Uland Spahlinger ist jetzt offiziell im Ruhestand. Der letzte Dinkelsbühler Dekan wurde am Sonntag von Regionalbischöfin Gisela Bornowski entpflichtet. Als sichtbares Zeichen gab er sein Amtskreuz zurück.
Die Entpflichtungsurkunde verlas im Abschiedsgottesdienst der Senior des Pfarrkapitels des Dekanats Dinkelsbühl, Gunter Reese. Die Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach Bornowski zeichnete den Lebens- und Arbeitsweg des 66-Jährigen nach, der ihn von Münster in Westfalen über München, Papua Neuguinea und Odessa in der Ukraine nach Dinkelsbühl geführt hat.
Gott liebt die, die nicht zu allem Ja und Amen sagen.
„Wie können Mauern eingerissen, wie eine gemeinsame Sprache gefunden werden?“, sei stets Spahlingers Ansatz bei den Herausforderungen seines theologischen Wirkens gewesen. Er habe „Kirche im Sozialraum“ gestaltet und „Vieles und Viele verstehen gelernt“, stellte Bornowski fest. „Öffentliche Theologie ist ihm wichtig“, fügte sie an. Als Dinkelsbühler Dekan habe Uland Spahlinger seit 2014 „massive Strukturveränderungen“ begleitet.
Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer stellte die Bedeutung der Ökumene für die Stadt heraus. Spahlinger und der katholische Stadtpfarrer Joachim Pollithy hätten sich vor diesem Hintergrund gut ergänzt, so der OB. Und: „Dinkelsbühl war nach dem Westfälischen Frieden konfessionell nicht befriedet.“ Umso bemerkenswerter sei, dass Spahlinger und Pollithy die Ökumene „praktisch ausgelegt“ hätten, wodurch die „jahrhundertelangen Spannungen“ abgenommen hätten. Beispielhaft nannte Hammer den ökumenischen Kindergarten, der im Neubaugebiet Gaisfeld entstehen sollte, dann aber an den Formalien der höheren kirchlichen Ebenen in der ursprünglich gewünschten Form gescheitert sei.
Das Stadtoberhaupt ging auch auf das soziale Engagement Spahlingers ein und nannte das Bündnis für Demokratie oder den Einsatz für Geflüchtete. „Wir waren nicht immer einer Meinung“, gab der OB zu, „aber wir haben uns immer ausgetauscht“.
Spahlingers katholischer Kollege Joachim Pollithy dankte für das „ökumenische Miteinander“, bei dem auch „experimentiert“ worden sei. So beginne beispielsweise nun die Feier der Osternacht stets gemeinsam. Ein weiteres Projekt sei der ökumenische Kreuzweg. „Vieles ist bereits eine Selbstverständlichkeit“, freute sich Pollithy: der ökumenische Valentinsgottesdienst, die Schulgottesdienste oder die gemeinsamen Dienstgespräche oder Treffen der Gremien. „Aber ist es tatsächlich selbstverständlich?“, stellte der katholische Geistliche in den Raum.
Vor seiner Entpflichtung stieg Uland Spahlinger für seine letzte Predigt als Dekan auf die Kanzel der St.-Pauls-Kirche. Er ging auf die Apostelgeschichte 17, 22-34 ein. Darin trifft in Athen die christliche Botschaft auf eine „interessierte Öffentlichkeit“, wie Spahlinger es formulierte. „Die gute Botschaft überschreitet da Grenzen und geht in das Gespräch mit Menschen.“
„Zukunftsfähig heißt diskursfähig“, zitierte der Prediger den Kirchenlehrer Jörg Zink. Und: „Grenzen zu achten, gehört zum Geschöpf-Sein dazu.“
In seiner Predigt hinterfragte Spahlinger aber auch, wo die Kirche versagt hat, und ging auch auf die Mission ein, die heutzutage einen schlechten Ruf habe, so wie viele kirchliche Wörter verdorben seien. Der Begriff „Mission“ sei ideologisiert, aber heiße Lehren nicht auch, „zu zeigen, was man liebt?“
Wir haben experimentiert.
Spahlinger forderte dazu auf, sich nicht zu verstecken, sondern zu zeigen und einzumischen. „Gott liebt die, die nicht zu allem Ja und Amen sagen“, ist er überzeugt. „Es war und ist mir eine Ehre, an dieser Mission teilgehabt zu haben“, schloss er.
Eingangs des Gottesdienstes in der voll besetzen St.-Pauls-Kirche, den Pfarrerin Kathrin Scheibenberger mit leitete, hatte Uland Spahlinger Gemeinde, Gäste aus Stadt und Umland, Familie und Freunde, Kolleginnen und Kollegen begrüßt. Musikalisch gestaltet wurde die Feier unter anderem vom Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Horst Rittsteiger. Besonders freute er sich, dass seine Tochter Miriam Pönnighaus, Pfarrerin in Bruchsal, die biblische Lesung übernommen hatte.
Beim anschließenden Stehempfang würdigten die verschiedenen Grußwortredner Spahlingers Wirken in den vergangenen zehneinhalb Jahren in der Gemeinde und im Dekanat.
Der jetzige Dekan im Ruhestand bleibt der Region erhalten, er hat mittlerweile seine neue Wohnung bezogen. Auch künftig werde er sich sicher in das Leben der Gemeinden einbringen und einmischen, war sich Regionalbischöfin Gisela Bornowski sicher.