Wolfgang Schicktanz ist der etwas andere Bürgermeister. Viele Jahre lang forcierte er verbindende Ansätze im Gemeinderat und überwand beinahe nebenbei die Kluft zwischen Rügland und Unternbibert. Bei der Kommunalwahl 2026 will der 67-Jährige aber nicht mehr antreten und bereitet stattdessen den Boden für seinen designierten Nachfolger.
„Sind wir uns einig?” Diese Frage aus dem Mund von Wolfgang Schicktanz war bei den Zusammenkünften der Volksvertreter der kleinen Gemeinde immer wieder zu hören in den zurückliegenden Jahren. Widerworte gab es auf diese ohnehin rhetorische Frage kaum einmal, das Gros der Entscheidungen in Rügland fällt seit Jahren einstimmig aus. „Andere Meinungen sind das Salz in der Suppe der Demokratie”, findet Schicktanz ganz grundsätzlich. Ebenso deutlich sagt er aber auch: „Dabei geht es immer um vernünftige Lösungen.”
Das war in einer der kleinsten Gemeinden im Landkreis mit rund 1400 Bewohnerinnen und Bewohnern nicht immer so, erinnert sich der scheidende Bürgermeister. Als er 2008 erstmals in den Gemeinderat gewählt worden war, zankten sich die gewählten Vertreter gleich in der ersten Sitzung über die Positionierung des neu zu bauenden Kindergartens. Die Fraktion aus Unternbibert wollte die bestehende, aber deutlich in die Jahre gekommene Kita im eigenen Ortsteil erhalten, die Rügländer votierten vehement für einen Neubau vor ihrer Haustür.
Diese Gräben zwischen Rügland und Unternbibert sind inzwischen zugeschüttet oder besser: aufgefüllt mit Respekt und Verständnis füreinander und die jeweiligen Probleme und Befindlichkeiten. „Wenn wir in unserer Gemeinde etwas erreichen wollen, müssen wir zusammenhalten. Ansonsten blockiert man sich doch nur gegenseitig. Das haben wir gemerkt.” Seinen eigenen Anteil an der Befriedung der lange gehegten Rivalität mag Schicktanz, der in Unternbibert wohnt, nicht zu hoch hängen. Das würde wohl auch kaum zu seinem eher zurückhaltenden und immer sachorientierten Naturell passen. In der Gemeinde ist er nicht der Herr Bürgermeister, sondern „der Wolfgang”.
„Der Job macht mir Spaß, es reizt mich auch, aber nochmal sechs Jahre sind einfach zu viel”, erklärt Schicktanz, warum er am 8. März nächsten Jahres nicht mehr zur Wahl antritt und Platz macht für einen neuen Bürgermeister. Das wird wohl ein alter Bekannter in der Gemeinde: Armin Pfisterer, seit 2002 im Gemeinderat und bislang als Schicktanz Stellvertreter seine rechte Hand, gilt als erster Anwärter auf den Posten. Auch für Schicktanz selbst: „Wir haben immer am gleichen Strang gezogen.”
Wohl auch aus diesem Grund wurden in der jüngeren Vergangenheit etliche bereits eingefädelte Projekte umgesetzt. Etwa die neue Kläranlage, der Ausbau der Glasfaserleitungen für schnelles Internet, die Anschaffung neuer Feuerwehrfahrzeuge oder auch der Kauf von Flächen für die Erweiterung des Gewerbegebiets „Am Rosenfeld” und für das Baugebiet „Seefeld II”. „Da tut sich einiges”, kann Schicktanz auch dank einer gut funktionierenden Verwaltungsgemeinschaft mit Weihenzell sagen.
Finanziell ist die Gemeinde „gut aufgestellt”, findet der noch amtierende Bürgermeister. Die Rücklagen liegen trotz der neuen Kläranlage – „die größte Baumaßnahme in der jüngeren Rügländer Historie” – noch immer bei rund 2,5 Millionen Euro. Obwohl die Kosten nur zur Hälfte auf die Einwohner umgelegt wurden. Zudem, und das ist Schicktanz wichtig, ist der Bauhof nun mit der Erweiterung auf 2,5 Stellen auch personell gut ausgestattet. „Engagierte Mitarbeiter darfst du nicht ausbremsen.”
Er selbst wird ab dem nächsten Jahr etwas kürzertreten, mehr Zeit mit seiner Frau Luzia verbringen und sich dem heimischen Garten in Unternbibert widmen. Zurück in die Stadt mag der in Nürnberg aufgewachsene Schicktanz nicht mehr. Im Gegenteil. Rügland ist längst seine Heimat. „Ich würde jederzeit wieder hierher ziehen.”