Rund 130 Paare haben im vergangenen Jahr in Rothenburg standesamtlich geheiratet. Fast 50 von ihnen trafen sich am Samstag zu einer besonderen Zeremonie: Sie brachten ein Liebesschloss im Hochzeitswald an, um damit die Ehe noch einmal symbolisch zu besiegeln.
Das kleine rote Vorhängeschloss gab es als Geschenk der Stadt zur standesamtlichen Trauung. Die Paare konnten es mit einer persönlichen Gravur versehen und nun wieder mitbringen. Seit dem Jahr 2019 gibt es diesen Brauch. Zuvor durften Paare zur Hochzeit ein Bäumchen im Hochzeitswald an der Leuzenbronner Steige pflanzen. Mit rund 800 Pflanzen war der Wald dann allerdings voll.
Deshalb wurde ein einzelner großer Baum gepflanzt, um den Ketten gespannt sind, an denen nun die Schlösser befestigt werden können – ähnlich dem Brauch, solche Schlösser an Brückengeländern anzubringen. Die Paare trafen sich zunächst im Rathaus, wo sie mit einem Sektempfang begrüßt wurden. Danach starteten sie stadtauswärts in Richtung Engelsburg. Am Hochzeitswäldchen hatte das Organisationsteam des Standesamtes mit Unterstützung der Stadtverwaltung bereits ein Buffet mit süßen und herzhaften Leckereien sowie Getränken aufgebaut.
Im Anschluss an die Zeremonie war Zeit für Gespräche und Austausch. Bürgermeister Kurt Förster erklärte in seiner kurzen Ansprache, dass die Paare teils aus Rothenburg und Umgebung stammen, teilweise aber auch aus weiter entfernten Städten kommen. Die weiteste Anreise hatte ein Paar aus Österreich mit rund 600 Kilometern.
Rund 400 Kilometer weit sind Stefan Mohr und Marie Müller gefahren, um ihr rotes Schloss anzubringen. Die beiden wohnen in Leverkusen und haben im August 2024 in Rothenburg geheiratet. Ihr erster Urlaub als Paar habe damals zum Taubertal-Festival geführt. Seit acht Jahren kommen sie nun jedes Jahr wieder, „immer wieder ins gleiche Hotel“, erzählt Marie Müller.
Nachdem der Rothenburger Burggarten dann auch die Kulisse für den Heiratsantrag war, „und die Frauen im Standesamt so nett waren“, entschieden sich die beiden, hier zu heiraten. „Es war wirklich ein sehr schöner Tag“, erinnert sich Müller und lobt besonders die Rede, die Standesbeamtin Nadja Rößler „sehr persönlich“ gestaltet habe.
Eine jahrzehntelange Verbindung haben auch Katrin und Stefan Just, die in Karlsruhe leben. „Die Stadt ist für uns wie eine zweite Heimat“, sagen die beiden. „Ich war schon als Kind regelmäßig in Rothenburg und bin hier hängengeblieben“, erklärt Stefan Just. Jedes Jahr verbringen die zwei mehrere Wochen hier.
Da war die Entscheidung, die Stadt für ihre Trauung auszuwählen, schnell gefallen. In dem „wunderschönen Trauzimmer“ gaben sich die beiden im vergangenen November dann das Ja-Wort.
Den sonnigen Nachmittag nutzten die Paare – viele waren mit ihren Babys und älteren Kindern gekommen – zum Austausch und zum Schwelgen in Erinnerungen an ihren besonderen Tag.