Besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende? Der am Montag öffentlich gemachte Rückzug der Stadt von der geplanten Wohnbebauung am ehemaligen Messegelände sorgt für viel Kritik und wirft Fragen auf. Die Wichtigste: Hat die Stadt Steuergelder verschleudert, weil sie die bereits bekannten Einschränkungen in dem Hochwassergebiet lange ignorierte?
„Da weite Teile des Messegeländes bislang als Überschwemmungsgebiet festgesetzt sind, lässt sich die Erschließung der Flächen für eine Wohnbebauung nach derzeitigen Erkenntnissen nicht wirtschaftlich darstellen.“ Das war die zentrale Aussage in der Mitteilung der Stadt, die Verhandlungen mit dem Bezirk über den Kauf weiterer Flächen in dem betreffenden Areal nach offizieller Lesart „bis auf Weiteres aktuell zurückzustellen“.
„Es war klar, dass es so nicht machbar ist.“
Ein Überschwemmungsgebiet war das betreffende Areal aber bereits zu dem Zeitpunkt, als die Stadt das Bebauungsplanverfahren in Gang gesetzt und dann 2019 einen Architektenwettbewerb ausgelobt hatte. Spätestens, nachdem die Erkenntnisse eines von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachtens des Ingenieurbüros Christofori Anfang 2022 bekannt waren, hätte man die Reißleine ziehen müssen, moniert etwa BAP-Stadtrat Hannes Hüttinger.
„Man muss erst alle Grundlagen kennen, ehe man in so ein Verfahren einsteigt“, wiederholt Hüttinger nun seine Kritik an der grundsätzlichen Vorgehensweise des Baureferats, die er „bereits vor vielen Jahren“ im Stadtrat gegenüber Baudirektor Jochen Büschl geäußert hatte. „Es war klar, dass es so nicht machbar ist“, sagte Hüttinger nun gegenüber der FLZ. Der Rückzug von den Plänen einer Wohnbebauung hätte seines Erachtens nach viel früher erfolgen müssen, so sei die klamme Stadtkasse mit einem sechsstelligen Betrag unnötig belastet worden. „Das ist rausgeschmissenes Geld, das man viel besser für die Schulen verwendet hätte.“
Das Gutachten des Ingenieurbüros hatte laut Hüttinger keine Zweifel daran gelassen, dass zur Abwehr der Folgen eines hundertjährigen Hochwassers nebst 15-prozentigem Klimazuschlag ganz erhebliche Baumaßnahmen nötig gewesen wären, um das geplante Wohnareal am Messegelände zu verwirklichen und gleichzeitig zu verhindern, dass der dahinter liegende Stadtteil Schalkhausen geflutet worden wäre.
„Warum hat man so lange herumgedoktert, wenn man schon wusste, dass es wegen der Hochwassergefahr nicht geht?“, fragt sich Stadtrat Boris-André Meyer von der Offenen Linken und greift in dem Zusammenhang die städtische Verwaltung an. „Da hätte man im Stadtrat die Karten früher auf den Tisch legen müssen.“
Auch dem Co-Fraktionsvorsitzenden der CSU im Stadtrat, Jochen Sauerhöfer, gefällt die Entwicklung nicht, wie er einräumt. Allerdings sieht Sauerhöfer nicht die ergebnislos gebliebenen Verhandlungen zwischen Stadt und Bezirk als Kernproblem – hauptverantwortlich für die negative Entwicklung des Projektes sei ein erst im letzten Quartal 2024 eingegangenes Gutachten des Wasserwirtschaftsamtes.
Die Berechnungen des WWA anhand einer Simulation hätten ergeben, dass auch am eigentlichen Messegelände Baumaßnahmen notwendig wären, um sich gegenüber einem hundertjährliches Hochwasser zu wappnen. „So macht es natürlich keinen Sinn.“
Dabei war zwischenzeitlich auch eine Alternative ins Spiel gebracht worden. So sah Stadtrat Hans-Jürgen Eff (Die Ansbacher) etwa die Möglichkeit, dass sich der TSV Fichte Ansbach am einstigen Messegelände ansiedelt und sein bisheriges Gelände im Gegenzug mit Wohnquartieren bebaut wird.
Doch eine Mehrheit fand sich dafür nicht, nun muss die Stadt notgedrungen auf das Prinzip Hoffnung setzen. „Wenn ein Investor käme und etwas entwickeln will, wären wir gesprächsbereit“, muss Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) in diesem Fall den Konjunktiv bemühen.