Nicht jeder in und um Rüdisbronn kennt Grischka Kohn. Aber alle kennen seine Figuren. Seine Kaiserin Kunigunde thront über dem Bad Windsheimer Teilort, für die jüngste Osingverlosung hat er sich mit einer Fotobox verewigt und nicht zuletzt hölzerne Tiere für einen Kinderwanderweg mit 13 Stationen geschaffen. Alles kommt gut an, wie die Dorfbewohner sagen.
„Sind Sie aus...“ „...Franken? Nein“, vervollständigt der 43-Jährige die schon oft an ihn gerichtete Frage. Grischka Kohn ist gebürtig aus Wuppertal. Sein Vornamen ist allerdings auch im Ruhrpott nicht geläufig – seine Eltern fanden ihn halt schön. Er lernte den Beruf des Zimmerers und ging viereinhalb Jahre auf Wanderschaft. In der letzten Station, dem Hausenhof, lernte er Regina Meier kennen. 29 war er damals. Vor elf Jahren bezogen die beiden den Hof in Rüdisbronn. Das Paar hat zwei Kinder; einige Tiere – Hunde, Katzen, Pferde – sind in das Familienleben integriert.
Gerne denkt Grischka Kohn an seine Wanderzeit zurück, die ihn bis nach Fernost geführt hat. „Es geht darum, das Handwerk zu erlernen, die Vielfältigkeit und die Verantwortung zu tragen“, erzählt er. Als ausgelernter Geselle hatte er schon vieles gemacht und es sollte immer mehr werden. Heute hat er eine feste Beschäftigung in Emskirchen. Der Job macht ihm Spaß, aber aus der Berufung folgte noch ein Hobby: das Herstellen von Figuren aus Holz.
Das begann vor acht Jahren, als ihm seine Frau einen Kettensägen-Lehrgang schenkte. Grischka Kohn fand Gefallen daran, aus einem Stück Holz (meist erhielt er Stümpfe aus Pappeln zur Bearbeitung) die Form grob herauszusägen und dann mit Feinwerkzeug einen Menschen oder ein Tier zu schaffen. Adler oder Eule war die erste Entscheidung – Kohn entschied sich für den Adler.
Unbefangen geht der heutige Zimmerermeister ans Werk. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass es Brennholz wird“, meinte er. Es ist ja sein Hobby und Geld verdienen will er auch nicht. Er macht etwas für die Öffentlichkeit, wenn ihm das Projekt gefällt – aber keine Routine-Auftragsarbeiten und auf keinen Fall unter Druck. Zeit und Lust auf ein Projekt will er haben.
Man kennt sich im Osingdorf Rüdisbronn und tauscht sich im Wesentlichen über den Verein „Heimatpflege“, eine im Rahmen der Feuerwehr bestehenden Vereinigung, aus. Schöne Aussichtspunkte, Wälder und weite Landschaften gibt es hier. So schuf Grischka Kohn prompt auch eine Kaiserin Kunigunde und Mitte 2023 entstand dann der 1,5 Kilometer lange Kinderwanderweg, ein Eler-Projekt (Entwicklung des ländlichen Raumes), das vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstützt wurde. Der Weg beinhaltet etliche lehrreichen Tafeln sowie Kohns Figuren: Neben Eichelhäher und Buntspecht sind es Wildschwein, Reh, Fuchs, Hasen, Dachs, Maus, Kröte, Fledermaus und einige mehr. Auch auf seinem Hof sind einige Besonderheiten aus Holz zu finden: ein Wanderergeselle in Lebensgröße, ein Wolf, der in eine Bank integriert ist, eine Pferdefigur.
Etwas im Auftrag oder gar unter Druck will er nicht machen. Wo bliebe da die Freude? Das nächste Projekt ist die in die Jahre gekommene Kunigunde. Diese will er aus Eichenholz noch einmal sägen – ganz anders, als die bestehende, die er vor fünf Jahren gefertigt hatte.