Das Theater Ansbach zieht mit neuem Stück in die Gasthöfe | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.11.2024 15:50

Das Theater Ansbach zieht mit neuem Stück in die Gasthöfe

Robert Arnold, Levent Özdil, Intendant Axel Krauße und Vladimir Pavic (von links) vom Theater Ansbach: Sie erarbeiten derzeit das Stück „Chaim und Adolf“, das in den nächsten Wochen in verschiedenen Gaststätten zu erleben sein wird. (Foto: Evi Lemberger)
Robert Arnold, Levent Özdil, Intendant Axel Krauße und Vladimir Pavic (von links) vom Theater Ansbach: Sie erarbeiten derzeit das Stück „Chaim und Adolf“, das in den nächsten Wochen in verschiedenen Gaststätten zu erleben sein wird. (Foto: Evi Lemberger)
Robert Arnold, Levent Özdil, Intendant Axel Krauße und Vladimir Pavic (von links) vom Theater Ansbach: Sie erarbeiten derzeit das Stück „Chaim und Adolf“, das in den nächsten Wochen in verschiedenen Gaststätten zu erleben sein wird. (Foto: Evi Lemberger)

Der große Saal im Theater Ansbach darf wegen Brandschutz-Problemen weiterhin nicht bespielt werden. Nun machen die Künstler aus der Not eine Tugend: Die nächste Produktion ist so konzipiert, dass sie in Gaststätten gezeigt werden kann. Und sogar perfekt dorthin passt. „Chaim und Adolf“ hat am Samstag, 23. November, um 19.30 Uhr Premiere.

Und zwar im Restaurant in der Ansbacher Orangerie. Die Besucher können etwas trinken und Snacks essen, während zwei Männer Schach spielen. Und dabei ins Gespräch kommen über ihre Vergangenheit, ihre Familien, über die Geschichte Deutschlands. Über kleine und große Familiengeheimnisse.

Der eine Mann heißt Chaim, er ist ein Tourist aus Tel Aviv und als passionierter Radler im romantischen Franken unterwegs. Um tagsüber ausgiebig radeln zu können, hat er sich in einem Dorfgasthof eingemietet. Abends sitzt er vor einem alten Schachbrett und spielt Partien nach – allein, denn niemand im Ort spielt Schach.

Sehnsucht nach einem richtigen Spiel

Doch, einer. Der Wirt kennt ihn, möchte ihn aber dem Juden Chaim zunächst nicht vorschlagen. Denn der Mann heißt mit Vornamen Adolf. Chaims Sehnsucht nach einem richtigen Spiel ist allerdings groß, so dass Adolf schließlich eingeladen wird. Es kommt zu einem denkwürdigen Schachabend.

„Während des Spiels wird nach und nach entblättert, was vor etwa 80 Jahren geschehen ist“, erklärt Theaterintendant Axel Krauße, der das kluge Konversationsstück inszeniert. Dabei gebe es viele Überraschungen, unerwartete Wendungen. „Platte Stereotypen“ würden dagegen vermieden: Adolf, ein weltoffener Landwirt mit Studium, der den Vornamen seines Großvaters trägt, ist kein Nazi und Chaim kein strenggläubiger Jude.

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Um die Spannung nicht zu nehmen, wollen der Regisseur und die drei Schauspieler – Levent Özdil als Wirt, Vladimir Pavic als Chaim und Robert Arnold als Adolf – nicht zu viel verraten. Nur das noch: Der Tourist aus Tel Aviv ist nicht zufällig in dem Dorf aufgetaucht. Und es geht um jene Dinge, die in Familien verschwiegen werden. Um das, was man nicht sagen darf.

Schuld, Schrecken und viele offene Fragen

Der österreichische Theaterautor Stefan Vögel hat in seinem Stück „Chaim und Adolf“ somit gesellschaftlich brisante Themen aufgegriffen: Kriegstraumata, die sich über Generationen vererben, die Verdrängung der Schuld und der Schrecken, überhaupt den Umgang mit Fragen zur NS-Zeit, denen in Familien oft lange ausgewichen wurde. Bis die Generation der Enkel oder Urenkel nachbohrt, weil sich im eigenen Leben Probleme aus unerklärlichen Gründen wiederholen.

„Erfolgsautor Stefan Vögel hat mit ,Chaim und Adolf‘ ein unterhaltsames und spannendes Theaterstück über die deutsche Geschichte und die Auswirkungen bis in die heutige Zeit geschrieben“, ergänzt dazu das Theater in einer Pressemitteilung. „Er erzählt zwei schicksalhaft verbundene Familiengeschichten aus dem Zweiten Weltkrieg – und eine einzigartige Liebesgeschichte, die der Nachwelt Rätsel aufgibt.“

Der Autor sei ein „hervorragender Komödienschreiber“, meint Intendant Krauße. „Das merkt man auch seinem ernsten Stück ,Chaim und Adolf‘ an, weil mit großer Leichtigkeit erzählt wird und es trotz des Themas humorvolle Pointen gibt.“

Spannendes Stück für Schüler

Die Premiere und sechs weitere Vorstellungen finden in der Gaststätte im Gelben Saal der Orangerie statt, wo die rund um die Schachspieler sitzenden Zuschauer beinahe „Teil des Geschehens“ werden. Dann wandert die Theaterproduktion in andere Restaurants oder Kneipen in Ansbach und Umgebung. Aus dem Nürnberger Raum sind ebenfalls bereits Anfragen eingegangen, so Krauße.

Er hoffe, dass sich auch viele junge Menschen das Stück ansehen, sagt der Schauspieler Vladimir Pavic. Für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sei es bestens geeignet und garantiert spannend. „Der Einstieg ist leicht, man muss nur gut zuhören, um jede Wendung mitzubekommen. Ich hoffe, dass viele Deutsch- und Geschichtslehrer mit ihrer Klasse reingehen.“

Gastwirte, die einen Raum für die Theaterproduktion anbieten möchten, können eine E-Mail schreiben an info@kultur-am-schloss.de


Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

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Nellie Bly
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