir definitiv nicht passieren“, sagt er: „Ich gehe mit Dankbarkeit und einem guten Gefühl und wünsche meinem Nachfolger für diese verantwortungsvolle Aufgabe alles Gute und eine glückliche Hand.“