Sebastian Röhm gehört seit nunmehr 25 Jahren zum Team der Camphill Gemeinschaft Hausenhof. Vor zehn Jahren übernahm er die Leitung der Werkstätten. Konzept und Leitbild der Gemeinschaft liegen ihm am Herzen. Den Besuch von Grünen-Politikern nutzte er nun, um seine Wünsche für die Zukunft der Einrichtung deutlich zu machen.
Gemeinsam mit Röhm und Mareike Mengelkamp, die in der Camphill Gemeinschaft Hausenhof in den Bereichen Sozialdienst und Berufsbildung tätig ist, wollten die Politiker sowie interessierte Mitglieder des Kreisverbandes über „aktuelle Herausforderungen und neue Perspektiven für die Werkstätten“ diskutieren.
Röhm äußerte klare Kritik am System und appellierte an die Politiker aller Parteien, wieder mehr zu vertrauen. „Uns fehlt der Vertrauensvorschuss, den es früher noch gab. Das Vertrauen, dass wir das hier nicht missbrauchen“, sagte der Werkstattleiter. Das Hausenhof-Team, das aktuell aus rund 110 Mitarbeitern bestehe und sich um 80 Bewohner kümmere, habe stets den Menschen im Blick. Doch genau dieses Team werde nicht mehr aktiv in weitreichende Entscheidungen einbezogen. Im Fokus stehe fast ausschließlich die Kontrolle.
„Früher ist gemeinsam entschieden worden, heute dürfen wir nur noch Berichte schreiben.“ Und die Sachbearbeiter müssten „auf dem Papier“ entscheiden. Für die sei das Röhm zufolge auch nicht immer leicht. Das hätte sich erst vor kurzem wieder gezeigt, als sich Vertreter des Bezirks direkt vor Ort über den Hausenhof und seine Bewohner informiert hätten. Röhm zufolge seien sie „dankbar“ gewesen, dass sie sich das alles einmal direkt hätten anschauen können.
Dass der Gesetzgeber zwischen Werkstätten und einer Förderstätte, wie es sie auch in der Dorfgemeinschaft Hausenhof gibt, unterscheidet und in Werkstätten nur jene Menschen arbeiten dürfen, die „ein Mindestmaß an verwertbarer Arbeit leisten“ würden, kritisierte Röhm ebenfalls. Denn wer definiere, was „verwertbare Arbeit“ sei? „Da werden Menschen einfach aussortiert“, bedauert er.
Enttäuscht ist der Werkstattleiter zudem von der pauschalen Aussage vieler Politiker, die Werkstätten komplett abschaffen und die dort bislang tätigen Menschen in den ersten Arbeitsmarkt integrieren zu wollen. Ihm ist das viel zu undifferenziert. „Die Werkstätten sind anders, aber sie sind ein Teil des ersten Arbeitsmarktes“, betonte Röhm. In den Werkstätten werde anders gearbeitet, „aber es ist nicht weniger Arbeit“. Die Menschen bräuchten nun mal ein anderes Maß an Unterstützung. Sie dem allgegenwärtigen Leistungsdruck des üblichen Arbeitsmarktes auszusetzen, sei dabei nicht zielführend.
Unklar sei zudem, ob man langfristig den Bereich der Tierwerkstatt aufrecht erhalten könne. Denn das sei letztlich eine Frage der Finanzierung. Röhm hofft, dass es gelingen wird, diese Werkstatt, in der rund 35 Bewohner arbeiten, zukunftsfähig aufzustellen. Erste Schritte in diese Richtung sei man längst gegangen. So sei beispielsweise die Milchkuhhaltung abgeschafft und durch Mutterkuhhaltung ersetzt worden. Auch sei die Pferdewerkstatt, die eigenständig gewesen war, in die Tierwerkstatt integriert worden.
Auf diese Weise habe man Personal und damit Kosten einsparen können. Denn obwohl Tiere sieben Tage die Woche versorgt werden müssen, werde Personal dafür seitens des Bezirks nur an fünf Tagen in der Woche finanziell gefördert, erklärte Röhm. Weil aber die Verantwortlichen der Dorfgemeinschaft wissen, wie wichtig der Umgang mit den Tieren für die Bewohner des Hausenhofes ist, will man unbedingt daran festhalten.
Dass die Politik zumindest in einem entscheidenden Punkt bereits angefangen habe, umzudenken, begrüßte Röhm ausdrücklich. Demnach sei das bayerische Gesetz zur Regelung der Pflege-, Betreuungs- und Wohnqualität im Alter und bei Behinderung, kurz, das Pflege- und Wohnqualitätsgesetz (PfleWoqG), überarbeitet worden. Und zwar so, dass die Camphill Gemeinschaft Hausenhof nun nicht mehr dazu gezwungen ist, acht ihrer neun Häuser, in denen die Bewohner leben, durch Neubauten ersetzen müssen.
Genau das hätte nämlich geschehen müssen und der Anfang dazu ist sogar bereits gemacht. Der Spatenstich für den ersten Neubau eines energieeffizienten Doppelhauses für zwei Wohngruppen mit je acht Personen war im Oktober des vergangenen Jahres getätigt worden. Das Projekt kostet rund 5,3 Millionen Euro. Zwar wird der Bau seitens der Bayerischen Landesregierung und des Bezirks Mittelfranken mit 70 Prozent gefördert. Doch trotz der finanziellen Unterstützung sei es ein Kraftakt für die Dorfgemeinschaft, den Rest der Summe zu stemmen. Dass dies nun nicht sieben weitere Male geschehen müsse, sei eine Erleichterung.
Die Grünen-Politiker, darunter die bayerische Landesvorsitzende, Gisela Sengl, der Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz, der Bundestagskandidat für Fürth-Stadt, den Landkreis Fürth und den Landkreis Neustadt Aisch/Bad Windsheim, Kamran Salimi, sowie die stellvertretende Landrätin Ruth Halbritter, waren begeistert vom Konzept des Hausenhofes. Letztere betonte denn auch: „Solche Gespräche wie heute sind wichtig.“