Anita Bibelriether-Helm hat eine große Leidenschaft: das Wandern. Am liebsten ist sie in ihrer Heimat unterwegs, in Dietersheim und seinen Ortsteilen. Dort war sie auch rund 15 Jahre lang als Wanderwegewartin tätig. Dieses Ehrenamt hat sie nun abgegeben. Ihre Nachfolge treten Dorothea Stern und Michael Wolf an.
Was ihr wichtig ist und sie nicht unerwähnt lassen will, hat sich Bibelriether-Helm auf einem Zettel notiert, handschriftlich und mit Bleistift. Sie tippt auf ein paar Zeilen. „Das ist wichtig“, sagt die 72-Jährige mit Nachdruck. Daran solle man sich erinnern und es verinnerlichen. Und danach handeln.
Es ist ein besonderer Spruch, der Bibelriether-Helm so wichtig ist und der eine Anlehnung an einen Ausspruch des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy ist: „Frage nicht, was die Gemeinde für dich tun kann – sondern frage, was du für deine Gemeinde tun kannst.“ Genau so habe sie es immer gehalten. Deswegen sei sie auch sofort dabei gewesen, als der Posten des Wanderwegewartes in Dietersheim hatte besetzt werden sollen. Damals war es das erste Mal, überhaupt, dass dieses Amt vergeben wurde.
Die 72-Jährige hat entsprechende Pionierarbeit geleistet. Denn bislang hatten offiziell ausgewiesene Rundwanderwege in Dietersheim nicht existiert. „Ich bin die Wege ein ganzes Jahr lang immer wieder abgelaufen“, sagt sie. Denn sie sollten gewisse Kriterien erfüllen. Ein Ziel sei beispielsweise gewesen, alle Ortsteile der Kommune einzubeziehen und auch eine barrierefreie Route anzubieten.
Es sollten kurze und lange Strecken dabei sein, so dass diese jetzt zwischen sieben und 14 Kilometern umfassen. Sie sind entweder als „leicht“ eingestuft worden oder aber als „mittelschwer“. Einen außergewöhnlich guten Fitnesslevel braucht man zur Bewältigung nicht. Die Wanderungen sollten „über schöne Wald- und Wiesenwege“ führen. Und es sollte entlang der Wege auch Gastwirtschaften zum Einkehren geben.
Bibelriether-Helm hat schließlich fünf verschiedene Wege zusammengestellt: D1 bis D5. Dass in der Zwischenzeit einige der Möglichkeiten zur Einkehr nicht mehr existieren, bedauert sie sehr. Weil sie fest davon überzeugt ist: Es gibt kaum etwas Schöneres, als gemeinsam irgendwo zu rasten. Deswegen hat sie die Plätze, die auf den Dietersheimer Rundwegen zum Verweilen einladen, auch immer gerne mit liebevollen Details verschönert. Mal hat sie eine steinerne Rose auf einer Baumscheibe platziert, mal ein weihnachtlich geschmücktes Tannengesteck. Oder eine Schale, bepflanzt mit Hauswurz.
„Hock’ dich rauf, ruh’ dich aus“, hat einst die Tochter der 72-Jährigen auf die Rückenlehne einer der Ruhebänke geschrieben. Und dann gibt es noch diesen einen ganz besonderen Platz, auf dem Robert Kohler regelmäßig mäht. Er stellt dort auch alle Jahre wieder eine Tanne oder Fichte auf, die Bibelriether-Helm festlich schmückt und aus der sie stets einen prächtigen Weihnachtsbaum gemacht hat. Eine Birke wird dort ebenfalls immer wieder platziert und dem Festkalender entsprechend geschmückt. Zum Osterfest hängen bunte Eier daran, zur Kirchweih schicke Bänder.
Damit die Wege problemlos nachgegangen werden können, hat Bibelriether-Helm sie gemeinsam mit Mitarbeitern des Dietersheimer Bauhofs beschildert, allen voran mit Manfred Schmidt. Mit ihm hat sie die Wegweiser auch all die Jahre über bei Bedarf erneuert. „Er kennt die Routen genauso gut wie ich“, sagt Bibelriether-Helm. Wichtig sei ihnen beim Anbringen der Schilder immer gewesen, die Bäume nicht zu beschädigen. Und hätte doch einmal ein Nagel verwendet werden müssen, sei das stets ein spezieller gewesen.
Weil Bibelriether-Helm in Dottenheim wohnt, ist sie meist von dort aus auch zu einer ihrer Wanderungen durch die nahe Umgebung gestartet. So geht sie gerne zur rund 300 Jahre alten Dottenheimer Schießeiche und weiter Richtung Walddachsbach. „Bei den sieben Eichen, die vor rund hundert Jahren gepflanzt worden sind, kann man gut rasten“, sagt die Wanderfreundin und schwärmt von den wunderbaren Weitblicken, die man auf dieser Route erlebt – und vom Sofa-Baum, der sich mittlerweile zu einem beliebten Fotomotiv entwickelt hat. Auch Bürgermeister Jürgen Meyer hat sich schon auf der speziellen Liege fotografieren lassen.
Er dankt Bibelriether-Helm für ihr langjähriges Engagement als Wanderwegewartin der Gemeinde ausdrücklich. „Für die Kommune ist es eine Ehre, dass wir solche Menschen haben“, betont Meyer und freut sich, dass sich bereits ein Duo gefunden hat, das Bibelriether-Helm nachfolgen wird. Die ist angesichts des anbrechenden Frühlings allerdings schon wieder ganz in Wanderlaune – und in Deko-Laune. Das Duo überlegt bereits, wo man was vorbereiten könnte. Nicht fehlen dürfe auf alle Fälle das auf eine Baumscheibe geplottete Mühle-Spiel. Die passenden Spielsteine dazu hängen in einem kleinen Säckchen unterm Tisch, damit sie bei Regen nicht nass werden.
Vielleicht greift die 72-Jährige auch wieder zu Eimer und Lappen und befreit die Sitzbänke vom Blütenstaub. Das Wandern ist nun mal ihre Leidenschaft. „Ich bin eine Wegewanderwartin mit Herzblut gewesen.“