Seit fast einem Jahr ist das Kinder- und Jugendzentrum (KiJuZ) in Sachsen für offene Treffs geschlossen. Weil sich Anwohnende beschwert hatten, werden dort aktuell nur noch Workshops mit Anmeldung angeboten. Über die Jugendarbeit der Gemeinde berichtete Sozialpädagogin Nicole Noël im Gemeinderat.
Noël ist seit Oktober 2024 bei der Gemeinde für die Jugendarbeit zuständig. Zu ihren Aufgaben zählt auch, herauszufinden, was zu tun ist, damit das KiJuZ besser angenommen wird. Außerdem bietet sie Unterstützung im Kinderbildungszentrum (KiBiZ) und in der Rusam-Grundschule an.
Untergebracht ist das KiJuZ im Erdgeschoss im Haus der Bäuerin. Während es früher freitags und samstags von 18 bis 22 Uhr für alle Altersstufen geöffnet hatte, wurden Anfang 2025 zunächst getrennte Öffnungszeiten festgelegt, um möglichst allen „einen entspannten Besuch” zu ermöglichen, informierte die Sozialpädagogin. So war ein Abend für die Neun- bis Zwölfjährigen und einer für die Über-Zwölfjährigen reserviert. Bei bestimmten Veranstaltungen im Haus der Bäuerin und meist auch in den Ferien blieb das KiJuZ geschlossen.
Wegen Beschwerden von Anwohnenden gestattete die Verwaltung jedoch ab den Sommerferien 2025 gar keine reguläre Öffnung mehr. Das KiJuZ darf nur noch für anmeldepflichtige Veranstaltungen öffnen, die nicht länger als bis 21 Uhr dauern. Eine offene Jugendarbeit, bei der sich die Zielgruppe auch einfach mal ohne festes Programm treffen kann, findet nach Angaben von Noël aktuell nicht mehr statt. Solange das so ist, „werden keine neuen Jugendlichen gewonnen werden”, befürchtete sie. Denn gerade die Älteren bevorzugten zwanglose Treffen. „Es wäre wichtig für uns, eine Perspektive zu bekommen, wie es dahingehend weitergeht.“
Auch personell bedeutet das derzeitige Konzept einen Mehraufwand, wie die Sozialpädagogin erläuterte. Bei einem offenen Treff hätten in der Regel zwei Betreuende ausgereicht. Bei Veranstaltungen seien hingegen mindestens drei Personen anwesend, häufig unterstützten zusätzlich noch Ehrenamtliche.
Veranstaltet wurden im KiJuZ im vergangenen Jahr unter anderem Kinoabende, Game Nights, Turniere, Bastel- und Backaktionen, Themenpartys und Workshops oder auch mal ein Vortrag zur Stressvermeidung im Schulalltag. Abgesagt werden musste wegen der Schließung ein Graffiti-Workshop zur Umgestaltung der Räume. Der Kursleiter erstellte dann zumindest ein neues KiJuZ-Logo, das aber eigentlich zusammen mit den Jugendlichen hätte entwickelt werden sollen.
„Aktuell ist noch nicht sicher, ob sich Gemeinderat und Verwaltungsleitung für eine Zukunft des Jugendzentrums im Haus der Bäuerin entscheiden werden und – falls ja –, unter welchen Bedingungen”, fasste Noël zusammen. Allerdings ist ein Alternativ-Gebäude momentan nicht in Sicht und eine Container-Lösung wäre mit hohen Kosten verbunden. „Wir sind mit den Räumen total zufrieden“, betonte die Sozialpädagogin im Namen des Jugendarbeits-Teams. Es wäre aber auch ein Ortswechsel vorstellbar, wenn woanders das Außengelände genutzt werden könnte und die aktuellen Beschränkungen wegfielen. „Ich verstehe meine Arbeit auch nicht dahingehend, dass ich nur Kinder und Jugendliche zum Schweigen bringe.“
Im Rahmen der Jugendarbeit der Gemeinde wird nach Möglichkeit in allen Ferien – außer im Sommer – ein Ausflug oder ein Workshop angeboten, so Noël. So ging es beispielsweise schon in die Boulder-Halle nach Burgoberbach, zur Alpaka-Wanderung oder ins Keramik-Atelier in Schwabach. Allerdings sei die Zahl der Teilnehmenden bei Ausflügen auf acht begrenzt, da in den Bürgerbus nicht mehr Personen passen und es zu teuer sei, einen größeren Bus anzumieten. Bei einem Workshop zum Thema Upcycling schufen die Teilnehmenden aus ausrangierten Jeans neue Kreationen.
Zu Noëls Aufgabenfeld gehören auch Eltern- und Familienberatungen, die durchaus in Anspruch genommen werden. Der Kontakt kommt beispielweise nach Regelverletzungen im KiJuZ zustande, aber auch auf Anregung von Lehrkräften, Schulleitung oder Erzieherinnen. Etwa drei Stunden pro Woche ist die Sozialpädagogin im KiBiZ eingesetzt, was laut Noël von Kindern und Personal gut angenommen wird. Es geht dabei um Verhaltensbeobachtung, Coaching und Einschätzungen hinsichtlich möglicher Fälle von Kindeswohlgefährdung.
Etwas schleppend angenommen wurde das Unterstützungsangebot von der Rusam-Grundschule. Die Arbeit mit herausfordernden oder belasteten Kindern und ihren Eltern sei kaum möglich, weil sich die Sozialpädagogin wegen des Datenschutzes nicht mit den Lehrkräften über die Schulkinder austauschen kann. Die Schulleitung begründete dies damit, dass die Stelle der Jugendarbeit nicht an der Einrichtung angesiedelt ist. Als Alternativlösung wählt die Lehrkraft nun Schülerinnen und Schüler aus, die eine separate Förderung im Nebenraum bekommen. Bei dieser Gelegenheit spricht die Sozialpädagogin mit den Kindern auch über Konflikte mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern oder über Themen, die sie selbst einbringen.