Die Umbauarbeiten zum Kaspar-Hauser-Zentrum in Ansbach schreiten zügig voran. Das ehemalige Gebhardt-Haus im Herzen der Stadt wird derzeit neu „behütet“. Es ist die nächste Etappe auf einem langen Weg. Bis zur geplanten Eröffnung verbleiben nur noch wenige Monate.
Die alten Holzstiegen knarzen bedenklich, es rieselt ein wenig Putz von der Decke durch die alten Balken, weil im zweiten Stock gebohrt wird. Beinahe überall im Haus wird gewerkelt. Handwerker wuseln durch den Komplex, als Projektleiter Stefan Weber feststellt, dass in dem Raum eine Tür fehlt, in dem später einmal das Archiv von Kaspar Hauser untergebracht sein wird.
Wer schon einmal selbst ein altes Haus saniert hat, mag erahnen, was für ganz spezielle Herausforderungen die Komplett-Sanierung eines zusammenhängenden Gebäudekomplexes bieten. Insofern mag es dann doch etwas überraschen, dass bei der Neugestaltung des Gebhardt-Hauses zum Kaspar-Hauser-Zentrum mit Hotel nebst Café mit Seminarräumen und den Hinterlassenschaften des berühmten Findelkindes langwierige Zwangspausen bislang nicht zu verzeichnen sind. „Wir haben alles durchgeplant“, kann Projektleiter Weber entspannt vermelden. Die Umsetzung steht in einigen Punkten aber noch aus.
Derzeit wird das Dach des Ensembles erneuert, das die drei Häuser mit der Anschrift Pfarrstraße 16 bis 20 umfasst. Ein nicht ganz unerheblicher Teil des Dachstuhls war entgegen der ersten Annahme dann doch nicht mehr so tragfähig wie nötig und musste aufwändig durch ein neues Gebälk ersetzt werden.
Des Lebens schönste Rosenzeit soll sein mein einzige Fröhlichkeit; Und stets dem unverdroßnen Fleiß geweiht.
Inzwischen sind die Außenseiten zu den Nachbarhäusern aufgemauert. Der Platz für die Gauben zum Montgelasplatz und zur Pfarrstraße hin, lassen viel Licht in die Seminarräume und Hotelzimmer im Obergeschoss eindringen.
15 Zimmer inklusive dreier Suiten wird das Hotel auf drei Etagen bieten. Im Café Stephanie, das nach der Mutter des sagenumrankten badischen Erbprinzen benannt wird, wird Regionalität und Bio-Qualität großgeschrieben. „In der kommenden Woche treffen wir uns mit allen unseren Lieferanten, um Anbau- und Produktionspläne abzustimmen“, erklärt Weber ein wichtiges Detail hinter dem Gastrokonzept.
Das beinhaltet, dass die Rezepturen auch auf die praktische Umsetzbarkeit geprüft werden. Im KHZ werden zwölf inklusive Arbeitsplätze entstehen. Etliche Bewerbungen liegen Weber bereits vor, „obwohl noch keine Stelle ausgeschrieben war“.
Ein Hoteldirektor, der sich all der unterschiedlichen Themen in diesem Haus adäquat annimmt, ist inzwischen gefunden. Der gebürtige Österreicher Christian Etl, der mehr als zehn Jahre das Integrationshotel „Masatsch” in Südtirol leitete, gilt als gute Wahl. Die zunächst angedachte Besetzung war bei allen Beteiligten vor Ort auf keine Gegenliebe gestoßen, doch die Wogen haben sich längst geglättet, berichtet Weber von einer generell guten Zusammenarbeit.
Gerade für Hausbesitzer Hermann Pfeiffer, der den Komplex langfristig an das in Karlsruhe beheimatete Parzival-Zentrum verpachtet hat, findet Weber nur lobende Worte. „Das war eine kreative und produktive Zusammenarbeit“, sagt er in Richtung des Ansbacher Architekten.
Weber selbst wird im September nach insgesamt vier Jahren seine Zelte in der Stadt abbrechen. Dann ist das „Kaspar-Hauser-Zentrum für heilende Pädagogik“, so der offizielle Name, weitestgehend auf den Weg gebracht. Los gehen soll es am 1. Dezember mit einem „Soft-Opening“, ehe „im März 2024“ dann wirklich alles fertig ist, wie Weber mutmaßt.
Bei einem Gang durchs Haus wird klar: Das ist ein ambitioniertes Ziel. Die Gestaltung der verschiedenen Räume mit ihren am Ende mindestens drei Meter hohen Decken lässt sich aber schon gut nachvollziehen. Wenn man so will, ist der Geist Kaspar Hausers hier schon eingezogen.