Der Frust unter Menschen mit Handicap ist groß. Immer wieder fällt der Aufzug am südlichen Ende der Personenunterführung am Bahnhof wegen technischer Defekte aus. Wer die Treppe hinauf zum Parkhaus an der Feuerbachstraße nicht nutzen kann, ist zu weiten Umwegen gezwungen.
Der jüngste Defekt datiert vom Anfang des Monats. Ein Bauteil am Motor der Öldruckwanne musste getauscht werden. Zuvor hatte die Fehlersuche, warum der Lift mal wieder nicht funktionierte, einige Tage in Anspruch genommen. Seit 16. April ist der Aufzug jetzt wieder im Betrieb. Bereits vom 17. bis 23. März war der Aufzug wegen einer geplanten Reparatur gesperrt worden – es mussten Verschleißteile getauscht werden.
Die FLZ hat bei der Stadtverwaltung nachgefragt, wie oft der „Aufzug Süd“, wie er bei der Verwaltung heißt, seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1990 außerplanmäßig ausgefallen ist. „Eine Auflistung aller Ausfälle liegt uns leider nicht vor“, heißt es dort, „daher haben wir die Fälle der letzten zwei Jahre zusammengefasst.“
Nach dieser Darstellung gab es im Jahr 2024 ausnahmsweise keine Probleme mit dem Lift. Dafür war der Aufzug im Jahr 2023 – abgesehen von der obligatorischen vierteljährlichen Wartung – im Herbst aufgrund eines technischen Defekts außer Betrieb.
Damals kam es „wegen Lieferschwierigkeiten bei dem für die Reparatur notwendigen Ersatzteil zu Verzögerungen bei der Wiederinbetriebnahme“, so die Auskunft der Verwaltung. Schon im Frühjahr des gleichen Jahres stand der Lift wegen eines technischen Defekts wieder einmal still.
Im Jahr 2011 wurde der Aufzug einer Generalsanierung unterzogen, gebessert hat das die Lage nicht, wie eine stichpunktartige Suche im FLZ-Archiv ergab. Danach war der Aufzug im Jahr 2018 fünf Mal außerplanmäßig in Reparatur, 2019 sechs Mal und im Jahr 2020 gleich neun Mal. Im Jahr 2021 kamen noch einmal zwei unvorhergesehene Reparatur-Pausen hinzu, wobei der Aufzug zu diesem Zeitpunkt wegen der Umbaumaßnahmen am Bahnhof für längere Zeit stillgelegt war
Zur Wahrheit gehört dazu, dass der Lift auch immer wieder ausfiel, weil es immer wieder „wegen unsachgemäßer Behandlung beziehungsweise Vandalismus zu Schäden kam“, wie es in der Antwort der Verwaltung heißt. „Sehr ärgerlich“ findet diese immer wiederkehrenden Probleme die stellvertretende Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderung, Monika Wagner.
Die 58-jährige Rollstuhlfahrerin, die das Internetportal „Ansbach barrierefrei“ betreibt, macht darauf aufmerksam, dass die Unterführung von vielen Menschen auch als kürzeste direkte Verbindung aus der Südstadt nach Norden ins Stadtzentrum genutzt wird.
„Da geht es nicht nur um Rollstuhlfahrer. Auch Sehbehinderte oder ältere Menschen sind dann von einem Ausfall des Aufzugs betroffen.“ Die seien dann zu weiten Umwegen zum Beispiel durch die Unterführungen Triesdorfer Straße/Maximilianstraße oder am Oechsler-Knoten gezwungen. Strecken, die zum Teil auch beschwerliche Steigungen aufwiesen.
Monika Wagner geht nicht so weit zu fordern, einen neuen, weniger anfälligen Aufzug einzubauen: „Obwohl das natürlich toll wäre.“ Ihr geht es vor allem darum, dass sich behinderte Menschen vorab informieren können, ob alle Aufzüge am Bahnhof in Betrieb sind.
Auf dem deutschlandweiten Bahn-Portal www.bahnhof.de kann man sich zwar darüber informieren, ob die Aufzüge zu den Bahnsteigen funktionieren. Der Aufzug am südlichen Ende des Personentunnels taucht dort aber nicht auf, weil er von der Stadt Ansbach betrieben wird.
Behinderte Menschen, die zum Beispiel ihren Wagen im Bahnhofsparkhaus abstellen, erreichen unter Umständen den für einen satten zweistelligen Millionenbetrag barrierefrei umgebauten Bahnhof gar nicht, weil sie den kaputten Aufzug hinunter zum Personentunnel nicht nutzen können. Bis diese Menschen den Umweg durch die Unterführungen bewältigt haben, ist der Zug sicher weg.
Das Problem war übrigens bereits Thema bei der 1. Teilhabekonferenz am 28. Juni 2023.