Faul auf der Couch zu liegen, ist nichts für Peter Feuchter. Wenige Stunden vor dem FLZ-Gespräch fuhr er siebenmal mit dem Rad den Hesselberg hoch. Mit seinen 62 Jahren steckt der Burgoberbacher in Sachen Fitness wohl manch Jüngeren in die Tasche. Seit rund 33 Jahren gehört seine Leidenschaft dem Rennrad.
„Man kann es auch in Kilometern ausdrücken: 320.000”, sagt Peter Feuchter stolz. So viel ist er schon gefahren. Das ist etwa achtmal um die Erde. Schuld an dem Rennrad-Fieber ist ursprünglich seine Frau Petra. „Ihr ist aufgefallen, dass ich jeden Abend nach der Arbeit auf dem Sofa herumsitze. Da hat sie den Spruch losgelassen: ‚Du musst dir mal was suchen, zum Beispiel Sport.‘” Welche Lawine sie damit lostreten würde, ahnte sie wohl nicht.
„Fahrradfahren klingt cool”, dachte sich der damals 29-Jährige. Schon im ersten Jahr stieg er dann vom Trekking- aufs Rennrad um. Heute trainiert er drei bis fünf Tage pro Woche – kürzere Einheiten mit zweieinhalb bis drei, längere mit vier bis sechs Stunden. 42 Jahre lang arbeitete Feuchter bei der Firma Bosch als Führungskraft in der Qualitätssicherung, seit viereinhalb Jahren ist er nun zu Hause und kann sich ganz auf sein Hobby konzentrieren.
Pro Jahr fährt er zwei bis drei Rennen. Sein Geschwindigkeitsrekord liegt bei 98 Kilometern pro Stunde. Das längste Rennen mit 270 Kilometern und 6000 Höhenmetern führte von Sonthofen über das Stilfser Joch bis zum Ortler in Südtirol. Dafür brauchte er knapp zwölf Stunden. Bergetappen sind seine Stärke. „Sicher frage ich mich bei einem Wettkampf von zehn Stunden Länge ab und zu, warum ich das mache”, gibt er zu. „Aber kaum ist man oben und fährt Richtung Ziel ab, hat man nur noch ein Grinsen im Gesicht.”
Während eines zehnstündigen Rennens trinkt Feuchter etwa sieben Liter und nimmt mehr als ein Kilo Zucker in Form von Getränken und Gels mit Kohlenhydratpulver zu sich. Das schmeckt nicht so eklig, wie es klingt: „Mittlerweile kann man jeden Fruchtgeschmack haben. Wenn man die Augen zumacht, denkt man, man beißt in einen Apfel.”
Ein Lieblings-Rennen hat Feuchter auch: „Das Herz schlägt für den Ötztaler Radmarathon.” Der findet jährlich Ende August statt und führt von Sölden über vier Alpenpässe nach Südtirol und zurück: 227 Kilometer und 5500 Höhenmeter. Zehnmal hat er die Strecke schon erfolgreich beendet. 2010 meisterte er sie in neun Stunden, 35 Minuten – das war sein bisher bestes Renn-Ergebnis. Heuer hatte er kein Glück bei der Verlosung des Startplatzes. Sein Ziel ist aber, den Ötztaler Marathon noch einmal in unter zehn Stunden zu fahren.
Passende Trainingspartner zu finden, ist gar nicht so leicht: „Zwar fahren viele Rennrad, aber wenige trainieren das Rennradfahren strukturiert.” Einmal im Jahr organisiert Feuchter ein Trainingslager, zum Beispiel auf Mallorca, für Rennradfahrer auf seinem Leistungsniveau. Beim Training sei wichtig, „dass man nicht jeden Tag schnell fährt, sondern auch ruhige Einheiten einbaut”, erklärt er. „Der Muskel wächst in der Erholungsphase und nicht bei Belastung.” Und wer sich auf ein Bergrennen vorbereite, müsse auch beim Training Höhenmeter fahren.
Neben den Rennen unternahm Feuchter bereits sechs längere Radreisen mit Freunden, meist ging es über Alpenpässe. „Der Wahnsinns-Blick von weit oben” lockt ihn. „Schön ist es, wenn der Kollege fünf bis acht Minuten langsamer fährt, dann hat man oben mehr Zeit.” Erst im Juli begab er sich zusammen mit Thomas Fischer aus Pleinfeld (58) auf die Spuren der Tour de France. In elf Etappen durchquerten sie mit Minimalgepäck und ohne Begleitfahrzeug die französischen Seealpen. Die Strecke – 1150 Kilometer und 20.600 Höhenmeter – führte von Martigny am Genfer See bis nach Nizza, über Turin und den großen Sankt Bernhard zurück nach Martigny. „Das Wetter war traumhaft.”
Über die Jahre hat Feuchter nur fünf Räder verschlissen. „Eins hat mir leider ein Freiburger Fahrlehrer in Südtirol zu Schrott gefahren.” Bei dem Unfall 2007 hatte er Glück im Unglück. Der Freiburger fuhr in einer Gruppe von Motorradfahrern auf einem Bergpass in den Dolomiten. „Er ist viel zu schnell unterwegs gewesen, kam nicht um die Kurve” und geriet auf die Gegenfahrbahn. „Genau in dem Moment kam ich.” Frontal krachten die Fahrzeuge gegeneinander und Feuchter wurde aus dem Sattel katapultiert. Er prallte mit dem Helm und den Schultern auf die Fahrbahn. „Es sah schlimmer aus, als es war”, winkt er ab. Ein paar Schürfwunden und Prellungen trug er davon, sein teures Rad hatte es in drei Teile zerlegt. „Ich war dann mal zwei Wochen außer Gefecht.” Zumindest radtechnisch. Krank meldete er sich nicht – nur die Bosch-Kantine mied er für einige Tage. Das gelb-blau gefärbte Gesicht hätte wohl Nachfragen provoziert.
Manchmal fährt Peter Feuchter auch „ganz gechillt” mit seiner Frau um den Altmühlsee. Aber nicht lange und ihn packt wieder das Renn-Fieber. Die nächste große Herausforderung wartet am 30. August: „Wenn das Wetter mitspielt, möchte ich das Stilfser Joch an einem Tag von allen drei Seiten anfahren” – von Prad (Südtirol), von Bormio (Italien) und von Santa Maria (Schweiz) aus. Es ist bestimmt nicht seine letzte Herausforderung.