Bei einem Ortstermin hat der Bund Naturschutz (BN) im Naturschutzgebiet Ellenbach nahe des Bechhofener Ortsteils Wiesethbruck über die Auswirkungen der in der Nähe stattfindenden Trinkwasserförderung informiert. Die Reckenberg-Gruppe entnimmt in der Arberger Heide seit 2019 Grundwasser. 2020 und 2022 trocknete der Bach aus.
Der Zweckverband Reckenberg-Gruppe hat hier bis 2028 die Genehmigung, jährlich eine Millionen Kubikmeter Wasser zu fördern – für den BN ist das zu viel, er fordert eine deutlich geringere Menge. Der Nürnberger Geohydrologe Dr. Otto Heimbucher erklärte: „Ich würde bei weiteren Tests mit einer Reduzierung von 30 bis 40 Prozent beginnen.“
Teile des Ellenbachs sind als eines von 13 Naturschutzgebieten im Landkreis Ansbach ausgewiesen, erklärte Maria Hetzel, Vorstandsmitglieder der BN-Kreisgruppe Ansbach. Seitdem der Ellenbach 2020 erstmals komplett trockenfiel, wodurch unter anderem Fische verendeten, ist er auch auf dem Radar der Behörden und des Umweltministeriums gelandet. 2021 wurde ein weiterer Pumpversuch angeordnet.
Laut BN gab es für diesen Versuch, der 2022 stattfand, von Umweltminister Thorsten Glauber die Ansage, dass sichergestellt werden müsse, dass der Ellenbach während des Versuchs nicht erneut austrocknet. Doch genau das geschah. Renate Götzenberger, die stellenvertretende Sprecherin des BN-Landesarbeitskreises Wasser, bezeichnete dieses Vorgehen als grotesk: „Der Umweltminister sagt, der Bach darf nicht mehr austrocknen und genau das passiert wenig später.“
Christof Lautner, der Werkleiter der Reckenberg-Gruppe, entgegnete auf FLZ-Anfrage, dass für den Pumpversuch ein separater Wasserrechtsbescheid mit höheren Entnahmemengen vorgelegen habe. Dies vor dem Hintergrund, dass ein sogenannter Stresstest aufzeigen sollte, welche maximal gewinnbaren Grundwassermengen vorhanden sind. „Dass der Ellenbachgraben während des Pumpversuchs teilweise trockenfällt, war vorherzusehen, eine Stützung mit Rohwasser erfolgte entsprechend den Bescheidsauflagen“, erklärte Lautner.
Renate Götzenberger ärgerte sich auch über eine frühere Aussage von Lautner. Der hatte Ende vergangenen Jahres gegenüber der FLZ erklärt, dass es im Ellenbach nur „Einzelexemplare“ an Fischen gegeben habe. „Das stimmt nicht. Vor dem ersten Austrocknen gab es hier reichhaltig Fische. Ich wundere mich schon, dass Herr Lautner ein Experte für Fische im Ellenbach geworden ist“, sagte Götzenberger.
Die Naturschützer sind zu der Erkenntnis gekommen, dass der oberflächennahe Grundwasserspiegel durch die Wasserförderung inzwischen um 2,50 Meter abgesunken sei. Dem Bach fehle somit der Anschluss an das Grundwasser, was zu einer Versickerung führe.
Eine der Auflagen für die Reckenberg-Gruppe ist daher die besagte Stützung des Ellenbachs: Wenn der Bach zu wenig Wasser führt, dann muss gefördertes Frischwasser wieder zugeführt werden. Diese Stützung funktioniert laut BN aber nicht. Die Reckenberg-Gruppe müsse eine Mindestfließmenge von fünf Litern pro Sekunde gewährleisten. Zwischen Mai und Oktober 2023 habe der Wert darunter gelegen, teilweise nur bei einem Liter pro Sekunde. Das habe den Bach massiv geschädigt.
Zudem gab es für die Reckenberg-Gruppe im vergangenen Sommer per Bescheid des Landratsamtes die Auflage, das für Fische nicht passierbare Messwehr am Zufluss des Ellenbachs umzubauen, damit sich wieder Fische im Bach ansiedeln können. Das ist bis dato nicht geschehen, was auch das Landratsamt bestätigte. „Die Reckenberg-Gruppe tut so, als würde sie das nichts angehen. Auch das Landratsamt hat unser Schreiben von Anfang Mai dazu noch nicht beantwortet“, erklärte Tom Konopka, der Regionalreferent Mittelfranken des BN. Es sei nur eine Frage der Zeit, so Konopka, wann nicht nur der Bach, sondern das gesamte Feuchtgebiet trockenfalle. Das würde viele gefährdete und geschützte Tier- und Pflanzenarten bedrohen.
Werkleiter Christof Lautner erklärte dazu: „Wir sind in Gesprächen mit den Behörden in Bezug auf den Rückbau des Messwehrs.“ Dieses werde aber zur Messung des Mindestabflusses und somit als Bezugsgröße zur vorgeschriebenen Stützung des Ellenbachs benötigt. Außerdem werde es für das geforderte und derzeit laufende gewässerökologische Untersuchungsprogramm benötigt. Nach abschließender Entscheidungsfindung sei „ein zeitnaher Rückbau vorgesehen“.
Das Landratsamt erläuterte: Bei einem Runden Tisch am 6. Mai – und damit unmittelbar, nachdem der BN an das Landratsamt geschrieben hatte – mit der Reckenberg-Gruppe, dem Wasserwirtschaftsamt Ansbach und dem Landesamt für Umwelt sei der Aus- oder Umbau des Wehrs Thema gewesen. Die Möglichkeiten würden derzeit zwischen dem Gutachter der Reckenberg-Gruppe und dem Landesamt für Umwelt abgestimmt. Es sei vorgesehen, das Schreiben des BN anschließend zu beantworten.
Dass die geeignete Wasserfördermenge im Bereich des Ellenbachs eventuell angepasst werden muss, haben auch der Wasserversorger und die Behörden erkannt. Werkleiter Lautner erklärte dazu: „Das laufende Monitoring, der Pumpversuch, die gewässerökologischen Gutachten und die Grundwassermodellierung, welche bis Mitte 2025 abgeschlossen sein sollen, werden in einen neuen Wasserrechtsantrag münden. Auf dieser Basis kann die Bewertung der Situation unter besonderer Berücksichtigung des Naturschutzgebietes erfolgen.“