Der langjährige Fachberater Feuerwehrseelsorge Gerhard Werner aus Weihenzell wurde nun offiziell aus diesem Ehrenamt verabschiedet. „Sie sind vielen Einsatzkräften beigestanden und haben sie dabei unterstützt, traumatische Ereignisse zu verarbeiten. Dafür gebührt Ihnen allerhöchster Dank und Anerkennung“, sagte Landrat Dr. Jürgen Ludwig bei der offiziellen Verabschiedung zu dem erfahrenen Feuerwehrmann. Kreisbrandrat Thomas Müller unterstrich die Bedeutung des Fachbereichs Seelsorge, der einen starken Wandel erfahren habe. „Gerhard Werner hat hier Pionierarbeit geleistet, die wir sehr gut weiterführen können.“
Doch wer ist Gerhard Werner? Und was waren überhaupt seine Aufgaben? Das hat die FLZ bereits im Dezember herausgefunden.
Einsatzkräfte der Feuerwehr müssen nicht selten tragische Unfallbilder verarbeiten und Angehörigen die Nachricht eines Verstorbenen überbringen. Jahrelang war das Annehmen psychologischer Hilfe aber ein Tabuthema. Seelsorger Gerhard Werner wollte das ändern – und hat es geschafft.
„Mein Motto ist, an Weihnachten für andere da zu sein“, blickt Gerhard Werner mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht auf die Festtage zurück. Ja, es ist nur ein leichtes Lächeln, das gleichzeitig auch ein bisschen traurig erscheint. Denn es geht um ein Thema, das wahrscheinlich fast jeder aus seinem Kopf verbannen möchte: den Tod.
Seit mittlerweile fast 25 Jahren macht es sich Gerhard Werner zur Aufgabe, Menschen zu begleiten, die mit dem Tod konfrontiert werden. Der 64-Jährige ist nicht nur ehrenamtlicher Feuerwehr-Seelsorger in Stadt und Landkreis Ansbach, sondern auch Gründer der „Aktion Blaulicht“ – eine Organisation, die Angehörige und Betroffene in Krisensituationen unterstützt.
„Eigentlich wollte ich früher immer Förster werden“, sagt Werner und lacht. Dann aber habe er sich für den Beruf des Seelsorgers und Theologen entschieden. Sein Studium schloss der 64-Jährige in Marburg ab, anschließend hat es ihn für mehrere Monate nach Thailand verschlagen, wo er in der Militärseelsorge tätig war.
Gerhard Werner wird mit dem Thema Tod 24 Stunden am Tag konfrontiert und verliert dennoch nicht seine eigene Lebensfreude. Sein Geheimrezept? „Ich versuche mich so gut es geht abzuschotten und daheim abzuschalten. Aber wenn es einen selbst betrifft, ist man ein Stück weit gelähmt“, antwortet der Hobbyjäger ehrlich. Für sich eine Grenze zu ziehen sei wichtig, vor allem als Fachberater der Feuerwehr-Seelsorge. Hier stehe die Betreuung von Einsatzkräften, die sich bei tödliche Unfällen in erster Reihe befinden, im Vordergrund. Dass es für Einsatzkräfte psychosoziale Notfallversorgung gibt, ist im Übrigen nicht schon immer so, aber enorm wichtig.
Gerhard Werner bietet Schulungen, entsprechende Einsatzbegleitung und Nachsorge an. Drei Säulen also, die die Basis der mentalen Gesundheit der Einsatzkräfte bilden sollen. „Diese Schwach-Stark-Schiene gibt es so nicht mehr“, sagt der ausgebildete Gärtner erleichtert und ist froh, dass sich in den vergangenen Jahren einiges geändert hat. „Früher hat sich niemand darum gekümmert, wie es den Einsatzkräften nach tragischen Vorfällen geht. Das wollte ich ändern.“
Das hat Gerhard Werner geschafft – und zwar mit seiner ganz eigenen Methode. In seiner Jackentasche trägt der 64-Jährige immer Gummibärchen bei sich. Warum? „So habe ich irgendwie den Draht zu den Einsatzkräften gefunden. Die Gummibärchen haben oft das Eis gebrochen“, erzählt Werner.
In der Stadt und im Landkreis Ansbach sei er mittlerweile auch als „Gummibärchen-Mann“ bekannt. Auch wenn der Seelsorger wisse, dass Gummibärchen nicht das ganze Leid nehmen, habe er das Gefühl, dass sie die Menschen wenigstens für kurze Zeit zum Schmunzeln bringen. Dass er irgendwann aber einmal als „Gummibärchen-Mann“ bekannt sein würde, hätte er nicht gedacht.
In diesem Jahr legt Gerhard Werner sein Ehrenamt als Feuerwehr-Seelsorger nieder – die Rente ruft. Dann wird Christine Wertmann die neue Feuerwehr-Seelsorgerin der Stadt Ansbach. Wer den Posten für den Landkreis Ansbach übernimmt, ist noch nicht vollständig geklärt.
Das Wichtigste für Werner: Er sehe, dass er in den vergangenen Jahren etwas bewegt habe. „Zu Beginn sind nur sehr wenige Einsatzkräfte auf mich zugekommen, um über belastende Vorfälle zu sprechen. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr. Das ist ein Zeichen, dass sie Vertrauen zu mir aufgebaut haben“, freut sich Werner.
Im neuen Jahr will der 64-Jährige ein Sabbatjahr einlegen. Sich neu orientieren, das sei sein Ziel für 2024. Der Theologe möchte wieder mehr Zeit im Wald verbringen, wandern gehen und Zeit mit seiner Familie genießen.
Er selbst habe in den vergangenen 25 Jahren einiges gelernt. Zum Beispiel: „Jeder Seelsorger braucht auch seinen eigenen Seelsorger“. Gerhard Werner erlebte in seiner Laufbahn als ehrenamtlicher Feuerwehr-Seelsorger einige herausfordernde Situationen, die er im Nachhinein aufarbeiten musste.
Wichtig sei nur, über seine Gefühle zu reden und die „Schwach-Stark-Schiene“ aufzubrechen. Dieses Ziel hatte Werner schon damals, als er mit seiner Arbeit als Seelsorger begann. Jetzt, knapp 25 Jahre später, kann er einen grünen Haken dahinter setzen und sich „guten Gewissens in den Ruhestand verabschieden.”