Der Kartoffel droht in unserer Region das Ende | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.03.2023 17:40

Der Kartoffel droht in unserer Region das Ende

Die Kartoffelfelder litten im vergangenen Jahr extrem unter den fehlenden Niederschlägen von Juni bis August. (Archivfoto: AELF/Jürgen Hufnagel)
Die Kartoffelfelder litten im vergangenen Jahr extrem unter den fehlenden Niederschlägen von Juni bis August. (Archivfoto: AELF/Jürgen Hufnagel)
Die Kartoffelfelder litten im vergangenen Jahr extrem unter den fehlenden Niederschlägen von Juni bis August. (Archivfoto: AELF/Jürgen Hufnagel)

Die Kartoffelanbauer blicken auf das wohl schlechteste Anbaujahr aller Zeiten zurück. Sollten weitere Missernten im fränkischen Trockengebiet folgen, dann stehe der gesamte Kartoffelanbau in Frage, hieß es bei der Jahresversammlung des Erzeugerrings für Qualitätskartoffeln Mittelfranken und der Erzeugergemeinschaft Roth.

Der EG-Vorsitzende Herbert Hechtel berichtete laut einer Pressemitteilung der Anbauverbände, dass bis zum Beginn der Hitze- und Trockenphase Anfang Juni die Bestände noch sehr gut entwickelt gewesen seien.

Der Ertrag schwankte stark

Die folgenden Rekordtemperaturen und die bis Mitte August anhaltende Trockenheit hätten viele Kartoffelpflanzen nicht überstanden. Die Folge seien „historisch niedrige Erträge bei schlechten Sortierungen“ gewesen.

Bei der Vorernte-Rundfahrt der EG mit dem Vertragspartner, der Firma Henglein aus Wassermungenau, ergab sich bei Proberodungen ein „miserabler Durchschnittsertrag“ von nur etwa 120 Doppelzentner pro Hektar (dt/ha). Dies sei nur ein Drittel des langjährigen Mittelwerts von 350 dt/ha. Die Einzelerträge schwankten stark, je nach Schlag oder Sorte zwischen 20 und 400 dt/ha. Bei einigen Beständen habe zur Diskussion gestanden, ob sich die Ernte überhaupt lohnt. Ein großes Problem seien für die Landwirte zudem die stark gestiegenen Betriebskosten vor allem für Diesel, Dünger und Energie.

Die günstigen Rodebedingungen und die kleinen Sortierungen führten zu guten Ergebnissen bei der neutralen Qualitätskontrolle, berichtete der Erzeugerringgeschäftsführer Jürgen Reingruber.

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Im Durchschnitt aller mittelfränkischen Anlieferungen lagen die Gesamtmängel bei gerade mal 3,9 Prozent und somit deutlich unter dem Ergebnis des Vorjahres von 6,3 Prozent. Bei den Einzelmängeln stachen aber die faulen Knollen mit dem sehr hohen Durchschnittswert von 0,9 Prozent heraus.

Niederschläge ab Ende August führten zu starkem Wiederaustrieb, Kindelbildung und somit auch zu Glasigkeit, niedrigen Stärkegehalten und Haltbarkeitsproblemen infolge von Fäulnis.

Verstärkt zeigten dies die späteren Sorten. In Verbindung mit den sehr kleinen Sortierungen waren einige Partien nicht lagerfähig und mussten bereits im Herbst verwertet werden.

Marcus Helminger, Betriebsleiter der Firma Henglein, sagte, trotz höherer Kosten seien Preiserhöhungen beim Lebensmitteleinzelhandel „sehr schwer durchzusetzen“, konnten dann aber in der zweiten Jahreshälfte nach und nach realisiert werden. Helminger gab zudem einen Einblick in das weiterhin schwierige Marktumfeld für Kartoffelfrischprodukte. Der Umsatz beim Hauptprodukt Kloßteig sei seit Jahren rückläufig und könne nur teilweise durch andere Kartoffelprodukte wie Schupfnudeln oder Gnocchi ausgeglichen werden.

Fehlende Mengen werden zugekauft

Die Firma Henglein möchte weiterhin möglichst viele Kartoffeln aus der Region verarbeiten. Fehlende Kartoffeln infolge der mittelfränkischen Missernte, müssen aber mit überregionalen Zukäufen ausgeglichen werden.

Mit der Erzeugergemeinschaft Roth wurde ein neuer Vertrag ab der Ernte 2024 ausgehandelt, der deutliche Preiszuschläge gegenüber den bisherigen Konditionen enthält. Für den noch laufenden Vertrag zur Ernte 2023 wurde auch ein Preisaufschlag vereinbart, der die gestiegenen Kosten der Landwirte ausgleichen soll.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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