Containerdorf bei Dietersheim ist überflüssig: Vermieter will trotzdem Geld | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.07.2025 17:44

Containerdorf bei Dietersheim ist überflüssig: Vermieter will trotzdem Geld

Dort könnten/sollten/müssten sie stehen, sind aber nach wie vor weit und breit nicht in Sicht: die Container für das vertraglich vereinbarte, aber mittlerweile überflüssige Containerdorf auf dem EKA-Areal. (Archivfoto: Nina Daebel)
Dort könnten/sollten/müssten sie stehen, sind aber nach wie vor weit und breit nicht in Sicht: die Container für das vertraglich vereinbarte, aber mittlerweile überflüssige Containerdorf auf dem EKA-Areal. (Archivfoto: Nina Daebel)
Dort könnten/sollten/müssten sie stehen, sind aber nach wie vor weit und breit nicht in Sicht: die Container für das vertraglich vereinbarte, aber mittlerweile überflüssige Containerdorf auf dem EKA-Areal. (Archivfoto: Nina Daebel)

Werden auf dem Dietersheimer EKA-Gelände Flüchtlinge einziehen? Wird das dort ursprünglich geplante Containerdorf errichtet und wird es seinen Betrieb aufnehmen? „Nein“, sagt Landrat Dr. Christian von Dobschütz, denn „wir brauchen es einfach nicht“. Und „Ja“, sagt Landrat Christian von Dobschütz: „Der Vertrag existiert nun einmal.“

Wäre die Arbeit eines Landrats ein Spiel, dann wäre Christian von Dobschütz jetzt in der Zwickmühle. Diese sprichwörtlich gebrauchte Floskel beschreibt eine Situation beim Brettspiel Mühle, bei der man mit einem Zug eine Mühle öffnen und damit eine andere Mühle schließen kann. Für den Gegner heißt das, er sitzt ausweglos in der Zwickmühle. Genau so geht es dem Landrat aktuell mit dem fast schon ein wenig in Vergessenheit geratenen Dietersheimer Containerdorf.

Zur Erinnerung: In den Zeiten, in denen dem Landkreis monatlich große Kontingente an Geflüchteten zugewiesen wurden – der Höhepunkt mit 197 Personen war im Oktober 2023 – suchte von Dobschütz’ Vorgänger Helmut Weiß händeringend nach Unterkünften. Gemeinden wurden angeschrieben und um Mithilfe gebeten – die Resonanz war ernüchternd.

Unwille in Kommunen

Dann ging die Landkreisverwaltung dazu über, mehr oder weniger im Geheimen Unterkünfte von Privatpersonen oder auch von Investoren anzumieten und dort geflüchtete Menschen einzuquartieren – manchmal sehr zum Unwillen der betroffenen Kommunen. In diese Zeit fällt auch die Planung für das Dietersheimer Containerdorf.

Dieses, so hatte es Helmut Weiß begründet, sei vor allem dazu gedacht, die damals noch existierende und phasenweise vollständig überbelegte Notunterkunft in Scheinfeld zu entlasten. Auf der Industriebrache des EKA-Geländes zwischen B470 und Bahnlinie sollte der Inhaber des Geländes, der Fürther Immobilien-Mogul Thomas Sommer, eine bestimmte Anzahl von Containern aufstellen lassen. Diese sollten dann für die Unterbringung von Geflüchteten – die Rede war zunächst von 150 Menschen, später von 100 – zur Verfügung stehen. Der Landkreis sollte den Sicherheitsdienst übernehmen und Miete bezahlen.

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Unterzeichnung kurz vor dem Rücktritt

Kaum waren diese Pläne bekannt, gründete sich in Dietersheim eine Initiative. Diese betonte ausdrücklich, keinesfalls gegen die Aufnahme und Integration von Geflüchteten zu sein, doch bitteschön nicht in dieser Menge und auf so engem Raum. In einem Dorf wie Dietersheim würden damit alle Integrationsversuche unmöglich gemacht, zudem bestehe die Gefahr der Ghettobildung.

Nachdem Weiß jedoch keine Kompromissbereitschaft erkennen ließ und die Notwendigkeit der Einrichtung betonte, kam es zu Protesten und am Rande einer Bürgermeister-Dienstversammlung auch zu hässlichen Szenen und sehr persönlichen Vorwürfen gegen den damaligen Landrat. Dieser blieb unbeeindruckt und unterzeichnete im Mai 2024 – kurz vor seinem Rücktritt – den besagten Vertrag mit Thomas Sommer.

„Die Situation ist heute aber eine völlig andere“, erklärte nun Weiß’ Nachfolger Christian von Dobschütz. Der Landkreis verfüge längst über genügend dezentrale Unterkünfte, verteilt auf 18 Gemeinden. Diese hätten teilweise sogar noch „Puffer“, also freie Räumlichkeiten, die man im Falle neuer Zuweisungen nutzen könne. Allein: Diese Zuweisungen kommen schon seit Monaten nicht mehr.

Vertrag über vier Jahre geschlossen

Hatte der Landkreis im August 2024 noch 70 Menschen aufnehmen müssen, so waren es im Januar 2025 noch 13, im Februar und März noch jeweils neun und im vergangenen Juni noch genau zwei Personen. „Mit etwa 90 Prozent ist unsere Erfüllungsquote die beste“, sagt dazu der Landrat und bezieht sich auf die mittelfränkischen Landkreiszahlen. Will heißen: Auf absehbare Zeit wird sich dieser abnehmende Trend nicht umkehren – im Gegenteil. „Das ist eine entspannte Lage“, sagt von Dobschütz.

Eigentlich wäre man damit doch fein raus, oder? Es gibt keine Geflüchteten mehr, die man unterbringen müsste, und das Containerdorf steht noch nicht, so dass der Landkreis bisher auch keine Miete in Millionenhöhe an Sommer zahlen muss. Aber – und da seufzt der Landrat – ganz so einfach ist es nicht: Der Vertrag ist rechtsgültig und sobald die Container auf dem Gelände platziert sind und Sommer die „Inbetriebnahme“ meldet, muss für vier Jahre Miete aus Steuermitteln bezahlt werden.

Inbetriebnahme mit „Augenmaß“?

Damit dieses Geld nicht sinnlos verschwendet ist, indem man Miete ohne jeden Gegenwert entrichtet, sieht sich der Landrat verpflichtet, andere Unterbringungseinrichtungen, bei denen die Verträge auslaufen, aufzulösen, dort Miete einzusparen, und die dort untergebrachten Menschen nach Dietersheim umzusiedeln. „Mit Augenmaß natürlich“, sagt Christian von Dobschütz – er spricht von 20 bis 30 Personen.

Es ist nicht etwa so, dass der Landrat nicht probiert hätte, aus dieser Zwickmühle herauszukommen. Er hat mit Thomas Sommer verhandelt, er hat Angebote gemacht. „Das Areal ist doch hoch interessant“, sagt von Dobschütz: Ein interkommunales Gewerbegebiet für Neustadt und Dietersheim wäre vorstellbar, auch in Richtung Wasserstoffnutzung ließe sich hier denken. „Ich würde mir wirklich wünschen, dass auf dem Gelände etwas anderes entsteht als ein Containerdorf.“

Thomas Sommer lehnte ab. Eine Woche nach dem Gespräch mit dem Landrat ließ der Unternehmer wissen, er bleibe lieber beim bestehenden Mietvertrag. Container sind auf dem Areal allerdings weiterhin nicht zu entdecken. Eine schriftliche Anfrage der Redaktion dazu sowie zu möglichen anderen Perspektiven des Areals ließ Sommer bisher unbeantwortet.


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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