Die Dorflinde im Heilsbronner Stadtteil Weiterndorf steht auf einer Verkehrsinsel. Sie ist eingefasst vom Klosterweg und den beiden Einmündungen des Schleifweges. Der von einer Bank umgebene Baum lässt wenig Platz zur Fahrbahn. Und doch warten dort jeden Morgen rund zwei Dutzend Grundschüler auf ihren Bus. „Ziemlich gefährlich“, beklagen sich Eltern und fordern, die Haltestelle zu verlegen.
Eigentlich ist die Verkehrsinsel nicht die Bushaltestelle. Die liegt etwa 40 Meter weiter im Schleifweg, wird aber vom Linienbus nicht angefahren. Dort gibt es neben dem alten Feuerwehrhaus auch eine Art Wartehalle, allerdings keinen Gehweg. Und die Kinder müssten auf der Wiese warten. Stattdessen spielen einige von ihnen Fußball auf der Fahrbahn, andere gehen ihrem Bewegungsdrang nach. Diszipliniertes Warten sieht anders aus.
Noch vor ein paar Jahren war die Bushaltestelle unproblematisch. Im Dorf gab es nicht besonders viele Schulkinder. Das ist anders geworden, seit die Stadt zunächst „Am Zenterling“ und zuletzt „An den Schwabachauen“ zwei große Baugebiete ausgewiesen hat. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl der Einwohner mehr als verdoppelt. Vor allem junge Familien sind zugezogen. Die Infrastruktur indes ist nicht mitgewachsen.
Eine Eingabe der Eltern im Heilsbronner Rathaus hat zu einer Ortsbesichtigung durch die Polizeiinspektion geführt. Die Beamten haben sich zwei Vorschläge angesehen, die Bushaltestelle in den Klosterweg Richtung Heilsbronn zu verlegen. Also näher an die Siedlungen heran. Laut Stadtverwaltung kommt die Polizei zu dem Ergebnis, es gäbe „keine messbar verbesserte Sicherheit für die wartenden Kinder“.
Mit dem Thema hat sich am Mittwochabend auch der Bauausschuss des Stadtrats beschäftigt. Die Meinungen gingen weit auseinander. Gaby Schaaf (Grüne) hob die Gefahren an der Linde hervor, „weil Fahrzeuge von mehreren Seiten kommen und vorbeifahren“. Sie sprach sich für die Verlegung der Haltestelle in den Klosterweg aus, denn dort gebe es einen breiten Gehweg. Der Polizei bescheinigte sie, „nicht unfehlbar“ zu sein. Die Elternmeinung sollte mehr Gewicht haben als die behördliche Stellungnahme.
Hingegen meinte Uwe Oehler (SPD), man würde so „nur neue Gefahrenpotenziale“ schaffen. Und Manfred Huber (CSU) betonte, die Gefährdung sei immer dann vorhanden, wenn wartende Kinder „unruhig“ seien. Im Bereich der Linde könne kein Auto schneller als Tempo 30 fahren. Für Peter Stemmer (Freie Wähler) sind die vorgeschlagenen Orte für eine neue Bushaltestelle „keine Ideallösungen“. Auf die Anregung von Hans Imper (FW), zwischen Gasthaus und Linde ein Stück Grund zu erwerben, um dort eine Busbucht zu bauen, ging die Verwaltung nicht näher ein.
Letztlich scheiterte der Elternantrag knapp. Somit gibt es zunächst nicht mehr Sicherheit für die Schulkinder. Eventuell, so meinte Bürgermeister Dr. Jürgen Pfeiffer, könnte man mit dem Verkehrszeichen 136 (Kinder) die Autofahrenden zur Vorsicht ermahnen.
Dass der Bus der Linie 713 nicht einfach die offizielle Haltestelle anfährt, begründet das Busunternehmen mit dem Umweg und der engen Zufahrt durch parkende Fahrzeuge im Einmündungsbereich. Dadurch könnte der ohnehin knapp kalkulierte Fahrplan nicht eingehalten werden.