Seit fast sieben Jahrzehnten wird in der Stadt Dinkelsbühl Theater gespielt. Wie sich in dieser Zeit die künstlerische Arbeit und die Rahmenbedingungen professionalisiert haben, zeigt eine Sonderausstellung im Warneckehaus im Garten am Wehrgang. Am Dienstag wurde sie vorgestellt.
Intendant Peter Cahn sprach von erheblichen Veränderungen, die zur Professionalisierung des Dinkelsbühler Theaters beigetragen hätten. Mit dieser Weiterentwicklung seien immer auch erhebliche Investitionen verbunden. Dass Geld für Kultur fließt, sei nicht in allen Kommunen selbstverständlich, stellt der Dinkelsbühler Theaterchef fest. „Anderswo wird um 8000 Euro gestritten“, berichtete er von einer Podiumsdiskussion, an der er kürzlich in Unterfranken teilgenommen habe.
Cahn betonte: „Ohne den politischen Willen wird Kultur nicht stattfinden.“ Deshalb brauchten die Kulturschaffenden Fürsprecher und eine Lobby, Politikerinnen und Politiker, die die Kultur in den Gremien verträten.
Das Theater wurde 1953 von Erich Krempin als „Kleines Burgschauspiel“ in Rothenburg gegründet und zog 1956 nach Dinkelsbühl um. Ab 1962 wurde es von einem Zweckverband der Städte Dinkelsbühl, Donauwörth und Bad Windsheim als Fränkisch-Schwäbisches Städtetheater betrieben, ab 1993 alleine von der Stadt Dinkelsbühl mit Unterstützung durch das Land Bayern, den Bezirk Mittelfranken und den Landkreis Ansbach.
Das Städtetheater wurde 2006 zur Landesbühne erhoben und nennt sich seither Landestheater Dinkelsbühl. Vor Cahn hatte das Landestheater vier Intendanten: Von 1953 bis 1959 Erich Krempin, bis 1970 Klaus Schlette, danach bis 1997 Klaus Troemer, zwischen 1997 und 2001 Christian Alexander Schnell und seither Peter Cahn, der seine Vorgänger würdigte: „Sie alle haben eine Wahnsinnsarbeit betrieben.“
Dazu gehörte auch die Weiterentwicklung der Spielstätten: 2005 wurde die überdachte Tribüne im Garten am Wehrgang eröffnet, 2008 das Theaterhaus im Spitalhof. Davor war der Schrannenfestsaal mit 221 Plätzen Hauptspielstätte. Dadurch gelang es, den Publikumszuspruch zu steigern. Fanden laut Cahn früher 12.000 bis 13.000 Menschen den Weg in die Sommerproduktionen, so hoffe man in diesem Jahr auf 40.000. „Die Akzeptanz des Publikums ist essenziell“, merkte er an.
Auch hinter der Bühne gehe das Team mit einem professionellen Anspruch an seine Aufgaben heran. Dadurch sei es möglich, die Stücke gut zu präsentieren und mit anderen Theaterproduktionen vergleichbar zu werden.
Dramaturg Felix J. Mohr und Disponentin Juliane Abt stellten die Sonderausstellung inhaltlich vor. Auf vier großen Tafeln gibt es einen geschichtlichen Abriss, wird darüber informiert, wie es zu den Spielstätten kam. Programmhefte und Handzettel erinnern an frühere Inszenierungen. Zu den besonderen Produktionen zählten „Das Boot“, „Comedian Harmonists“ und „Rocky Horror Picture Show“, allesamt unter der Regie von Peter Cahn.
Im Theaterarchiv sei überdies eine alte VHS-Videokassette aufgetaucht, berichtete Mohr. Die läuft jetzt in der Ausstellung. Konserviert ist darauf eine Inszenierung des früheren Intendanten Klaus Troemer: „Arsen und Spitzenhäubchen“ aus der Spielzeit 1985/86. Ein Wiedersehen mit dem Stück gibt es in diesem Jahr auf der Freilichtbühne am Wehrgang, dann in der Inszenierung von Peter Cahn.
Die Ausstellung ist während der Sommerfestspiele 2024 im Warneckehaus sehen, erstmals am Dienstag, 21. Mai, im Umfeld der Aufführungen.