Eine Großbaustelleweicht einer großen Bühne für die Anfänge der Luftfahrt. Am Freitag wurde die Eröffnung des „Gustav-Weißkopf-Museums – Pioniere der Lüfte“ gefeiert. Ein hochemotionaler Moment, nicht nur für die, die an der Entstehung beteiligt waren.
Es reiste einst Joachim Herrmann von Colmberg bis nach Gunzenhausen. Im September 2012 war der bayerische Innenminister unterwegs, um für die „E-Bike-Region“ zu werben. Einen Zwischenstopp legte er in Leutershausen am „Alten Landgericht“ ein. Diesmal ist er Ehrengast, weil sein Halt damals mitverantwortlich für die Eröffnung des „Gustav-Weißkopf-Museums” ist.
Vor zehn Jahren schon fungierte das Gebäude als Museum, „man erkannte, dass es alt, etwas überfüllt und sanierungsbedürftig ist“, so Joachim Herrmann. Was ihn jedoch faszinierte, war die Behauptung der damaligen Gastgeber „dass der erste Mensch, der je geflogen ist, aus Leutershausen stammen soll“, erinnert er sich.
In den folgenden Jahren ließ er sein Büro und weitere Stellen nachforschen. „Am Ende weiß keiner, wer der erste Flieger in der Geschichte war – die Gebrüder Wright oder Gustav Weißkopf“, fasst der Innenminister die Forschungsergebnisse zusammen. Doch von Anfang an war für ihn klar: „Dieses Museum muss gebaut werden. Nicht nur, weil wir hier ein wertvolles, denkmalgeschütztes Gebäude haben, das hergerichtet werden muss.“
Über eine erste Förderung aus Mitteln des Städtebaus gab es 5,5 Millionen Euro. Im Laufe der folgenden Jahre sind über zehn Millionen Euro in das Projekt geflossen. Jahrelange Bauarbeiten gipfeln nun in der Eröffnung des Museums, das ist für Projekt- und Museumsleiterin Dr. Laura Gebauer ein „hochemotionaler Moment“, sagt sie stolz.
Der Person Gustav Weißkopf und dem Rätsel um den ersten Flug ist ein großer Ausstellungsraum gewidmet. Alles dreht sich hier um das Rätsel des ersten Motorflugs. Welche Beweise gibt es für Weißkopfs Erstflug am 14. August 1901, und mit welchen Herausforderungen hatte er zu kämpfen? Mittelpunkt in diesem Raum ist der Nachbau der legendären Flugmaschine „21B“, die untermalt von Motorengeräuschen in der Mitte des Raumes schwebt. In einem zweiten Raum liegt der Schwerpunkt auf weiteren Pionieren der Luftfahrt.
„Es macht mich klein und ehrfürchtig und zugleich mächtig stolz und groß, wenn ich sehe, dass wir in unserer kleinen Gemeinde dieses Museum geschaffen haben“, sagt Markus Liebich, Bürgermeister von Leutershausen. Er selbst hat als Jugendlicher im „Alten Landgericht“ mit Freunden Schafkopf gespielt, während sich nebenan andere an der laut Liebich „längsten Carrera-Bahn Deutschlands“ als Rennfahrer versuchten. Beide Veranstaltungen finden nicht mehr statt, das Gebäude soll dennoch weiter zugänglich für die Öffentlichkeit sein.
„Alle sollen sich hier wiederfinden“, sagt der Ansbacher Landrat Dr. Jürgen Ludwig. Im „Gustav-Weißkopf-Museum – Pioniere der Lüfte“ sollen künftig Veranstaltungen für die Öffentlichkeit laufen. Auch Schulen sollen gezielt in die Räumlichkeiten eingeladen werden. „Durch dieses Museum ist der Landkreis um ein bedeutendes Museum reicher“, fasst der Landrat zusammen.