Seit Ende Februar ist die Bechhofener Straße in Dinkelsbühl im Bereich der alten Brücke über die Bahnlinie eine Baustelle. Übernächste Woche soll es nun dem maroden Gemäuer aus mächtigen Quadern an den Kragen gehen. Beim Abbruch wird ein Bagger mit einer Zange so lange an den Steinblöcken „knabbern”, bis der Bogen in die Tiefe stürzt.
Die alte Gewölbebrücke war 1905 mit Natursteinen errichtet worden und wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gesprengt. Danach sei sie, wie Michael Schätzl, Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt Ansbach gegenüber der FLZ erläutert, entsprechend wieder aufgebaut worden. Zuständig ist das Staatliche Bauamt für das Bauprojekt, weil es sich bei der Bechhofener Straße um eine Staatsstraße handelt.
Unter Denkmalschutz steht das markante Bauwerk nicht, wie Schätzl weiter mitteilt. Die Brücke wurde 1962 mit Beton verstärkt; eine weitere Sanierung erfolgte dann 1983. Durch aufgetretene Undichtigkeiten sei es allerdings mittlerweile zu gravierenden Schäden gekommen, so der Abteilungsleiter. So wurde beispielsweise Boden vor den Widerlagern weggespült. Dadurch wurden die Fundamente freigelegt. Festgestellt wurden zudem zahlreiche Risse mit sichtbaren Ablagerungen sowie Ausbrüche an den Natursteinen.
Durch die regelmäßig erfolgten Bauwerksprüfungen sei die Verschlechterung des Zustandes gut dokumentiert, berichtet Schätzl. Zudem ist die Fahrbahn der alten Brücke für heutige Verhältnisse zu schmal. Wegen der schadhaften Brüstungsmauer ließ das Bauamt bereits vor Jahren zur Sicherheit zusätzlich Betongleitwände aufbauen, was die Fahrbahn auf eine Fahrspur verengte.
Die heutzutage erforderliche Fahrbahnbreite wäre nach Auskunft des Staatlichen Bauamtes bei einer Instandsetzung des bisherigen Bauwerkes wirtschaftlich nicht realisierbar. Daher bleibe nur der Ersatzneubau. Dieser ist auf rund 2,4 Millionen Euro veranschlagt und soll bis zum Jahresende fertiggestellt sein. Der Bau wird mit Mitteln des Brückenmodernisierungsprogramms des Freistaates Bayern finanziert.
Die Fahrbahn der neuen Brücke wird – wie die restliche Bechhofener Straße – sieben Meter breit. Für die Fußgänger gibt es in Fahrtrichtung bergauf einen 2,50 Meter breiten Gehweg, der die Zusatzbeschilderung „Radfahrer frei” erhält. Auf der anderen Seite wird ein 1,50 Meter breiter Gehweg errichtet.
Auch die Optik wird sich ändern: Gebaut wird eine Spannbetonbrücke aus Fertigteilen. Die Gestaltung sei bereits bei frühen Abstimmungsgesprächen mit der Stadt Dinkelsbühl Thema gewesen, berichtet Schätzl. Da kein direkter optischer wie auch historischer Bezug zur Altstadt hergestellt werden könne, habe man frei gestalten können. Dabei wurden mehrere Varianten untersucht. Letztlich habe man sich dann für die Spannbetonbrücke entschieden.
Für das Projekt wurde im Baustellenbereich auf der stillgelegten Bahntrasse eine Baustraße hergestellt. Diese sei, so Schätzl, für die Abbrucharbeiten erforderlich, bei denen der Brückenbogen auf das 13 Meter tiefer liegende Gleisbett fallen wird. Eingebunden in die Vorbereitungsarbeiten sind unter anderem auch die Stadtwerke, die Leitungen im Bereich der Brücke umverlegt haben.
Derzeit werden für die neue Brücke Bohrpfähle hergestellt, nachdem der Baugrund vorab auf eventuelle Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht worden war. In der übernächsten Woche steht dann der Abbruch der alten Bogenbrücke auf dem Programm. Bevor der Bagger mit seiner großen Zange zu Werke geht, wird zunächst der Bogen von oben her freigelegt und die schadhafte Abdichtung abgetragen.
Wegen der Baumaßnahme ist die Staatsstraße 2220 im betreffenden Bereich komplett gesperrt. Der überörtliche Verkehr wird großräumig über Dürrwangen und Schopfloch umgeleitet. Um in Dinkelsbühl einem „überörtlichen Schleichverkehr” entgegenzuwirken, sind die Josef-Greiner-Straße und die Straße „Am Roten Kreuz” für Lastwagen gesperrt. Außerdem gelten in der Mögelinstraße und in der Matthäus-Kraft-Straße Einbahn-Regelungen.