Regionales Denken und Handeln ist auch als Antwort auf Negativfolgen von Globalisierung zu sehen. Internationaler Austausch muss da aber nicht schaden. Ganz im Gegenteil. Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Romantische Straße setzt das heuer personell um, indem sie zwei junge Leute aus Belarus und Usbekistan ins Team holt.
Den Rahmen dafür bildet eine Kooperation mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Dort studieren derzeit 63 Frauen und Männer die Fachrichtung Regionalmanagement, darunter 19 mit ausländischer Staatsbürgerschaft.
Zwei davon haben sich auf eine entsprechende Ausschreibung der Schillingsfürster LAG-Geschäftsstelle hin um einen Praktikumsplatz dort beworben und kommen nun nacheinander zum Zug.
Lizaveta Viarenich macht den Anfang. Seit Ende Mai ist die 26-Jährige aus Belarus in laufende Prozesse und Projekte der LAG eingebunden. Sie arbeitete beispielsweise an einer inzwischen veröffentlichten Info-Publikation mit, in der unter dem Titel „Badespaß in der Region“ die Freibäder und Badeweiher zwischen Dinkelsbühl und Windelsbach vorgestellt werden.
Die junge Frau stammt aus Pinsk, einer Stadt mit rund 125.000 Einwohnerinnen und Einwohnern nahe der Grenze zur Ukraine. Sie studierte von 2016 bis 2022 Architektur in der Hauptstadt Minsk und ist seit Oktober 2023 in Triesdorf eingeschrieben mit dem Ziel, dort den Masterabschluss zu machen. Während des Architekturstudiums habe sie viel mit Stadtplanung und Stadtentwicklung zu tun gehabt, berichtete die 26-Jährige bei einem Treffen in Schillingsfürst.
Das Thema Regionalmanagement, das da nicht weit weg sei, finde sie spannend. Nur werde das in Belarus an keiner Hochschule gelehrt. Deshalb sei sie zum Weiterstudieren nach Triesdorf gekommen.
Etwas anders liegt der Fall bei Bekhruz Sindorov. Der 23-Jährige wuchs in der usbekischen Großstadt Samarkand auf, die berühmt ist für ihre bedeutende islamische Architektur aus dem Mittelalter.
Der junge Mann kennt Triesdorf schon länger als seine Kommilitonin, denn zwischen 2021 bis 2024 hatte er dort bereits ein Bachelor-Studium im Bereich Agrar-Lebensmittelmanagement absolviert und abgeschlossen. Seit März 2024 läuft für ihn nun dort das Master-Studium Regionalmanagement. Sein Praktikum in der LAG-Geschäftsstelle in Schillingsfürst startet im Oktober. Lizaveta Viarenich und Bekhruz Sindorov werden sich ihre Zeit dort als Pflichtmodul im Rahmen ihres Studiums anrechnen lassen können.
Beide betonten aber im Gespräch, dass es ihnen hier nicht nur um das Erfüllen formaler Vorgaben geht, sondern dass sie möglichst viele Anregungen für ihre künftigen beruflichen Wege mitnehmen und dafür auch etwas zurückgeben möchten.
So suchen beide noch nach Themen für ihre Masterarbeit und hoffen, diese in der Region an der Romantische Straße zu finden. Von entsprechenden Feldforschungen könnte, wie LAG-Geschäftsführerin Pia Grimmeißen-Haider und Vorsitzender Herbert Lindörfer bei dem Treffen betonten, sicher auch die Lokale Aktionsgruppe inhaltlich stark profitieren.
„Wir versprechen uns da fachliche Impulse für unsere Arbeit“, so Pia Grimmeißen-Haider. Im LAG-Vorstand, ergänzt Herbert Lindörfer, bestehe Einigkeit, dass Denkanstöße von außen weiterbringen können: „Es ist für alle gut, über den Tellerrand hinauszuschauen.“
Die beiden jungen Leute aus Belarus und Usbekistan äußerten sich dankbar für die Möglichkeit, in Deutschland studieren und in der Region praktische Erfahrungen sammeln zu können. Sie denken dabei auch an die gegenwärtige Situation in ihren Heimatländern, in denen angesichts schwieriger politischer Verhältnisse und extrem ausgeprägter zentralistischer Strukturen das Bemühen um eine Stärkung der Regionen fast wie Luxus anmutet.
Ein System, bei dem in Städten und Gemeinden Projekte aus der Bevölkerung für die Bevölkerung mit öffentlichem Geld gefördert würden, gebe es so in Usbekistan nicht, betonte Bekhruz Sindorov. „Aber vielleicht kann man da in der nächsten Generation etwas ändern.“