2025 treten in den Wahlkreisen Erlangen und Fürth zur Bundestagswahl deutlich weniger Parteien mit einem Direktkandidaten an als vor knapp vier Jahren. Das bedeutet: Einige tausend Wählerinnen und Wähler müssen sich zwangsläufig anders entscheiden. Sie könnten ein Zünglein an der Waage sein.
Bei der Bundestagswahl 2021 entfielen im Wahlkreis Fürth 5,1 Prozent der Erststimmen auf Kandidaten, deren Parteien weder im Bundestag noch im bayerischen Landtag vertreten waren. Im Wahlkreis Erlangen waren es 5,6 Prozent und zusätzlich noch 0,4 Prozent für Einzelbewerber, die ganz ohne Parteiliste antraten, insgesamt also 6,0 Prozent.
Für die „Sonstigen“, wie diese Art der Bewerber bisweilen zusammengefasst wird, waren dies in Summe immerhin gut 10.000 Stimmen im Wahlkreis Fürth und über 9300 Stimmen im deutlich kleineren Wahlkreis Erlangen. Im Wahlkreis Fürth könnten der ÖDP und Volt die Stimmen erhalten bleiben. Sie sind die einzigen beiden Kleinparteien, die sowohl 2021 als auch 2025 Direktkandidaten am Start haben.
Rechnet man deren Stimmen von 2021 heraus, bleiben im Wahlkreis Fürth immerhin rund 7500, die auf alle Fälle neu verteilt werden.
Wo gehen diese Wählerinnen und Wähler bei den nun anstehenden Neuwahlen hin? Wenden sie sich den anderen, deutlich weniger gewordenen „Kleinen“ zu? Oder schließen sie sich doch einer der Parlamentsparteien an? Oder wechseln sie ins Lager jener, die selbst kein Kreuz machen, sich also dafür entscheiden, ihren Mitbürgern die Wahl zu überlassen.
Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass jede dieser Möglichkeiten – und es gibt nur diese drei – von mehr oder minder vielen Wählerinnen und Wählern genutzt wird. Für die letztlich unterlegenen Kandidaten werden die eventuell zusätzlichen Stimmen keine Auswirkung haben. Für die beiden Sieger in den Wahlkreisen Fürth und Erlangen – sofern sie von der CSU stammen sollten – spielt jedoch wegen der Wahlrechtsreform jedes Zehntelprozent unter Umständen eine Rolle.
Bei den Zweitstimmen ist das Potenzial an sozusagen herrenlosen Sonstigen-Stimmen deutlich kleiner. Zwar entfielen 2021 im Wahlkreis Fürth 6,5 Prozent der Zweitstimmen auf jene Kleinparteien, im Wahlkreis Erlangen 5,7 Prozent. Doch haben zahlreiche der damaligen Parteien auch diesmal eine Liste aufgestellt. Somit bleiben im Wahlkreis Fürth nur noch gut 3000 und im Wahlkreis Erlangen 2100 Stimmen, die diesmal garantiert nicht an dieselbe Partei gehen, wie 2021.
Über mehr Zweitstimmen freut sich freilich jede Partei. Bei allen, die den Sprung ins Parlament schaffen, wirken sich höhere Zweitstimmenanteile als mehr Mandate aus. Und: Mehr Zweitstimmen bedeuten auch mehr Geld – dank Parteienfinanzierungsgesetz. Letzteres gilt im Übrigen auch für die „Sonstigen“, sofern sie im deutschlandweiten Gesamtergebnis mindestens ein halbes Prozent erreichen.